zuruck zur Themenseite

Artikel und Hintergründe zum Thema

Baugewerbe 360° - Exklusivinterview

Kai Ingmar Link,

Doka: Potenzial bei Automatisierung, Digitalisierung und Datenintelligenz

Baulogistik ist weit mehr als der reine Transport von Materialien. In einem zunehmend komplexen Umfeld wird der Materialfluss zu einem strategischen Hebel.

Markus Hlawatsch, Chief Operating Officer (COO) bei Doka Deutschland, sieht großes Potenzial in der Automatisierung und anderen digitalen Lösungen. © Doka

Im Gespräch erklärt Markus Hlawatsch, Chief Operating Officer (COO) bei Doka Deutschland, Baugewerbe-Chefredakteur Kai Ingmar Link, worauf es jetzt ankommt:

Baugewerbe: Baustellenlogistik gilt heute als strategischer Erfolgsfaktor. Wie definieren Sie „gute Baulogistik“ in Ihrem Unternehmen, und worauf legen Sie besonders Wert?

Markus Hlawatsch: Wir sind zwar kein klassischer Baulogistik‑Dienstleister – unsere Kernkompetenz liegt in leistungsfähigen, qualitativ hochwertigen Schalungs- und Gerüstlösungen. Aber wir unterstützen natürlich unsere Kunden, indem wir in unserem Rahmen die Voraussetzungen für eine reibungslose Baustellen-Logistik schaffen. Mit unseren erfahrenen Teams begleiten wir Projekte auch beratend und unterstützen beim effizienten und sicheren Ablauf des Schalungs‑ und Gerüsteinsatzes. Als verlässlicher Partner, der mit technischem Know-how und vorausschauender Planung wesentlich dazu beiträgt, dass Baulogistik auf Kundenseiten erfolgreich funktionieren kann.

Anzeige

Deshalb verstehen wir unter guter Baulogistik Termintreue, Klarheit bei den Bauabläufen und einen optimalen Ressourceneinsatz in Form von Personal, Material und Maschine. Sprich, dass die benötigte Ressource zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, in der richtigen Menge und den benötigten Kapazitäten. Entscheidend dafür ist eine klare Kommunikation und gute Vorausplanung mit unseren Kunden. Nur wenn wir frühzeitig und transparent miteinander planen, können die Ressourcenströme rund um die Baustelle optimal gesteuert werden.

Für uns als Bauzulieferer ist natürlich die Optimierung der Materialmengen ein zentraler Faktor. Wir stellen sicher, dass nur so viel Material auf die Baustelle kommt, wie von Kunden für einzelne Bauabschnitte benötigt wird. Das reduziert Platzmangel, Wartezeiten und Aufwand durch unnötige Umlagerungen. Darüber hinaus achten wir auf sichere und einfach handhabbare Abläufe bei der Be- und Entladung sowie beim Einsatz unserer Schalungs- und Gerüstsysteme. Gut organisierte Baulogistik schafft nicht nur Effizienz, sondern auch Sicherheit für alle Beteiligten.

BGW: Inwiefern unterscheiden sich die Anforderungen an Baustellenlogistik je nach Projektart – von urbanen Großprojekten bis hin zu infrastrukturellen Projekten?

Hlawatsch: Jede Projektart stellt eigene Anforderungen. In urbanen Projekten ist der Platz meist knapp, und wie das in Städten eben so ist, können sich die Gegebenheiten vor Ort oft kurzfristig ändern. Hier braucht es eine besonders enge Abstimmung mit dem Kunden, damit Materialflüsse präzise geplant und flexibel angepasst werden können.

Bei Infrastrukturprojekten haben wir es mit großen Distanzen, hohen Materialmengen sowie langen und komplexen Zufahrtswegen zu tun. Wichtig ist hier eine gut abgestimmte Planung mit der Baustelle, um Wartezeiten zu vermeiden und die logistischen Abläufe über die gesamte Bauzeit hinweg optimal zu steuern.

In der Industrie wiederum spielen zusätzlich hohe Sicherheitsstandards eine zentrale Rolle. Auch hier gilt: Nur mit gut geplanten Zulieferungen unsererseits und klar definierten Abläufen lassen sich Wartezeiten auf der Baustelle reduzieren und die geforderten Sicherheitsanforderungen einhalten.

BGW: Welche aktuellen Hürden sehen Sie bei der Logistik auf Baustellen, insbesondere bei komplexen oder innerstädtischen Projekten?

