Baustelle
Traditionen neu belebt
Die geschickte Verknüpfung von Denkmalschutz und moderner Wärmedämmung verwandelte eine Gruppe Gründerzeithäuser in exklusive Wohn-Lofts und moderne Ausstellungsräume.
Als Denkmäler einer längst vergangenen Zeit missachtet, vergessen und dem Verfall übergeben, fristen vielfach die Reste von Gründerzeitbauten ein trübes Dasein. Erst in jüngster Zeit entdecken Investoren, Bauherren und Planer die einst stolzen Wohn- und Gewerbeensembles als attraktive Ausbauobjekte wieder neu. Die Symbiose von Industriearchitektur des späten 19. Jahrhunderts und architektonischen Elementen der Moderne ergibt dann ein außergewöhnliches und unverwechselbares Ambiente.
So auch in Köln: Das Bauteam verwandelt die Spichern Höfe im Belgischen Viertel in funktionelle Wohn- und Gewerbelofts mit Showrooms für extravagantes italienisches Möbeldesign. Der Einsatz von Mineraldämmplatten in Kombination mit der alten Bausubstanz führte zu einem optischen Raumeindruck von bestechender Einfachheit, der viel Platz für individuelles Gepräge bietet. Auf einer Nutzfläche von insgesamt 10.000 m² entstehen Handel, Handwerk Wohnen. Diese Mischung verlieh dem Viertel schon im ausgehenden 19. Jahrhundert seinen unverwechselbaren Charakter. Ausgebaut wurde ein Ensemble von insgesamt sieben Gebäuden mit zusammenhängenden Höfen und Hinterhofbebauung. Die gründerzeitliche Anlage steht unter Denkmalschutz. Für die Planer Regina Leipertz und Martin Kostulski vom Kölner Büro "LK Architekten" bedeutete dies zunächst die behutsame Freilegung und Restaurierung der historischen Bausubstanz. Im Bereich des Außenbaus wurden daher die Fassaden aus Feldbrannt-Ziegelmauerwerk gesäubert, ausgebessert und neu verfugt. Der Einbau maßgefertigter, feindetaillierter Aluminiumfenster mit spezieller Pulverbeschichtung fügt sich in die strengen Proportionen der Altbaufassade.
Mit Innendämmung Wärmeschutz verbessert
Im Innenraum werden die historischen Kappendecken unter Berücksichtigung der bestehenden Brandschutzanforderungen detailgetreu neu verputzt. Die Innendämmung der Fassaden erfüllt die Anforderungen an den modernen Wärmeschutz. Die Dämmung von Innen ist bei der Renovierung denkmalgeschützter Fassaden oftmals die einzige Möglichkeit, ungenügenden Wärmeschutz zu verbessern. Architekt Martin Kostulski hat bei dem Kölner Projekt erstmalig mit dem mineralischen Dämmstoff gearbeitet. "Die speziellen Materialeigenschaften der Ytong Multipor Platten, die den Einsatz in vielen Anwendungsgebieten ermöglichen, kamen uns als Alternative zu anderen Dämmstoffen sehr entgegen." Berichtet er.
Für den Wandbereich gab es keine Brandschutzanforderungen. Deshalb waren für die Sanierung weniger die Brandschutzqualitäten als vielmehr die hohe Wärmedämmung (siehe Bautafel) und die gute Diffusionsoffenheit des mineralischen Baustoffs von Interesse. "Diese Kombination," so begründete der Architekt seine Entscheidung, "war für uns entscheidend. Sie machte es möglich, die Innendämmung ohne aufwändige Dampfsperren auszuführen und bietet den späteren Mietern Vorteile durch optimale klimatische Bedingungen im Rauminneren." Durch ihre mineralische Struktur nämlich, so der Planer, garantiere die Dämmung ein natürliches und in Bezug auf Temperatur und Feuchtigkeit ausgeglichenes Raumklima. Außerdem vermittle das druckfeste Material einen massiven Wandeindruck. "Beides ist für die geplanten Ausstellungsräume von besonderem Interesse und stellt einen hohen Wohnkomfort sicher."
