Holzwangentreppe mit Mängeln
Leider falsch verbunden!
Bei acht Einfamilienhäusern wurden jeweils Holztreppen vom Erd- bis zum Dachgeschoss eingebaut. Doch nur wenige Monate später kamen Beschwerden vonseiten der Bewohner: Die Treppenstufen knarrten und knackten beim Begehen.
Treppenansicht, Stufen mit zusätzlichen Verstärkungsleisten und mit Stufenschoner
© Wilhelm SeewitzIn Breitenhagen an der Elbe entstand vor Kurzem ein neues Wohngebiet. Es wurde ein ganzer Straßenzug einseitig mit acht Einfamilienhäusern bebaut.
Das Objekt: In die Einfamilienhäuser führen jeweils Geschosstreppen vom Erdgeschoss zum Dachgeschoss – ½- gewendelt, eingestemmt, offen, ohne Setzstufen. Es handelt sich um Treppen mit 15 Stufen/Steigungen aus Kiefernholz.
Bei eingestemmten Holzwangentreppen werden die Stufen in der Regel in die Wangen in ganzer Stärke und Breite komplett eingefräst, die Keilstufen gestirnt und die Stufen in den Wangen von der jeweiligen Außenseite angeschraubt. Der Treppenhersteller aus Finnland hatte sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Er hat die Stufen zapfenartig abgesetzt und diese Zapfen der Stufen in die Wangen eingefräst. Eine riskante bzw. waghalsige Methode – und das auch noch in Kiefernholz! Diese acht Treppen wurden also jeweils in die acht Einfamilienhäuser montiert.
Schadensbild: Das Erscheinungsbild der Treppen war zunächst ohne Tadel, ohne Beanstandungen des Auftraggebers. Die Abnahme wurde durchgeführt, protokolliert und mit der Gebrauchsabnahme Treppenansicht, Stufen mit zusätzlichen Verstärkungsleisten und auch schon mit Stufenschoner des jeweiligen Hauses in Betrieb genommen. Es herrschte Zufriedenheit allerorten und die weitere Zusammenarbeit der Betriebe und Gewerke wurde in diesem Zusammenhang verkündet und vereinbart. Doch nur drei Monate nach der Gebrauchsabnahme kamen erste Beanstandungen und Mängelanzeigen für die eingebauten Holztreppen. „Diese Treppen und deren Stufen knarren und knacken beim Begehen“, hieß es.
Verschraubungen der Stufen in der Lichtwange mit jeweils zwei Holzschrauben pro Treppenstufe und Seite, die Abdeckkappen sind sichtbar
© Wilhelm SeewitzSchadensursache: Die ersten Reaktionen der Herstellerfirma aus Finnland und des Zwischenhändlers aus Celle bezüglich der ersten Mängelanzeigen der Eigenheimbauer und der Baufirma waren verheerend: Es gab keinerlei Zugeständnisse und keine Anerkennung der Mängel – also der Stufenbefestigung. Von der Montagefirma wurde verantwortungsbewusst nach einer zusätzlichen Befestigung der Stufen in den Treppenwangen gesucht. Verschraubungen von oben schieden wegen optischer Mängel aus. Verschraubungen mit Holzschrauben von unten in den Ixeln wurde probeweise ausgeführt. Durch die abgefrästen Stufen und trotz der Möglichkeit, durch die Zapfen in die Wangen zu schrauben, funktionierte dies nicht: Die Befestigung wurde nicht ausreichend tragfähig, im Gegenteil.
Die verbliebenen Zapfen der Stufen, die in die Wangen eingebunden waren, verhinderten eine kraftschlüssige, tragfähige Verbindung. Die Stufen waren von außen durch die Wangen angeschraubt, sodass hier auch nichts mehr in Richtung Anpressdruck ging. Vom Auftragnehmer wurde ein Gutachten angestrebt. Das Gutachten des Sachverständigen gab dem Auftraggeber für den Treppenbau in vollem Umfang recht. ,,Die eingestemmten Holzwangentreppen sind so zusammenzufügen, dass sie beim Begehen nicht knarren. Eine Reparatur ist nicht erfolgversprechend und deshalb nicht zu favorisieren. So gesehen entspricht die Ausführung der Treppen nicht den allgemein anerkannten Regeln der Technik und auch nicht den Regeln der Zimmermannskunst“, hieß es im Gutachten.
Auszug aus mikado 5.2024