Hlawatsch: Bei innerstädtischen und/oder komplexen Projekten stellen eingeschränkte Platzverhältnisse sowie strikte Verkehrs- und Zufahrtsregelungen eine erhebliche Herausforderung dar. Sie erschweren die gesamte Materiallogistik, von der Anlieferung über die Zwischenlagerung bis hin zum effizienten Einsatz von Schalung und Gerüst auf der Baustelle. Umso wichtiger ist eine präzise Planung der Logistik mit dem Kunden. Gleichzeitig können sich Bauabläufe kurzfristig ändern, und Materialbestellungen müssen mit kürzeren Vorlaufzeiten geliefert werden. Das macht die Planung sehr anspruchsvoll.

Darum legen wir viel Wert darauf, die Gegebenheiten auf der Baustelle zu kennen und die Logistik eng mit dem Kunden zu organisieren.

BGW: Welche Rolle spielen Zeitdruck und enge Terminpläne bei der täglichen Logistikplanung?

Hlawatsch: Zeitdruck und enge Terminpläne sind der zentrale Taktgeber unserer gesamten Logistik – insbesondere in unserem Lager. Die Vorlaufzeiten werden immer kürzer, was die Anforderungen an Planung, Disposition und Kommunikation deutlich erhöht. Wenn Anforderungen unklar sind oder die Projektkoordination fehlt, steigt die Fehleranfälligkeit, die sich auch auf die Logistik auf der Baustelle und Termintreue einzelner Gewerke auswirken kann.

Das ist nicht nur ärgerlich, sondern kostet Zeit und Geld. Um dem entgegenzuwirken, brauchen wir schnellstmöglich eine hohe digitale Durchgängigkeit. Moderne Tools und transparente Datenflüsse in Echtzeit sind entscheidend, um operative Exzellenz in der gesamten Abwicklung sicherzustellen, vom Lager bis zum Transport und auf der Baustelle.

BGW: Nachhaltigkeit wird seit Jahren wichtiger. Wie integrieren Sie ressourcenschonende Transport- und Lagerprozesse in die Baustellenlogistik?

Hlawatsch: Nachhaltigkeit ist integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie von Doka. Unser klares Ziel: Net Zero bis 2040.

Dabei betrachten wir nicht nur unsere eigenen Betriebsabläufe und Produkte, sondern die gesamte Lieferkette, bis hin zur Baustelle. Eine klimafreundliche Baustellenlogistik bringt einige Herausforderungen mit sich. Gerade beim Einsatz von E-Lkw mit Ladekran steht die Branche noch vor technischen und infrastrukturellen Fragestellungen, etwa hinsichtlich Reichweite, Energiebedarf und Ladeinfrastruktur.

Um hier tragfähige Lösungen zu entwickeln, arbeitet Doka aktiv an Projekten wie „Zero-Emission Construction Sites Logistics“ des Instituts für Verfahrens- und Energietechnik der Universität für Bodenkultur Wien und der Initiative Council für nachhaltige Logistik mit. Ziel ist es, aus den daraus gewonnen Erkenntnissen den breiten Einsatz von E-Lkws auf Baustellen voranzutreiben.

BGW: Welchen Stellenwert werden digitale Plattformen, Vernetzung und Predictive Analytics in Ihrer Logistikstrategie zukünftig haben?

Hlawatsch: Automatisierung, Digitalisierung und Datenintelligenz bergen ein enormes Potenzial für die Logistik. Transparenz schafft Effizienz, und vernetzte Systeme sind der Schlüssel dazu. Wir sehen den Trend deshalb ganz klar in Richtung digitale Plattformen. Dazu hatten wir auf der bauma 2025 etwa unsere neue Kundenplattform Doka 360 vorgestellt. Unser langfristiges Ziel ist es, damit einen virtuellen Ort zu schaffen, an dem alle relevanten Informationen zusammenlaufen. Kein Wechsel zwischen Systemen, keine doppelten Dateneingaben, keine Informationsverluste.

Für die Logistik bedeutet das, ihre Materialflüsse und Transportwege besser steuern zu können, weil man weiß, welche Mengen vorhanden sind, wo sich diese befinden und wie man diese am besten zum Einsatzort bringt. Die intelligente Vernetzung als Kombination von BIM, IoT und KI ermöglicht eine punktgenaue, datengestützte Logistikplanung und reduziert deutlich Verzögerungen und die Fehleranfälligkeit. Die Kür ist dann Predictive Analytics, meiner Meinung nach ein echter Game Changer, weil man nicht mehr nur reagiert, sondern verstärkt aktiv steuert.

Natürlich ist das nicht immer möglich. Wir leben in einer Zeit gravierender, geopolitscher Veränderungen, deren Konflikte Lieferketten weltweit drastisch beeinflussen. Doch auch dann können Materialflüsse und deren Routen daten- und KI-basiert schneller und flexibler neu koordiniert werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
zurück zur Themenseite
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Jetzt Newsletter abonnieren