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Artikel und Hintergründe zum Thema

Baugewerbe-Interview

Kai Ingmar Link,

DMS: "So geht alles glatt"

Es muss nicht immer eine Planierraupe oder ein komplexes Anbaugerät sein. Warum ein Baggerschild mit Baggerschildsteuerung manchmal besser ist, erklärt Thorsten Weißgerber, Projektmanager bei DMS Technologie, im Interview mit Chefredakteur Kai Ingmar Link.

Thorsten Weißgerber, Projektmanager bei DMS Technologie © DMS

Baugewerbe (BGW):

Zurzeit erleben wir schwierige Zeiten – hohe Inflation, Krise am Bau. Ist es im Augenblick überhaupt sinnvoll, in neue Technologien zu investieren?

Thorsten Weißgerber:

Unser Leitbild ist Innovation – praxisbezogene Innovation. Es gibt auch, ich nenne es "spielerische Innovation", die zwar für einige Unternehmen einsetzbar ist, sich aber am Ende nicht in der Breite durchsetzen wird. Gründe dafür sind eine zu hohe Komplexität und zu geringe Wirtschaftlichkeit.

Unser Ziel ist es, Produkte zu entwickeln, die dem Bauunternehmer helfen, effizient und wirtschaftlich zu sein. Eine höhere Wirtschaftlichkeit hilft, um sich in Krisen behaupten zu können!

Ein Beispiel ist unser Sortiergreifer, der 2014 auf den Markt gekommen ist. Oft waren Interessenten skeptisch, ob die Anschaffung wirtschaftlich ist. Nach dem Kauf wurde uns immer bestätigt, dass der Greifer sehr häufig im Einsatz ist. Unser Ziel ist es, weitere solcher Innovationen auf den Markt zu bringen.

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BGW:

Welche Eigenschaften zeichnen die Baggerschildsteuerung aus?

Weißgerber:

Die Baggerschildsteuerung ist hochproduktiv, sehr einfach in der Anwendung und sehr wirtschaftlich! Die Arbeitszeit für das Planieren lässt sich deutlich reduzieren, meistens um mindestens 50 %, und Flächen mit einer Toleranz von +/–1 cm lassen sich einfach erstellen. Mit etwas mehr Zeiteinsatz wird das Ergebnis sogar noch genauer. Die  Baggerschildsteuerung ist für Bagger von vier bis neun Tonnen geeignet. Technisch ist es möglich, die Steuerung auch an kleineren oder größeren Baggern zu installieren, aber aktuell konzentrieren wir uns auf diese Tonnage. Im Gegensatz zu herkömmlichen 2D- und 3D-Steuerungen, welche üblicherweise passive, anzeigende Systeme sind, ist die Baggerschildsteuerung ein aktives System. Der Fahrer kann mithilfe dieser Unterstützung hochproduktiv sein, und das den gesamten Arbeitstag!

BGW:

Auf welchen Baustellen ist die Baggerschildsteuerung das richtige Werkzeug?

Weißgerber:

Man muss sich nur mal umschauen, wo überall plane Flächen gebraucht werden. Man sieht häufig Parkplätze, Gebäude, welche ein Fundament brauchen, Straßen und Rasenflächen. Hier und auf anderen Arealen müssen oft mehrere Schichten Unterbau eingebaut und planiert werden. Bei diesen Arbeiten gilt: Je genauer das Planum ist, desto einfacher die nachfolgenden Arbeiten. Bei einem Parkplatz zum Beispiel wird erst die Frostschutzschicht eingebaut, dann kommt die Bettungsschicht und darüber die Pflastersteine. Wenn der Frostschutz gut planiert wird, kann man gut berechnen, wie viel Material für die Bettungsschicht gebraucht wird. So kann hochwertiges Material eingespart werden, da die Mindestschichtstärke ohne große Toleranz eingehalten werden kann. Ist der Unterbau uneben, muss mehr Material als Toleranzschicht eingeplant werden. Das Gleiche gilt auch für Bodenplatten aus Beton.

BGW:

Der Laserempfänger ist schnell installiert und verfügt über einen ausgeklügelten Schutzmechanismus. © DMS

Das System hat also nicht nur positive Auswirkungen auf die Zeiteffizienz, sondern auch auf die Kosten.

Weißgerber:

Richtig, bei Vorführungen auf der Baustelle treffe ich oft vorbereitete Flächen an, welche nach dem Augenmaß ganz gut aussehen. Wenn man jedoch genauer kontrolliert, kann man schnell feststellen, dass doch nennenswerte Abweichungen vorhanden sind. Wenn die Fläche dann mal zwei bis drei Zentimeter zu tief ist, gehen da schnell noch mehrere Sattelzüge an Split für eine Bettungsschicht rein. Ist der Unterbau zu hoch, erschwert das ebenfalls die nachfolgenden Arbeiten. Das hat nicht nur finanzielle Auswirkungen. Auch die langfristige Haltbarkeit der Fläche wird beeinträchtigt.

