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Mehr Investitionen am Bau gefordert
Anlässlich des 2. Deutschen Bauwirtschaftstages forderte der Vorsitzende der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, Karl-Heinz Schneider, vor rund 700 Gästen höhere Investitionen in Deutschland.
"Trotz hoher Steuereinnahmen wird zu wenig investiert. Straßen und öffentliche Einrichtungen sind in einem erbärmlichen Zustand. Unsere Infrastruktur, einst unser Vorzeigeobjekt für den Wirtschaftsstandort Deutschland, wird den steigenden Anforderungen nicht mehr gerecht und verrottet. Marode Kitas, Schulen und Turnhallen sind eine Schande für unser Land", erklärte BVB-Präsident Schneider.
Er postulierte vor allem Anreize, um ein vielfaches höhere private Investitionen auszulösen, denn ansonsten sei der energiepolitische Umbruch, in dem Deutschland sich befinde, nicht zu stemmen. Dazu zählt für die mittelständische Bauwirtschaft die Städtebauförderung. Hier löse ein Fördereuro des Bundes 17 Euro zusätzlich öffentliche wie private Investitionen aus. Dazu zählte Schneider aber auch die energetische Gebäudesanierung.
Schneider forderte die Einleitung eine Vermittlungsverfahrens zum Gesetz über die steuerliche Förderung von energetischen Sanierungsmaßnahmen an Wohngebäuden, um den Investitionsattentismus schnellst möglich wieder aufzulösen. Denn im ersten Halbjahr 2011 waren in Erwartung einer steuerlichen Förderung rund 60 % weniger Förderanträge bei der KfW eingegangen. Schneider kritisierte die Haltung der Politik, den schwarzen Peter zwischen Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung hin und her zu schieben.
In seiner mit viel Beifall bedachten Rede ging Schneider auch auf die bestehenden Wettbewerbsverzerrungen ein und kritisierte, dass sich z.B. kommunale Unternehmen als Wettbewerber auf dem Baumarkt tummelten, obwohl sie keine Umsatzsteuer abführen müssten. Ähnliches gelte für gemeinnützige Unternehmen, die staatliche Förderung erhielten.
Aber auch Unternehmen aus den MOE-Staaten, die seit dem 1. Mai diesen Jahres in Deutschland tätig seien, hätten einen Kostenvorteil von rund 40 %, da sie in ihren Heimatländern steuer- und sozialversicherungspflichtig seien. "Wir haben nichts gegen Wettbewerb; er ist das Salz in der Suppe unserer Marktwirtschaft. Aber wir bestehen auf fairen und gleichen Regeln für alle Marktteilnehmer", unterstrich er.
"Unsere Mitgliedsverbände vermelden unisono eine positive Umsatzentwicklung im 1. Halbjahr 2011. Nach dem konjunkturbedingten Rückgang der Umsätze in 2009 und ihrer Stabilisierung in 2010 rechnen wir für 2011 mit einem soliden Wachstum von gut 4 % über alle in der Bundesvereinigung Bauwirtschaft zusammengeschlossen Verbände des Bauhauptgewerbes, Ausbaugewerbes und des Bereiches Energie-/ Gebäudetechnik und Dienstleistungen hinweg", informierte Karl-Heinz Schneider.
Nach knapp 187 Mrd. € rechnen wir für 2011 mit einem Umsatz von ca. 195 Mrd. €. Die Steigerung um vier Prozent ist deutlich mehr, als wir zu Anfang des Jahres erwartet haben, wo wir noch von einem Wachstum von nur einem Prozent ausgingen", so der BVB-Präsident weiter.
Dabei entfallen auf das Bauhauptgewerbe und den Ausbau jeweils gut 71 Mrd. €, was einem Anteil von jeweils 37 % entspricht. Der Bereich Dienstleistungen und Gebäudetechnik kommt mit einem Umsatz von knapp 52 Mrd. € auf 26 %. Das Umsatzwachstum in der deutschen Bauwirtschaft findet seine Entsprechung in der Entwicklung der Bauinvestitionen. Diese sind im ersten Halbjahr 2011 real um 7 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen.
Auch für 2012 ist die deutsche Bauwirtschaft optimistisch, "wenn auch die Zuwachsraten nicht mehr so hoch ausfallen werden wie in diesem Jahr. Denn mit einer Steigerung von 4 % ist bereits ein hohes Umsatzniveau erreicht worden", so der Vorsitzende der BVB.
Schneider geht davon aus, dass die Wachstumsimpulse weiter aus dem Wohnungsbau kommen. Der Wirtschaftsbau dürfte relativ stabil bleiben, wobei die Entwicklung in dieser Bausparte stark von der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung abhängt, die aufgrund der Euro-Krise mit einigen Unsicherheiten verbunden ist. Die öffentlichen Auftraggeber werden nach dem Auslaufen der Konjunkturpakete wieder auf das Ausgangsniveau von vor 2008 zurückfallen.
Nach den konjunkturbedingten Rückgängen bei der Beschäftigung in den Vorjahren hat die gute Kapazitätsauslastung in 2011 in allen Sparten der BVB zu einer Stabilisierung geführt. "Wir rechnen wir mit einem Zuwachs der Beschäftigten von 1 %", schloss er diesen Teil ab.
Zum Schluss seiner Rede betonte Schneider die Bedeutung der Bauwirtschaft für die deutsche Wirtschaft: "Wir sind die stärkste Einzelbranche unserer Volkswirtschaft, wir sind der größte Arbeitgeber in Deutschland. Wir tragen 4 % zum Bruttoinlandsprodukt bei und das ist mehr als jede der übrigen Branchen, mehr als die Metall- und KfZ-Industrie zusammen, mehr als die Chemische Industrie."








