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Artikel und Hintergründe zum Thema

Sturmsicherung

Collin Klostermeier,

Schlossdach hebt nicht ab

Bei der Sanierung des Schlosses in Quedlinburg erhielt das Dach eine neue Kronendeckung aus roten Bibern, die wegen der exponierten Lage besonders sorgfältig verklammert wurde.

© FOS

Mehr als 1000 Jahre Geschichte blicken vom Schlossberg in Quedlinburg auf die Stadt. Der historische Residenzbau ist Weltkulturerbe und wird seit rund vier Jahren umfassend saniert – mit klaren Vorgaben des Denkmalschutzes. Eine der letzten Bauarbeiten wurde jetzt abgeschlossen: die Dachsanierung. Hohe Windlasten auf der Bergspitze forderten hier eine sichere Verklammerung der neuen Ziegel. Verlegt wurden – dem historischen Vorbild entsprechend – rote Biberschwanzziegel, die mit modernen Sturmklammern von FOS gesichert werden.

Kunstwerk Biberkehle: Die eingebundenen, ungleichhüftigen Kehlen sind drei Ziegel breit und ergeben hier ein schönes, gleichmäßiges Deckbild

© FOS

Quedlinburg im Harz ist ein Touristenmagnet, die gut erhaltene historische Altstadt mit rund 1200 Fachwerkhäusern aus sechs Jahrhunderten zieht die Menschen scharenweise an. Die größte Attraktion der Kleinstadt ist aber das Schloss: Der Residenzbau, erstmalig 936 erwähnt, wacht vom Schlossberg aus über den Ort – und ist heute wieder weitgehend saniert. Auch das vielgliedrige Biberdach ist fit für die Zukunft: Die Sanierung zeigt, wie heute traditionelle Handwerksarbeit in Kombination mit moderner Technik zu denkmalgerechten und langlebigen Dachflächen führen.

Ungleichhüftige Kehlen

Der Dachaufbau passt zum Standort: Das sogenannte „Harzer Unterdach“ hat eine Vollschalung mit einer bituminösen Vordeckung als Unterspannung. Um die Belüftung sicherzustellen, haben die Dachdecker auf Teilflächen Konterlatten mit einem höheren Querschnitt gewählt. Handwerkliches Schmuckstück des Dachs sind die eingebundenen, ungleichhüftigen Kehlen mit einer Breite von drei Ziegeln – gefordert von der Denkmalpflege. Hier überdeckt der vierte Biber noch den ersten. Die Ausführung dieser Arbeit mit Unterläufer, Lager- und Deckschichten ist sehr anspruchsvoll, denn es wird kompliziert: Auf der ungleichhüftigen Seite entfallen die Unterläuferschichten zum Teil, wodurch dann überlaufende Schichten entstehen. Diese werden dann wiederum, durch den Entfall der Unterläufer, zu echten Kehlschichten.

„Um die Ziegel zum einen vor Windsog zu sichern, ihnen aber auch genug Bewegungsspiel zu lassen, sind die Biber hier nicht direkt auf die Lattung geschraubt, sondern mit einem Draht an der Schraube befestigt. Dadurch bleiben sie fest mit der Latte verbunden, lassen aber die Bewegung des Holzes problemlos zu“, erklärt Dachdecker Sebastian Janick. Er gehört zum Team der „Werkstätten für Denkmalpflege“, das alle drei Bauabschnitte der Dachsanierung am Schloss ausführte. „Die Herausforderung lag vor allem darin, trotz ungleichhüftiger Verlegung ein harmonisches, gleichmäßiges Deckbild seinzu schaffen.“ Wer sich die Kehlen anschaut, wird bestätigen, dass dies ausgezeichnet gelungen ist: hohe Handwerkskunst, auf die jeder Betrieb stolz wäre.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in unserer dachbaumagazin-Ausgabe 0102.2024.

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