mikado-Interview
Sanieren von Steildächern
Bei allen Maßnahmen an der Gebäudehülle ist auf eine luftdichte Ausführung zu achten. Beim nachträglichen Ausbau und der Sanierung von Dächern ist das oft eine anspruchsvolle Aufgabe. Oliver Solcher vom Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen e.V. (FLiB) erklärt, wie dauerhafte Luftdichtheit im sanierten Dach gelingen kann.
mikado: Herr Solcher, der FLiB hat seinen Blick zuletzt besonders auf die Luftdichtheit im Dachbereich gerichtet. Woher rührt dieses besondere Interesse?
Oliver Solcher: Ausgebaute Steildächer sind Hotspots, wenn es um Bauschäden als Folge von Luftdichtheitsfehlern geht. Das hat zunächst mit einfacher Physik zu tun: Warme Luft hat immer den Drang nach oben, im Haus also in Richtung Dach. Weil sie dabei viel Feuchtigkeit aufnehmen kann, sammelt sich leicht jede Menge feuchter Raumluft im Dachgeschoss an. Stößt sie dort auf Fehlstellen in der Luftdichtheitsschicht, findet sie auch den Weg in die Leichtbaukonstruktion hinein. Im schlimmsten Fall säuft ein Dach von innen her regelrecht ab. Da lohnt es sich, das Thema ausführlicher zu beleuchten.
Die von Ihnen beschriebenen bauphysikalischen Vorgänge laufen doch nicht nur bei der Sanierung, sondern auch im Neubau genauso ab.
Das stimmt schon. Nur werden Neubauten in der Regel aus einem Guss geplant. Da kann man das Dach gleich so konzipieren, dass sich die notwendige dauerhaft dichte Ebene problemlos umsetzen lässt. Dagegen hat man es bei Sanierungen immer auch mit einem Bestandsgebäude und dessen Eigenarten zu tun – und die können für die Luftdichtheit des zu erneuernden Dachs einige Fallstricke bereithalten. Das fängt bei der Frage an, wo im Altbau die luftdichtende Ebene verläuft und ob sie sich von ihrer Substanz her überhaupt dazu eignet, etwa Dampfbremsbahnen anzuschließen, die im Dach häufig als Luftdichtheitsschicht dienen. Und es reicht bis zu rissigen, undichten Balken und kaum zugänglichen Anschlusssituationen, bei denen handwerkliches Geschick an Grenzen stößt. Hinzu kommen interne Leckagen des Gebäudes, die sich negativ auf die Luftdichtheit des Dachs auswirken.
Das klingt nach einer echten Herausforderung für die Ausführenden. Worauf kommt es besonders an, damit dauerhafte Luftdichtheit bei Dachsanierungen gelingt?
Zuallererst müssen sich die Verantwortlichen ein möglichst detailliertes Bild vom Bestandsgebäude machen. Dabei kann etwa ein Blower-Door-Test zur Leckagesuche hilfreich sein, der ganz nebenbei auch Hinweise auf eventuell weiteren Sanierungsbedarf liefert. Einfach nur die Dachschrägen zu erneuern, reicht in den wenigsten Fällen aus. Dann gilt es, die gewonnenen Erkenntnisse in ein Luftdichtheitskonzept und die sich anschließende Detailplanung zu überführen. Das heißt zum Beispiel, jemand schreibt fest, wo und wie die Dichtheitsebene im Dach verlegt und an den Bestand angeschlossen werden soll, welche Vorarbeiten dafür unter Umständen nötig sind, wie genau die Anschlussdetails ausgeführt und welche Materialien verwendet werden sollen. Da gibt es eine ganze Reihe bewährter Vorgehensweisen und auch Werkstoffe. Man muss nur die für den konkreten Fall geeigneten finden. Seitdem einige Hersteller sprüh- und streichbare Luftdichtungen entwickelt haben, haben übrigens auch die verwinkelten Anschlussdetails viel von ihrem Schrecken verloren.
Auszug aus mikado 09.24









