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Artikel und Hintergründe zum Thema

Denkmalpflege und Social Media

Jessica Stütz,

Dachdecker Mirko Fischer streamt seine Arbeit

Dachdecker Mirko Fischer aus dem sächsischen Colditz hat sich mit seinem Betrieb auf die Denkmalpflege spezialisiert: Komplizierte Schiefer- und Biberdächer sind ihm am liebsten. Wer will, kann ihm dabei zusehen, denn er streamt seine Arbeit jeden Tag und zeigt die Filme auf YouTube. Am 7. bis 9. November ist er zudem auf der Messe »denkmal« in Leipzig mit einem Stand vertreten.

Bei der Arbeit: Komplizierte Schieferdächer deckt Mirko Fischer mit seiner Firma Style Dach am liebsten

© Style Dach

dachbaumagazin: Herr Fischer, Sie haben sich der Denkmalpflege verschrieben und sind gleichzeitig einer der aktivsten Dachdecker auf Social Media – wie passt das zusammen?

Mirko Fischer: Als ich vor 30 Jahren meine ersten Dächer gedeckt habe, konnte ich mit Denkmalschutz nicht viel anfangen. Ich hatte immer das Gefühl, die stehen auf der Bremse, während ich einfach das Dach fertig machen wollte. Mein Arbeitgeber hat damals viele Kirchen geschiefert, und mir ist dann klar geworden, was die Handwerker in früheren Jahrhunderten geleistet haben – und dann hat‘s irgendwann Klick gemacht. Bei der Arbeit an einem Kirchendach habe ich dann mal ein paar Fotos gemacht und die auf Facebook hochgeladen. Ergebnis: sehr viel positive Resonanz.

Das war aber erst der Anfang, oder?

Ja, das war erst der Anfang. Ich habe bei Facebook mittlerweile fast 50 000 Follower, bei Instagram sind es 39 000. Und dann haben wir den ersten Film gemacht: Das war im Frühjahr 2017 bei der Arbeit an einer denkmalgeschützten JVA in Oberfranken – altdeutsche Deckung mit eingebundenen Kehlen. Da hatte ich damals einen Praktikanten aus der Ukraine, der die Idee hatte, mir eine kleine Kamera um den Kopf zu schnallen. Der Kollege hat das Video danach geschnitten, und dann haben wir es bei Facebook und YouTube hochgeladen. Das ging richtig scharf ab, und mittlerweile sind es deshalb auch 44 000 Follower bei YouTube und 81 000 bei TikTok.

Ein kleiner Exkurs: Sie führen Ihren Betrieb Style Dach in Colditz, sind aber kein Meister. Wie organisieren Sie das im Arbeitsalltag?

Ich hab‘ keine Geduld, bei mir muss immer alles sofort gehen. Am Anfang meiner Dachdeckerlaufbahn habe ich als Angestellter gearbeitet und bei dem Betrieb oft die komplizierten Arbeiten gemacht, was aber nicht so honoriert wurde, wie ich mir das gewünscht hätte. Ich habe dann zu Beginn meiner Selbstständigkeit ein Reisegewerbe angemeldet und hatte reichlich Arbeit. Aber: Ich durfte keine Werbung machen, meine Leistung nicht präsentieren und bekannt machen. Deshalb habe ich schließlich in meinem Heimatort Colditz Style Dach gegründet und dafür einen Meister angestellt. Ich habe eine Nacht überlegt, selbst neben dem Beruf den Meister zu machen, aber das wäre zeitlich nicht drin gewesen und hätte mir auch schlicht zu lange gedauert.

Zurück zu Social Media – Ihre Live-Streams sind wahnsinnig erfolgreich. Wie erklären Sie sich das?

Naja, ich bin derzeit, glaube ich, der einzige Dachdecker weltweit, der den ganzen Tag die Kamera auf dem Kopf hat und filmt – das macht mir richtig Spaß. Der große Durchbruch kam mit dem Live-Streaming. Das habe ich 2019 bei einer Kirche in Ahlfeld das erste Mal gemacht, und ein Jahr später kam dann der Knaller: Ich hatte auf Montage abends bis 19 Uhr auf dem Dach von Schloss Seehof in Unterfranken Schiefer genagelt und natürlich gefilmt. Da hatten die Kollegen, die zu Hause arbeiten, schon Feierabend und haben dann mir beim Schiefern zugeschaut. Am nächsten Morgen hatte das Video schon 1,5 Millionen Aufrufe, und da dachte ich dann: Wow, das geht ab!

Wenn Sie jeden Tag streamen: Wieviel Material kommt denn da zusammen?

Eine Menge! Von der Baustelle in Halle, wo wir momentan arbeiten, habe ich gerade Teil 98 hochgeladen. Jeder Teil ist bei mir ungefähr zwei Stunden lang. Und wehe, ich vergesse mal einen – dann kommen gleich Nachrichten, wo denn eigentlich Teil 34 ist.

In diesem Jahr werden Sie das zweite Mal auf der Fachmesse »denkmal« in Leipzig vertreten sein, die vom 7. bis 9. November stattfindet. Wie kam es dazu?

Die Messe hatte mich 2022 angerufen und gefragt, ob ich Interesse hätte. Ich dachte natürlich, dass wäre für meinen kleinen Betrieb viel zu teuer, doch mit Sponsoren hat es dann geklappt. Dort haben wir ein Holzhaus aufgestellt und geschiefert, das werden wir dieses Jahr wieder machen. Außerdem können die Besucher bei uns wieder Schieferherzen schlagen, dafür sammele ich das ganze Jahr passende Bruchstücke. Und nicht zuletzt haben sich auch einige Social-Media-Fans angekündigt, die mich am Stand besuchen wollen. Die reisen teilweise aus Berlin an, haben mit der Dachdeckerei sonst gar nichts am Hut und haben sich eigene Schieferhämmer besorgt. Das wird bestimmt wieder großen Spaß machen.

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