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Artikel und Hintergründe zum Thema

Fehlerhafte Dachkonstruktion

Wilhelm Seewitz | Damir Mioc,

Leider ohne Halt – und ohne Unterlüftung!

Ein neu gebautes Wohnhaus in Bad-Harzburg wies von Beginn an große Baumängel auf: Es fehlt unter anderem der vollständige Längsverband der Dachkonstruktion, auch ist die Unterlüftung der Dacheindeckung nicht gewährleistet.

Das Bild zeigt den auf die Sparren genagelten Längsverband, der nur auf der Südseite des Daches eingebaut wurde. Auf der nördlichen Seite fehlt der Windverband vollständig

© Wilhelm Seewitz

Ein Einfamilienhaus wurde in Bad-Harzburg errichtet und weist verschiedene unvollständige Bauleistungen auf. Die Bauherren beanstandeten die fehlende Übereinstimmung der Bauausführung mit der vorliegenden Projektierung. Die Einigung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer konnte nicht erreicht werden und deshalb ging diese Sache von Gericht.

Schadensbild: Die Dachkonstruktion wurde zimmermannsmäßig abgebunden und gerichtet. Der Längsverband wurde wie folgt vom Architekten vorgegeben. Im Projekt, in der statischen Berechnung, sind für beiden Dachhälften dazu folgende Vorgaben nachzulesen: Es heißt hierzu in den Positionen 1 bis 7 „Längsaussteifung: Windrispen 4/10 cm oder Bandeisen mit jeweils 2 Nägeln 4.6 / 130 unter die Sparren nageln.“

Das erste Bild zeigt den auf die Sparren genagelten Längsverband, der nur auf der Südseite des Daches eingebaut wurde, auf der nördlichen Seite fehlt der Windverband vollständig. Auf der Nordseite des Daches wurde also kein Längsverband angebracht.  Die Statik des zimmermannsmäßig abgebundenen Tragwerks des Daches schreibt den Längsverband auf beiden Seiten des Daches vor und zeigt keine Alternative wie „Kreuz auf einer Dachseite“. Die Dachkonstruktion hat damit keinen ausreichenden Längsverband.

Ein weiterer Mangel ist das mögliche Eindringen von Flugschnee unter die Dacheindeckung und in den Dachraum, der sich auf dem Dachboden ablagert. Die Schutzfolie im Firstbereich ist nicht durchgängig ausgeführt worden. Die Unterspannbahn (im Beweisbeschluss Schutzfolie genannt) wurde von der Traufe bis ca. 50 mm vor der First mit der Konterlattung und der Lattung auf den Sparren befestigt. Auf der Konterlattung im mittleren Bereich des Daches liegt die Dachlattung für die Betondachsteine. Damit ist die Unterspannbahnen im Firstbereich rund 100 mm offen.

Ferner fehlen die Zuluftöffnungen zur notwendigen Unterlüftung. Diese wurden im Rahmen der Traufausbildung nicht geschaffen. Die jeweilige Unterspannbahn wurde an der Traufe „hochgezogen“ auf die Schalung, darauf die Lattung für die Dachsteine. Damit sind die notwendigen Zuluftöffnungen von => 200 cm² je Sparrenfeld versperrt.

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Das Bild zeigt die nicht durchgehende Konterlattung im Giebel- und im Traufbereich. An den Traufen fehlt der Rinneneinhang

© Wilhelm Seewitz

Schadensursache: Die Projektierung, die Grundlage für die Bauausführung des Einfamilienhauses, wurde nicht ausreichend beachtet. Das gilt für den konstruktiven Bereich, also den Längsverband des Dachstuhls, und für die Ausführung des Ringbalkens, auch Ringanker genannt. Dadurch ist die Ursache der Bauschäden bzw. der dadurch zu erwartenden Folgeschäden gegeben.

Die Dacheindeckung ist nicht ausreichend funktionsfähig, weil nicht nach den Regeln der Zimmermanns- und der Dachdeckerkunst gearbeitet wurde. Das gesamte System, Dachhaut, Sperrung und Dämmung, ist fehlerhaft eingebaut worden. Deshalb gilt, was hier nicht beachtet wurde: Die Standsicherheit muss in allen Teilen gewährleistet werden – hier der Längsverband der Dachkonstruktion – und die Aussteifung bzw. der stabile Zusammenhalt der Außenwände durch den Ringanker wurden nicht beachtet und damit nicht erreicht.

Durch die unvollständigen Unterspannbahnen und die fehlenden Zuluftöffnungen der Unterlüftung der Unterseite der Dacheindeckung ist die notwendige Trocknung nicht möglich. Denn es ist nicht immer und nicht in ausreichendem Maße zu erreichen, dass das Eindringen von Treibregen und Treibschnee mit der Dacheindeckung vollständig verhindert werden kann.

Die geschlossene Fläche der Unterspannbahnen über die jeweilige Dachfläche ist wichtig. Auch das wurde nicht erreicht. An den Gesimsen des Daches verhindert das „Hochziehen“ der Folie über die Traufschalung das Abfließen des unter die Dachhaut gelangten Wassers in die Dachrinne. Es bilden sich Wassersäcke, in denen sich Wasser sammelt und unkontrolliert in das Bauwerk einfließen kann.

Auszug aus mikado 11.2023

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