Treppe ohne ausreichenden Halt
Treppenstufen gut – Treppenwangen instabil?
Treppen, die in der Kombination der Hölzer Buchenholz und Kiefernholz gebaut werden, sollten eigentlich fachgerecht sein. Im hier gezeigten Beispiel war das nicht der Fall, weil das Verhalten der unterschiedlichen Hölzer nicht ausreichend beachtet wurde.
Die Stufen verhindern das Schwinden der Wangen
© Wilhelm SeewitzIn einem Wohngebiet in Dessau wurden sechs Einfamilienhäuser gebaut und mit jeweils einer Treppe vom Erdgeschoss zum Dachgeschoss ausgestattet. Eine Ausschreibung für den Treppenbau war erfolgt und ein Treppenbauer aus Magdeburg erhielt den Zuschlag.
Objekt: Für diese sechs EFH waren diese eingestemmten, offenen, ¼ gewendelten Holztreppen vorgesehen. Die Häuser wurden gebaut und die Treppen entsprechend Bauablauf montiert. Die Gebrauchsabnahme der Häuser erfolgte und sie gingen ohne Beanstandungen in Nutzung. Nach drei Monaten kamen dann die Mängelanzeigen der Eigentümer.
Schadensbild: Ein Sachverständiger wurde beauftragt, die Geschosstreppen in den EFH zu prüfen und die entstandenen Schäden an den Holztreppen zu beurteilen. Was war passiert? Die eingestemmten Holzwangentreppen waren vom EG zum DG, ¼ gewendelt und ohne Setzstufen. Die Stufen waren aus Buchenholz und die Treppenwangen aus Kiefernholz. Eine durchaus preiswerte, gängige Mischung, also der begehbare Teil aus Hartholz und die tragenden Treppenbauteile aus Nadelschnittholz gefertigt. Die Qualität und die Oberflächen waren gut. Beim Ortstermin in den sechs EFH dieser Wohnsiedlung waren die Treppenwangen gerissen. Es war deutlich zu sehen und festzustellen, dass die Stufen aus Buche das Schwinden der „Kiefernen Treppenwangen“ verhinderten und deshalb diese Risse entstanden.
Schadensursache: Diese Kombination, Laubholzstufen und Nadelholzwangen, wird nicht selten verwendet und hat sich in vielen Fällen auch bewährt. Die eingetretenen Schäden lassen sich auch durch die Eigenschaften der Hölzer erklären. Die Stufen werden anders belastet als die Wangen. Das Ergebnis der Prüfung war auch: Hier wurde unbedachterweise die Holzfeuchte bei der Herstellung und der Montage nicht beachtet. Dazu kam die unterschiedliche Lagerung der Holz-Treppenbauteile. Die Treppen waren gefertigt, der Bauablauf hat sich verzögert und die Ausgleichsfeuchte konnte so nicht erreicht werden. Die Wangen zeigten ein anderes, größeres Schwinden als die Stufen und bekamen erhebliche Risse – und das nicht nur im Bereich der Leimfugen.
Schadensbehebung: Die schadhaften Geschosstreppen wurden ausgebaut und durch Treppen aus Buche komplett ersetzt. Die Treppen in den sechs EFH, in Buche und Kiefer, wurden von den Auftraggebern abgelehnt. In diesem speziellen Fall musste auf die gleiche Ausführung wie bei den beschädigten Treppen, auf die gleiche Art und Weise verzichtet werden. Die Auftraggeber waren nach diesem Schadensbild nicht mehr zu überzeugen. Und vom Hersteller wurden die Kosten übernommen. Das wurde mit allem, was den Auftraggebern zur Verfügung stand, einschließlich des Gutachtens des Sachverständigen durchgesetzt.
Auszug aus mikado 7.2024











