Reifen

Max Kandler,

Loop the Tyre-Gewinner stärken das AZuR-Netzwerk

Die Gewinner des Startup-Wettbewerbs Loop the Tyre verstärken künftig das AZuR-Netzwerk und bringen neue Impulse für die europäische Reifen-Kreislaufwirtschaft ein. Als neue Partner der Allianz Zukunft Reifen (AZuR) erhalten die drei ausgezeichneten Unternehmen für zwei Jahre Zugang zu einem Netzwerk aus Industrie, Wissenschaft und Forschung. Neben Preisgeldern in Höhe von insgesamt 6.000 Euro steht insbesondere die Möglichkeit im Mittelpunkt, innovative Technologien gemeinsam mit etablierten Marktakteuren weiterzuentwickeln und in die industrielle Praxis zu überführen.

Den ersten Platz beim AZuR-Startup-Wettbewerb belegte Machine-Vision.io aus Reutlingen. Das eingereichte Wettbewerbs-Projekt kombiniert optische Qualitätssicherung, intelligente Sortierung und digitale Vermarktung und schafft damit neue Effizienzpotenziale für Entsorgungs- und Recyclingunternehmen. Michael Gross nahm den Preis auf der THE TIRE COLOGNE 2026 von Stephan Rau (wdk, rechts) und AZuR-Netzwerkkoordinatorin Christina Guth entgegen. © AZuR

Für das Baugewerbe gewinnt die Weiterentwicklung geschlossener Materialkreisläufe zunehmend an Bedeutung. Nachhaltige Beschaffung, Ressourceneffizienz und die Nutzung hochwertiger Sekundärrohstoffe entwickeln sich zu wichtigen Faktoren für Unternehmen, die ihre Prozesse wirtschaftlich und zukunftsfähig ausrichten möchten. Innovationen aus der Reifen-Kreislaufwirtschaft zeigen dabei exemplarisch, wie Digitalisierung und Materialforschung den verantwortungsvollen Umgang mit wertvollen Rohstoffen unterstützen können.

Künstliche Intelligenz verbessert die Bewertung gebrauchter Reifen

Den ersten Platz des Wettbewerbs sicherte sich das Unternehmen Machine-Vision.io aus Reutlingen. Das Start-up entwickelt KI-basierte Systeme zur automatisierten Analyse von Gebraucht- und Altreifen. Moderne Bildverarbeitung, Laserscanner und Verfahren der künstlichen Intelligenz ermöglichen eine präzise Erkennung von Hersteller, Reifendimension, Profiltiefe, Produktionsdatum sowie vorhandenen Beschädigungen oder Verschleißmerkmalen.

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Durch die objektive Bewertung lassen sich Reifen gezielt den jeweils geeigneten Verwertungswegen zuführen. Wiederverwendung, Runderneuerung oder stoffliche Verwertung können dadurch effizienter organisiert werden. Ergänzende digitale Plattformen unterstützen zudem die Verwaltung und Vermarktung vorhandener Reifenbestände. Die Technologie trägt dazu bei, Entscheidungsprozesse zu standardisieren und Materialressourcen möglichst lange im Wirtschaftskreislauf zu halten.

Materialinnovationen schaffen neue Einsatzmöglichkeiten für Recyclingrohstoffe

Den zweiten Platz belegte das niederländische Unternehmen Sustainable Rubber Solutions (SRS). Im Mittelpunkt steht das patentierte funktionalisierte Mikrongummipulver CoVulc®, das die Rückführung von Gummimehl aus Altreifen in hochwertige Elastomermischungen ermöglicht.

Die Technologie verbessert die Verbindung zwischen recycelten Gummipartikeln und neuen Werkstoffen. Dadurch entstehen zusätzliche Möglichkeiten, Sekundärrohstoffe in industriellen Anwendungen einzusetzen und den Anteil hochwertig recycelter Materialien kontinuierlich zu erhöhen. Solche Entwicklungen gelten als wichtiger Baustein für leistungsfähige Stoffkreisläufe und können langfristig den Bedarf an Primärrohstoffen reduzieren.

Devulkanisation als Schlüssel für den Reifen-zu-Reifen-Kreislauf

Den dritten Platz erreichte das österreichische Forschungsprojekt ReTyre. Das Projekt arbeitet an einem kontinuierlichen Devulkanisationsverfahren, mit dem gebrauchter Reifengummi so aufbereitet werden soll, dass er erneut für die Herstellung neuer Reifen genutzt werden kann.

Ziel ist ein industriell skalierbarer Reifen-zu-Reifen-Kreislauf, bei dem wesentliche Materialeigenschaften erhalten bleiben. Gelingt die industrielle Umsetzung, könnte dieser Ansatz die Wiederverwertung von Reifen deutlich erweitern und den Einsatz hochwertiger Sekundärrohstoffe in der Reifenproduktion nachhaltig stärken.

Das AZuR-Netzwerk verbindet Forschung und Industrie

Mit der Aufnahme der drei Loop the Tyre-Gewinner erweitert das AZuR-Netzwerk seine Kompetenzen insbesondere in den Bereichen Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Materialentwicklung und chemische Kreislaufführung. Die enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und wissenschaftlichen Partnern schafft die Grundlage dafür, neue Technologien schneller zu erproben und ihre industrielle Anwendbarkeit zu bewerten.

Gerade für die Bauwirtschaft zeigt sich hier ein praxisnahes Beispiel dafür, wie Innovationen entlang kompletter Wertschöpfungsketten entstehen. Netzwerke, die Forschung, Mittelstand und Industrie miteinander verbinden, beschleunigen den Transfer neuer Technologien in marktfähige Anwendungen und fördern gleichzeitig den effizienten Einsatz vorhandener Ressourcen.

Allianz Zukunft Reifen treibt die europäische Kreislaufwirtschaft voran

Die Allianz Zukunft Reifen (AZuR) engagiert sich seit 2020 für den Aufbau einer nachhaltigen Reifen-Kreislaufwirtschaft in Europa. Ziel ist es, gebrauchte Reifen möglichst vollständig wiederzuverwenden oder zu verwerten, um Abfälle zu reduzieren, natürliche Ressourcen zu schonen und CO₂-Emissionen zu verringern.

Heute vereint das AZuR-Netzwerk rund 90 Partner aus Industrie, Handel, mittelständischen Unternehmen und Wissenschaft. Die Netzwerkpartner bilden nahezu die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der nachhaltigen Reifenherstellung über Sammlung, Reparatur, Nachprofilierung und Runderneuerung bis hin zur mechanischen und chemischen Verwertung der enthaltenen Rohstoffe. Wissenschaftliche Einrichtungen liefern dabei die Forschungsgrundlagen, um innovative Verfahren weiterzuentwickeln und geschlossene Materialkreisläufe kontinuierlich auszubauen.

Mit der Integration der aktuellen Loop the Tyre-Gewinner wächst die technologische Kompetenz des Netzwerks weiter. Die ausgezeichneten Entwicklungen verdeutlichen, dass Digitalisierung, künstliche Intelligenz und neue Werkstofftechnologien entscheidende Bausteine für eine leistungsfähige Kreislaufwirtschaft sind. Auch für das Baugewerbe liefern diese Ansätze wertvolle Impulse, da Ressourceneffizienz, Recyclingfähigkeit und nachhaltige Materialkreisläufe zunehmend zu wirtschaftlichen Erfolgsfaktoren in der gesamten Bau- und Industriebranche werden.

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