Stefan Ufertinger:
Wie echtes Lob Beziehungen auf der Baustelle stärkt
Ein ehrlich gemeintes Lob kann wahre Wunder wirken: Es stärkt das
Miteinander, motiviert und zeigt, dass der Einsatz des Gegenübers
nicht selbstverständlich ist. Doch Lob ist nicht gleich Lob. Wann es gut tut
und wann es sogar schadet, darum geht es in diesem Beitrag.
Der Ton macht die Musik – das gilt auf Baustellen genauso wie im Büro. Zwischen Maschinenlärm, Termindruck und Materialmangel bleibt im Alltag leider oft wenig Raum für wertschätzende Worte. Wertschätzung ist kein "nice to have", sondern eine Grundlage jeder funktionierenden Zusammenarbeit. Wer sich gesehen und respektiert fühlt, arbeitet mit mehr Engagement, bleibt loyal und bringt sich konstruktiv ein. Gerade in der Baubranche, in der viele Beteiligte mit unterschiedlichen Interessen zusammenkommen, ist gegenseitige Anerkennung entscheidend – auch und gerade dann, wenn es mal nicht rund läuft.
Dabei geht es nicht nur um große Leistungen. Auch das kleine tägliche Bemühen verdient Anerkennung: die Sorgfalt des Poliers, die Umsicht des Vorarbeiters oder die Geduld des Bauleiters im Umgang mit schwierigen Partnern.
Gibt es zu viel Lob?
Die kurze Antwort: Ja. Zumindest dann, wenn es beliebig, inflationär oder unehrlich daherkommt. Wer für jede Kleinigkeit gelobt wird, verliert schnell das Gefühl für echtes Lob. Noch schlimmer: Wird Lob als Mittel zur Manipulation oder Beschwichtigung eingesetzt ("Das hast du gut gemacht – aber …"), schlägt es in Misstrauen um.
Echtes Lob ist kein Zuckerguss – es ist ein Ausdruck von Aufmerksamkeit und Respekt. Es braucht Substanz und muss zum richtigen Zeitpunkt kommen. Ein achtlos dahingeworfenes "Gut gemacht" ist oft weniger wert als ein schweigendes, anerkennendes Nicken mit Blickkontakt.
Wie Lob respektvoll und glaubwürdig gegeben wird
Damit Lob ankommt – und nicht als Heuchelei oder pädagogischer Trick wahrgenommen wird –, braucht es drei Dinge:
1. Echtheit:
Lob muss ehrlich gemeint sein. Wer lobt, obwohl er es nicht so empfindet, verliert Glaubwürdigkeit. Der Tonfall, der Blick, die Körpersprache – sie alle verraten, ob es wirklich so gemeint ist.
2. Konkretheit:
"Du hast das super gemacht!" ist nett – aber nichtssagend. Besser ist: "Ich finde es klasse, wie sorgfältig du heute die Schalung geputzt hast – das führt zur längeren Haltbarkeit und zeigt, dass du Verantwortung übernimmst." Solches Lob zeigt: Ich habe gesehen, was du tust – und ich weiß, warum es wichtig ist.
3. Passender Moment:
Nicht zwischen Tür und Angel, nicht vor dem ganzen Trupp, wenn es dem Gelobten unangenehm ist. Manchmal wirkt ein persönliches Lob im Vier-Augen-Gespräch stärker als jede öffentliche Anerkennung. Manchmal ist genau das Gegenteil der Fall. Wer seine Leute kennt, weiß, was ihnen guttut.
Ein Beispiel für glaubwürdiges Lob auf der Baustelle
Stellen wir uns vor: Der Kranführer hat in einer engen Taktung über mehrere Stunden schwere Fertigteile punktgenau platziert – unter schwierigen Bedingungen und mit äußerster Konzentration. Die Bauleitung nimmt das wahr und sagt nach Feierabend im persönlichen Gespräch: "Mir ist heute aufgefallen, wie ruhig und präzise du unter Druck arbeitest. Die Kollegen auf dem Gerüst konnten sich voll auf dich verlassen. Das ist nicht selbstverständlich – danke dir."
Dieses Lob ist:
•
konkret (bezieht sich auf eine klare Situation),
•
ehrlich (es benennt, was positiv war),
•
respektvoll (es würdigt nicht nur die Leistung, sondern auch die Wirkung auf andere).
Ein solcher Satz kann einen bleibenden Eindruck hinterlassen – nicht, weil er laut war, sondern weil er echt war.
Zum Schluss: ein Hoch auf den ehrlichen Schulterklopfer
Lob ist keine Zauberformel – aber es ist ein starkes Werkzeug. Wer ehrlich, präzise und zur richtigen Zeit lobt, stiftet Vertrauen, stärkt Beziehungen und bringt Teams näher zusammen. Und mal ehrlich: Wann haben Sie das letzte Mal jemandem auf der Baustelle gesagt, dass er oder sie etwas richtig gut gemacht hat?
Probieren Sie es aus – nicht inflationär, sondern gezielt. Ein echtes Lob kostet Sie nur ein paar Sekunden – aber es kann dem anderen den ganzen Tag retten.
Über Site Communication
Stefan Ufertinger ist seit 2021 allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Verdingungswesen, Leiter Bauwirtschaft bei Afry, Lean Construction Manager. Daneben berät er Bauunternehmen in Sachen Kommunikation auf der Baustelle. Seine Vision ist ein Kulturwandel auf dem Bau. Durch die gezielte Weiterentwicklung der einzelnen Projektbeteiligten hat es sich Ufertinger zur Aufgabe gemacht, die gesamte Baubranche von innen nach außen zu "gesunden".












