Statement Yves Padrines, CEO Nemetschek Group:
Gebäudetyp E: Einfach bauen heißt digital bauen
Mit dem geplanten Gesetz zum Gebäudetyp E will die Bundesregierung den Wohnungsbau aus der Kostenfalle holen.
Weniger Bürokratie und mehr planerische Freiheit, solange die Schutzziele erfüllt bleiben. Davon erhoffen sich der Gesetzgeber und die Baubranche schnellere Verfahren, neue Spielräume für nachhaltige Innovation – und spürbar reduzierte Baukosten. Während die Politik das Einsparpotenzial mit bis zu 10 Prozent beziffert, zeigen erste empirische Analysen, dass, je nach Maßnahme, auch wesentlich höhere Kostenreduktionen denkbar sind.
Mit BIM raus aus der Bürokratie-Falle
In der Praxis zeigt sich jedoch schnell: Weniger Norm heißt nicht automatisch weniger Aufwand. Wer etwa eine Decke schlanker ausführt als üblich, muss nachweisen, dass sie trotzdem anforderungsgemäß trägt, dämmt oder akustisch schirmt. Solche Nachweise über numerische Simulationen zu führen ist aufwendig, insbesondere dann, wenn sie fallbezogen kalkuliert werden müssen. Ohne digitale Werkzeuge, die Variantenfähigkeit sicherstellen, wird aus der Abkürzung schnell ein bürokratischer Bumerang.
Mit einem digitalen Modell des Gebäudes, das Entwurf, Simulation und Kostenschätzung integriert, gelingt dies dagegen konsistent und effizient. Gerade bei Abweichungen von anerkannten Regeln der Technik – die nach geltender Rechtslage weiterhin als Maßstab für ein mangelfreies Werk gelten – schafft ein digitales Modell die notwendige Transparenz. Es erleichtert den Dialog mit Bauherren, die technische Fragen zu Ausführungsvarianten, zur Werthaltigkeit und Zukunftsfähigkeit von Gebäuden des Typs E stellen. Darüber hinaus erleichtern BIM-Modelle die fundierte Nachhaltigkeitsbetrachtung von Gebäuden in ihren verschiedenen Variationen.
Effizient bauen reicht nicht – effizient betreiben, sanieren und umbauen zählt
Die Debatte zum Gebäudetyp E kreist bislang vor allem um den Neubau. Doch der eigentliche Hebel liegt im Bestand: Rund 70 Prozent der Bauprojekte in Deutschland betreffen Sanierungen, Umbauten oder Erweiterungen. Auch hier kann der Gebäudetyp E Freiräume schaffen, sofern die Planungsgrundlagen stimmen. Ohne digital erfasste Bestandsdaten, keine effiziente Variantenbildung. Ohne durchgängiges Modell, keine belastbaren Prognosen zur Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.
Ein digitaler Zwilling begleitet das Gebäude über seinen gesamten Lebenszyklus – von der ersten Skizze bis zum Rückbau. Wer heute an der Digitalisierung spart, zahlt morgen doppelt: mit unflexiblen Bauwerken, teuren Nachrüstungen und juristischen Risiken. Nachhaltig ist ein Gebäude nicht, weil es weniger kostet, sondern weil es dauerhaft anpassbar bleibt – funktional, wirtschaftlich und ökologisch.
Digital planen heißt auch: reaktionsfähig bleiben
Der Gebäudetyp E markiert den Übergang von starren technischen Normen zu leistungsorientierten Anforderungen – ein Paradigmenwechsel, den auch die neue EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) vorantreibt. Sie fordert mehr Energieeffizienz, digitale Transparenz und Dekarbonisierung entlang des gesamten Lebenszyklus. Wer heute digital plant, bleibt nicht nur regelkonform, sondern auch anpassungsfähig in einem sich wandelnden Markt. Der Gebäudetyp E wird so zum Symbol einer Bauwende, die einfach, innovativ und nachhaltig ist – wenn sie digital gedacht wird.
Neue Wege aus der Baukrise
Deutschland steht im Jahr 2025 vor einer seiner tiefgreifendsten wirtschaftlichen Herausforderungen: der anhaltenden Baukrise. Was sich schon in den Vorjahren abzeichnete, hat sich nun zu einem Flächenbrand entwickelt – mit dramatischen Folgen für Wohnungsbau, Infrastrukturprojekte und den sozialen Zusammenhalt. Bauunternehmen bremsen Investitionen, Projekte werden gestrichen, Mieter suchen vergeblich nach bezahlbarem Wohnraum. Die Krise ist nicht länger ein Problem einzelner Branchen – sie ist ein gesamtgesellschaftliches Thema geworden.
Chancen für die Bauwirtschaft
Die Baubranche durchlebt derzeit eine ungewöhnlich Krise, die viele Unternehmen mit Sorgen und Unsicherheit erfüllt. Die Ursachen sind vielfältig: Angefangen bei einer schwächelnden Konjunktur bis hin zu politischen Unsicherheiten. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, Aufträge zu erfüllen und gleichzeitig die Zukunft ihrer Mitarbeitenden zu sichern. In dieser Zeit der Krise möchte das Baugewerbe Magazin die Stimme der Bauunternehmen stärken und hat die Aktion BauZukunft ins Leben gerufen. Ziel dieser Initiative ist es, den Unternehmen ein Forum zu bieten, um ihre Wünsche und Forderungen an Politik und Gesellschaft zu kommunizieren.
Die Zukunft der Baubranche: Elektrische Antriebe und innovative Lösungen
Alternative Antriebe sind nur eine Initiative der Baubranche, trotz Krise neue Wege für eine nachhaltige Zukunft zu finden. Elektro-Motoren, Wasserstoffmotoren und Hybridantriebe werden immer mehr entwickelt, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren und CO2-Neutralität zu erreichen. Doch damit stößt der Innovationsgeist der Branche noch lange nicht am Ende.
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