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Spezielle Bodenkonstruktionen im Tierpark Hagenbeck
Die Nachahmung von Lebensbedingungen für Pinguine, Eisbären & Co. stellt besondere Anforderungen an Material und Verarbeitung. Die Bundesgeütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken e.V. zeigt, wie die robusten Bodenaufbauten in der Eismeerabteilung des Zoos erstellt wurden.
Temperaturschwankungen von –20°C bis +40°C, eine ständige Luftfeuchtigkeit von bis zu 93%, Meerwasserluft und Salzwasserbecken. Das sind die Bedingungen, unter denen die eingesetzten Estriche und Beschichtungen in der Eismeer-Abteilung in Hagenbecks Tierpark langfristig funktionieren sollen.
Auch für die Ausführungen der Flächen selbst galten hohe Anforderungen. Sie sollten glatt, durabel und diffusionsoffen sein. Glatt, damit sich Tiere wie Walrösser, Pinguine oder Robben nicht verletzen, wenn sie über den Boden rutschen. Durabel, weil die Flächen durch regelmäßige Reinigungsmaßnahmen mit Hochdruckreinigern und Chemikalien hohen Belastungen ausgesetzt sind und weil die rutschfesten Spezialsohlen der Stiefel des Reinigungspersonals ebenso keine Schäden hinterlassen sollen wie die Tiere selbst. Eisbären etwa sind dafür bekannt, dass sie ihre starken Krallen gerne an Wänden und im Boden schärfen. Diffusionsoffenheit war wegen der großen Temperaturschwankungen verlangt.
Meerwasserluft und Salzwasser aber sind Gift für die Konstruktion der Anlage aus Stahlbeton-Platten. Korrosionsschäden waren vorprogrammiert. Besonders gefährdet war der sogenannte Backstage-Bereich, also jene Zonen im Hintergrund in die sich die Tiere zum Schlafen zurückziehen. Um Korrosionsschäden vorzubeugen, sollten daher die Bodenflächen besonders in den Außengehegen und im Backstagebereiche, aber auch im Technikkeller mit einer Kunstharzbeschichtung geschützt werden.
Um die Beeinträchtigungen durch Kälte, hohe Luftfeuchtigkeit und Niederschlag weitgehend auszuschalten, griff das beauftragte Unternehmen, die Bögershausen Bau GmbH aus Goldenstedt, einem Mitglied in der Landesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken Bremen und Niedersachsen e.V., in den Außenbereichen zu einer ebenso ungewöhnlichen wie aufwändigen Maßnahme und baute ein rund 150 m² großes Zelt unter dem die Arbeiten ausgeführt wurden. Tag und Nacht brannten darin zwei Öfen. So konnte einerseits die Luftfeuchtigkeit reduziert und andererseits die Temperatur so weit erhöht werden, dass die erforderlichen Verarbeitungstemperaturen erreicht wurden. Bodenbereiche mit Wassereintritt wurden mit dem Bunsenbrenner getrocknet.
Die Arbeiten erfolgten abschnittweise jeweils in Segmenten, die der Zeltgröße entsprachen. Maßgeblich für die Wahl der einzelnen Abschnitte war das Rückkehrdatum der einzelnen Tiere, die für die Bauzeit in verschiedenen Zoos in ganz Europa untergebracht waren. Die fachgerechte Ausführung der Arbeiten wurde gemäß der Richtlinie Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton sichergestellt.
Wegen der schwierigen Umgebungsbedingungen entschied sich das ausführende Unternehmen zum Einbau eines schnellen und praktisch schwindfrei erhärtenden Zementestrichs in der Güte CT-C40-F6, der besonders für Einbausituationen geeignet ist, in denen hohe Festigkeiten, Dauerhaftigkeit, Feuchte- und Witterungsstabilität verlangt werden. Das Material wurde in einer Dicke von 10 cm frisch in frisch auf eine mineralische Haftbrücke aufgetragen, die zuvor auf dem durch Kugelstrahlen vorbereiteten Betonuntergrund aufgetragen wurde und einen unlösbar haftenden Verbund mit dem Untergrund sicherstellt. „Der Boden,“ begründet Jens Bögershausen, Geschäftsführer der Bögershausen Bau GmbH, die auf eine langjährige Erfahrung im Fußbodenbau zurückblickt, die Maßnahme, „verfügte so über die notwendige Eigenschaften in Bezug auf die bestehenden Umgebungsbedingungen..“
Um die fertige Estrichfläche vor zu schnellem Austrocknen und „schüsseln“ zu schützen, wurde sie sofort nach dem Glätten über Nacht mit PE-Folie abgedeckt. Bereits einen Tag nach dem Einbau des Estrichs konnten die Mitarbeiter des Unternehmens mit den Beschichtungsarbeiten beginnen. Nach Vorbereitung des Untergrundes wurde im Außenbereich und im Backstagebereich eine Grundierung mit einer Dicke von 0,3 kg/m² aufgebracht, die speziell für feuchte Untergründe geeignet ist und sowohl innen als auch frei bewittert eingesetzt werden kann. Die Masse wurde flutend bis zur völligen Porenfreiheit des Untergrundes mit dem Gummischieber aufgetragen und durch Nachrollen gleichmäßig verteilt.
Schon am folgenden Tag konnten die Fläche nach Vorbereitung durch Kugelstrahlen beschichtet werden. Zum Einsatz kam eine Epoxidharz-Beschichtung in hellem Grau, die gemäß Chemikalienbeständigkeitsliste chemisch hoch beständig ist, eine hohe Widerstandfähigkeit gegen mechanische Belastung bietet sowie über eine hohe Verschleißfestigkeit verfügt und außerdem schnell austrocknet. Um die Gesundheit der Tiere nicht zu gefährden, wurde außerdem darauf geachtet, das die eingesetzte Beschichtung frei von lackschädlichen Additiven ist. Das Material wurde in einer Schichtdicke von 2 kg/m² aufgetragen, mit der Zahnrakel abgezogen und mittels Stachelwalze im Kreuzgang entlüftet. Abschließend ist für den gesamten rund 610 m² großen Backstagebereich der Auftrag einer farbigen Versiegelung von (0,2 kg/m²) geplant.
Im Bereich der Boden-/Wandanschlüsse wird die Dichtigkeit durch Hohlkehlen gewährleistet. Sie wurden vor Beginn der Beschichtungsarbeiten vor Ort aus Kunstharzmörtel gebaut und im Wand- bzw. Boden –Bereich jeweils 5 cm ausgezogen. Ebenfalls mit Hohlkehlen abgedichtet wurden die Anschlusspunkte der Stallgehege. Im Technikbereich kam auf den rund 500 m² großen Flächen ein diffusionsoffenes 2-Komponenten-Epopxidharzsystem zum Einsatz, das für mittlere bis hohe mechanische Belastungen geeignet ist und nach nur kurzer Aushärtungszeit schnell begehbar war.
Während der gesamten Maßnahme wurde die fachgerechte Ausführung der Arbeiten durch Eigenüberwachungen gemäß der Instandsetzungs-Richtline (Teil 3) durchgeführt und dokumentiert und schließlich im Abschlussbericht festgehalten.






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