Baumaschinen
Quarzsand aus Quedlinburg: Industrierohstoff mit hohem Reinheitsgrad
Ein zentrales Qualitätsmerkmal von Quarzsand für industrielle Anwendungen ist sein Reinheitsgrad. Für den industriellen Einsatz wird ein Mindestanteil von 95 Prozent Siliziumdioxid (SiO2) gefordert. Der am Standort Quedlinburg von der Wolff & Müller Quarzsande GmbH gewonnene Quarzsand weist mit einem SiO2-Gehalt von 99,8 Prozent einen deutlich höheren Reinheitsgrad auf. Ergänzt wird dies durch einen niedrigen Schlämmstoffgehalt. Um diese Eigenschaften sicherzustellen, sind gezielte Aufbereitungsschritte erforderlich. Der Rohsand wird sowohl im Nass- als auch im Trockenabbau gewonnen und anschließend im Rahmen der Klassierung gewaschen, getrocknet und in definierte Kornfraktionen abgesiebt.
Das Werk Quedlinburg gehört seit dem Jahr 2001 zur Wolff & Müller Holding. Seitdem wurden die Produktionsprozesse kontinuierlich weiterentwickelt. „Die Produktion wurde stetig erweitert und verfeinert“, erklärt Holger Gille, verantwortlicher Werkleiter. Zentrale Bausteine sind eine Sandveredelungsanlage, eine Wasch- und Klassieranlage sowie die Investition in ein zweites Trocknungswerk. Parallel dazu wurde auch die für die Rohstoffgewinnung eingesetzte Baumaschinentechnik fortlaufend an die betrieblichen Anforderungen angepasst. Ein aktuelles Beispiel ist ein neuer Cat Radlader 980 XE, der im Betrieb eingesetzt wird.
Der Nassabbau des Quarzsandes erfolgt mithilfe eines Schneidkopfsaugbaggers. Für den Vorschnitt im Wasser kommt ein Cat Kettenbagger 374 FL zum Einsatz. Seine Hauptaufgabe liegt jedoch im Trockenabbau. Dort wird er eingesetzt, um Sandstein zu lösen, der teilweise stark verfestigt ist und aufgrund des hohen Quarzanteils als besonders abrasiv gilt. „Das Material hat mit 300 N/mm2 eine hohe Packungsdichte und enorme Festigkeit“, so Holger Gille. Entsprechend sind hohe Reißkräfte erforderlich. Aus diesem Grund ist die Maschine mit einem kurzen Ausleger ausgestattet, während ein Kontergewicht die notwendige Standsicherheit gewährleistet.
Neben dem Cat Kettenbagger 374 FL unterstützen weitere Cat Maschinen die Gewinnung und Förderung des Quarzsands auf der insgesamt 47 Hektar großen Lagerstätte. Der Cat Radlader 980 XE übernimmt im Load-and-Carry-Betrieb die Aufnahme des Rohsandes und beschickt damit einen Aufgabebunker für die weitere Aufbereitung. „Bei unserem Einsatz zählt die Kraftübertragung bei der Materialaufnahme, wenn die Schaufel in das Haufwerk eindringt“, erläutert Holger Gille. Die Transportwege des Radladers sind dabei vergleichsweise kurz, da ein rund 600 Meter langes Förderband die Förderung innerhalb der Abbaustätte übernimmt. Zusätzlich fallen Nebenarbeiten an, etwa der Abtransport von Material aus einem Bandabwurf sowie der Transport auf Halden. Ein weiterer Cat Radlader 950K ist für die Beschickung der Trocknungsanlagen vorgesehen. Transportaufgaben innerhalb des Werksgeländes übernimmt ein Cat Dumper 725C2.
Die eingesetzte Maschinentechnik wird regelmäßig überprüft, um die anstehenden Aufgaben dauerhaft und ressourcenschonend bewältigen zu können. Der Nachhaltigkeitsgedanke ist seit der Unternehmensgründung fest verankert. Firmengründer Gottlob Müller verfolgte das Prinzip, wirtschaftliche Unternehmensführung und verantwortungsvolles Handeln miteinander zu verbinden. Dieses Leitbild prägt die Unternehmensgruppe seit mehr als 80 Jahren. Im Jahr 2010 wurde Wolff & Müller als erstes Bauunternehmen in Deutschland CO2-neutral. Grundlage dafür waren unter anderem eigene Klimaschutzprojekte, der Einsatz von Ökostrom sowie der Fuhrpark mit umweltfreundlichen Fahrzeugen einschließlich Elektroantrieb. Basis für die jährliche CO2-Neutralisierung bildet der CO2-Fußabdruck der Unternehmensgruppe. Um die Zielsetzung verbindlicher zu gestalten, wurde 2022 ein konkretes Reduktionsziel definiert. Maßgeblich ist dabei die CO2-Intensität, also das Verhältnis der absoluten CO2-Emissionen zum Umsatz. Angestrebt wird eine jährliche Reduktion dieser Kennzahl um fünf Prozent.