BGW:

Warum aber macht es Sinn, den Baggerschild zum Planieren zu wählen anstatt einer Planierraupe?

Weißgerber:

Ich sehen die Baggerschildsteuerung nicht in Konkurrenz zur Planierraupe. Auf großen Baustellen führt kein Weg an der Verwendung von Planierraupen und Gradern vorbei. Diese Baumaschinen haben dann fast immer eine Maschinensteuerung, sodass das Werkzeug automatisch gesteuert wird. Auf Baustellen, welche zu klein für Planierraupen oder Grader sind, gibt es dann Anbaugeräte für Radlader oder Kettenkompaktlader zum Planieren. Diese verursachen recht hohe Anschaffungskosten und hinzu kommt eine komplexe Bedienung, welche nur gut geschulte Fahrer beherrschen.

BGW:

Das klingt recht aufwendig.

Weißgerber:

Ja, beide Lösungen fügen sich nicht reibungslos in den Baustellenablauf ein. Diese Maschinen werden oft mit dem speziell geschulten Fahrer nur zum Planieren zur Baustelle gefahren. Die Baustelle muss daher zum Tag X vorbereitet sein und erst nach dem Planieren kann normal weitergearbeitet werden. Es gibt jedoch immer Einflüsse wie ungeplante Mehrarbeiten, das Wetter, Lieferprobleme oder unvorhergesehene Bodenverhältnisse. In der Folge verzögert sich die Vorbereitung und es muss oft umdisponiert werden.

BGW:

Wie kann die Baggerschildsteuerung den Ablauf optimieren?

Weißgerber:

Der Kompaktbagger ist ohnehin auf den allermeisten Baustellen vorhanden. Wenn dieser mit der Baggerschildsteuerung ausgestattet ist, braucht also keine Maschine disponiert und transportiert werden. Da die Anwendung der Baggerschildsteuerung für den durchschnittlichen Fahrer in ca. 10 Minuten erlernbar ist, ist auch der Ausbildungsstand der Fahrer kein Engpass.

Sehr hilfreich ist beim Planieren auch der Baggerlöffel. Mit diesem können Anschlüsse oder enge Stellen manuell angearbeitet werden. Auch kann man einfach Material bewegen und mitnehmen, ohne dass eine zweite Maschine gebraucht wird. Die Wirtschaftlichkeit ist sehr gut, da kein Anbaugerät oder gar eine komplette Maschine, sondern nur die Baggerschildsteuerung angeschafft wird. Wir sprechen über eine Investition von weniger als 11.000€Euro inklusive Montage.

BGW:

Wenn die Kosten eher gering sind, wie sperrig sind die Komponenten?

Weißgerber:

Die Komponenten sind überhaupt nicht sperrig! Die nicht fest installierten Komponenten sind der Laserempfänger, der Mast mit Knickstelle und die Seitenplatten am Baggerschild. Laserempfänger und Mast werden immer demontiert, wenn nicht mit der Baggerschildsteuerung gearbeitet wird. Die Ohren werden nur in Ausnahmefällen, wie zum Beispiel dem Transport abgenommen, falls der Lkw sonst zu schmal ist.

BGW:

Ist die Installation der Steuerung sehr aufwendig?

Weißgerber:

Die erste Installation und Inbetriebnahme muss in einer Werkstatt beim Fachhändler oder bei uns erfolgen. Die Montage vom Mast und Laserempfänger auf der Baustelle ist dagegen nur eine einfache Aufgabe und man ist innerhalb von einigen Minuten startklar.

BGW:

Wie verhindern Sie Schäden am Laserempfänger?

Weißgerber:

Gegen Schäden ist der Laserempfänger durch zwei Maßnahmen geschützt. Erstens ist der Laserempfänger selbst mit einem Rammschutz versehen, sodass die Elektronik gut geschützt ist. Zweitens hat unser Mast eine federbelastete Knickstelle. Wenn der Löffel mit dem Mast oder Laserempfänger kollidiert, kann der Mast ausweichen, ohne dass Schäden entstehen!

BGW:

Was kommt noch von DMS?

Weißgerber:

Wir werden in Zukunft weiter neue Anbaugeräte entwickeln. Gerade im Bereich der Greifer haben wir großes Know-how, hier wird noch einiges kommen. Mit der Baggerschildsteuerung ist eine neuer Produktbereich entstanden. und auch hier planen wir weitere Projekte.

BGW:

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieses Interview erschien zuerst in Ausgabe 11_23.

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