Schulung vor Verarbeitung verbessert Ausführungssicherheit
Die Renovierung der Kölner Spichern Höfe erfolgte mit einem Dämmstoff, der für die meisten Untergründe geeignet ist. Einzige Voraussetzung: Der Untergrund muss klebefähig, das heißt sauber von haftmindernden Rückständen und trocken sein. Nicht tragfähiger Putz, Sperrschichten oder dichte Anstriche müssen vor Aufbringen der Platten entfernt, Schadstellen ausgebessert werden. Da im vorliegenden Fall der gesamte Innenputz schadhaft und nicht tragfähig war, wurde er komplett entfernt. Durch einen Kalk-Zement-Putz, der anschließend auf die zuvor mit einer Haftgrundierung und Putzleisten vorbereitete Fläche aufgetragen wurde, konnten die großen Unebenheiten des alten Mauerwerks ausgeglichen werden. So entstand ein ausreichend planer Untergrund, der später die vollflächige Verklebung und damit die sichere Haftung der Dämmplatten gewährleistet. Zusätzlich ergänzte der Einsatz des mineralischen Putzes die bauphysikalischen Eigenschaften der Dämmung.
Sobald die frisch verputzten Wandflächen ausgetrocknet waren, begann die Verarbeitung der Ytong Multipor Platten. Auch die ausführende Kölner Trockenbaufirma Toby Egger betrat damit Neuland. Die Mitarbeiter wurden daher durch eine spezielle Schulung durch Herstellerpersonal vor Ort in die Verarbeitung eingewiesen. Anfängliche Vorbehalte der Trockenbauer gegenüber dem neuen Baustoff konnten so schnell entkräftet werden. "Das ist normal", weiß Architekt Martin Kostulski aus Erfahrung, "bei der Einführung eines neuen Produktes kämpfen wir in der Regel zunächst gegen Vorurteile an." Schon nach kurzer Zeit jedoch habe sich bei den Mitarbeitern eine hohe Ausführungssicherheit eingestellt, so dass die gewohnte tägliche Verlegeleistung erreicht wurde. "Durch das handliche Format von 600 x 390 mm und das geringe Gewicht ließen sich die Platten schnell und einfach verlegen."
Pass-Stücke können einfach mit einer Handsäge sauber und exakt an die erforderlichen Maße angepasst werden. z.B. im Sockelbereich. Um in Kombination mit den Fußleisten einen wandbündigen Abschluss zu erreichen, springen hier die 60 mm dicken Platten um wenige Zentimeter zurück. Die Verklebung der Platten erfolgt vollflächig. Dazu wurde der frisch angerührte Leichtmörtel vollflächig mit einer Zahntraufel (Zahnung 10 mm) auf der Plattenunterseite aufgetragen und anschließend mit den Zähnen der Glattkelle "durchgekämmt". Idealerweise beträgt die Steghöhe, also die Dicke des aufgetragenen Leichtmörtels nach dem "Durchkämmen" etwa 7-8 mm. Unebenheiten von bis zu 3 mm pro Platte sind dann unproblematisch und lassen sich leicht korrigieren. Um eine möglichst dünne, kraftschlüssige Verbindung zwischen Kleber, Platte und Wand zu erzeugen, wurden die Dämmplatten nach dem Auftragen des Klebers mit leichtem Druck auf der Wandoberfläche eingeschwommen und dann in die richtige Position gerückt. Dabei liegen die Platten im Stoß fugenlos nebeneinander, die Stoßfugen werden nicht verklebt. Geringe Unebenheiten im Stoßbereich konnten mit einem Schleifbrett plan geschliffen werden. Kleinere Eckausbrüche wurden mit Füllmörtel ausgebessert. Wichtig für den reibungslosen Arbeitsverlauf war vor allem die sorgfältig lot- und flutgerechte Ausführung der ersten Reihe. Im Anschluss an die Verlegung der Dämmung wurden sämtliche Wandoberflächen mit Leichtmörtel mit vollflächig eingelegtem Armierungsgewebe verputzt. Abschließend ist ein schlichter weißer Anstrich geplant, der in Verbindung mit Licht die atmosphärische Wirkung der alten Bausubstanz unterstützt.
Fazit
Durch die umsichtige Sanierung mit modernen Dämmstoffen gelang es Architekt und Verarbeiter bei der Sanierung der Kölner Spichern Höfe, ehemals trostlose alte Gebäude der Jahrhundertwende erfolgreich einer neuen Nutzung zuzuführen. Das alte Ambiente bleibt unverkennbar und bewusst erhalten und prägt den besonderen Stil der entstandenen modernen Räume.