Vor diesem Hintergrund wurde auch die Anschaffung eines neuen Radladers geprüft. Baumaschinenlieferant Zeppelin war durch Thomas Krüger, leitender Verkaufsrepräsentant der Zeppelin Niederlassung Magdeburg, in die Entscheidungsfindung eingebunden. Er stellte dar, welche Einsparpotenziale ein Cat 980 XE mit stufenlosem, leistungsverzweigtem Getriebe bietet. Unterstützt wurde er von Matthias Sowada, Zeppelin Projekt- und Einsatzberater, sowie Frank Kranich, Zeppelin Projekt- und Einsatztechniker. Gemeinsam führten sie einen Praxiseinsatz mit einem Cat Radlader 980 XE der neuen Generation durch, um belastbare Verbrauchsdaten zu ermitteln. Ziel war es, Kraftstoffverbräuche im Regelbetrieb zu vergleichen. Dabei wurde das durchschnittliche Schüttgewicht des Materials berücksichtigt, das im Trockenabbau bei 1,70 t/m³ und im Nassabbau zwischen 1,80 und 2,00 t/m³ liegt. Auch beim Verladen im Nassabbau unterstützt der Radlader den Prozess.
Die Auswertung zeigte einen durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch von 22 Litern pro Stunde. Damit lag die 31 Tonnen schwere Maschine mit einer Schaufelgröße von 5,7 Kubikmetern und Michelin-L3-Bereifung unter dem Verbrauch des zuvor eingesetzten Geräts, das bei knapp 27 Litern Diesel pro Stunde lag. „Da der Motor stets im effizienten Drehzahlbereich arbeitet, ist der Cat Radlader besonders sparsam im Kraftstoffverbrauch“, so Thomas Krüger. In der Folge wurde das neue Arbeitsgerät über die für den Gerätepark zuständige Logistiksparte von Wolff & Müller beschafft. Zum Einsatz kommt eine 6,5 Kubikmeter große Schaufel. „Wir tauschen uns immer wieder über unsere Anforderungen am Standort aus. Wir brauchen hier eine massive Ausführung, damit sich der Verschleiß durch das stark abrasive Material in Grenzen hält. Der Rohstoffabbau hat viele Herausforderungen zu bewältigen. Wir müssen technisch auf neuestem Stand sein, um die hohen Qualitätsanforderungen unserer Kunden erfüllen zu können. Mit der XE-Technologie sind wir gut aufgestellt“, erklärt Holger Gille.
Ein weiteres Thema am Standort Quedlinburg ist die Maschinenwartung. Verlängerte Wechselintervalle für Betriebsflüssigkeiten und Filter tragen zur Reduzierung der Wartungskosten bei. Beim eingesetzten Radladermodell wurden die Wartungsintervalle auf 1 000 Betriebsstunden ausgeweitet, die Wartung nach 500 Betriebsstunden entfällt. „Ob Filter- oder Ölwechsel: Das wurde bei der neuen Generation angepasst und verlängert“, so Thomas Krüger. Ergänzend kommt der Remote Service zum Einsatz. Dabei wird die Baumaschine per Funk mit der Serviceabteilung von Zeppelin verbunden, um Fehler aus der Ferne zu diagnostizieren. Ein Servicetechniker muss die Maschine nicht mehr vor Ort an ein Diagnosegerät anschließen, um das Schadensbild zu erfassen. Stattdessen können Ersatzteile direkt disponiert und beim nächsten Einsatz des Außendienstes mitgebracht werden. Dadurch werden unnötige Anfahrten vermieden und Prozesse effizienter gestaltet.
Die Rohstoffgewinnung in Quedlinburg weist Besonderheiten auf, die den Quarzsand für zahlreiche industrielle Anwendungen qualifizieren. Holger Gille verweist auf Eigenschaften wie die monokristalline Struktur der Quarzkörner, gerundete Kanten, eine gute Gasdurchlässigkeit im Guss sowie gleichmäßige Oberflächen. Diese Kombination ist in dieser Form deutschlandweit nur selten anzutreffen. Entsprechend ist Quarzsand aus Quedlinburg in verschiedenen Industriezweigen gefragt. Dazu zählen Gießereien, die daraus Gussformen herstellen und den Werkstoff zunehmend auch für den 3D-Druck nutzen. „Unser Quarzkorn erfüllt die erforderlichen Anforderungen für diesen Einsatz in hohem Maße“, so Holger Gille. In Gießereien wird der Quarzsand bei Temperaturen bis zum Sinterbeginn von 1 600 Grad eingesetzt.
Darüber hinaus ist das Anwendungsspektrum breit gefächert. Durch die Weiterverarbeitung einzelner Kornfraktionen entstehen kundenspezifische Produkte, unter anderem für Sport- und Freizeitanlagen, Terrarien und Aquarien, Filtersande für Wasseraufbereitungsanlagen, Bremssande für Lokomotiven sowie Bau- und Zuschlagstoffe für den Hoch-, Tief- und Straßenbau. „Kundennähe ist für unsere Performance und die Entwicklung unserer Produkte wichtig“, betont der Werkleiter. Die Abnehmer sitzen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich und Italien.
Zusätzlich betreibt Wolff & Müller unter quarzsand-shop.de einen Online-Shop für unterschiedliche Sandprodukte. Das Angebot richtet sich an private und gewerbliche Kunden, die Quarzsand direkt beim Hersteller bestellen können. Neben dem Standort Quedlinburg gehören auch Haida, Hagenbach und Saalhausen zur Wolff & Müller Quarzsande GmbH. Kunden können aus verschiedenen Produkten und Kornabstufungen wählen oder individuelle Mischungen beauftragen. Säcke werden versandkostenfrei geliefert, Big Bags erreichen den Kunden per Spedition innerhalb von sechs Werktagen. Kennzeichnend für die online angebotenen Produkte sind die hohe Reinheit des Quarzsands sowie eine präzise Aufbereitung, die gleichbleibende Qualität gewährleistet.













