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Artikel und Hintergründe zum Thema

Baugewerbe EXKLUSIV

Stefan Ufertinger,

Stefan Ufertinger und die Macht der Worte

Sprache ist mehr als nur ein Mittel zur Verständigung. Sie formt unsere Wahrnehmung, beeinflusst unser Verhalten und kann im positiven wie im negativen Sinn mächtig sein. Gerade in der Baubranche, wo Teams oft unter hohem Druck arbeiten und Verhandlungen an der Tagesordnung sind, wird der Ton schnell rau.

Stefan Ufertinger ist Kommunikationscoach und Geschäftsführer von Site Communications © Site Communications

Doch was als "normale Umgangssprache" betrachtet wird, kann ungewollt verletzend, eskalierend oder demotivierend wirken. Die Wahl unserer Worte entscheidet mit darüber, ob wir Brücken bauen oder Mauern errichten.

"Wir kämpfen bis zum letzten Mann!" – die Kriegsmetaphorik in Verhandlungen

Besprechungen und Vertragsverhandlungen sind keine Schlachten, doch die Sprache vieler Beteiligter könnte diesen Eindruck erwecken. Da wird "die Strategie für den finalen Schlag" erarbeitet, "alle Geschütze aufgefahren", das "Schlachtfeld bereitet" und "keine Gefangenen gemacht". Der eigene Standpunkt muss "mit aller Härte verteidigt" werden, um den "Sieg davonzutragen".

Solche martialischen Begriffe suggerieren einen Kampf – einen Konflikt, in dem es Gewinner und Verlierer gibt. Doch eine Verhandlung ist kein Krieg. Sie sollte das Ziel haben, eine Lösung zu finden, die für beide Seiten tragfähig ist. Wer sich sprachlich in eine Angriffs- oder Verteidigungshaltung begibt, verhärtet die Fronten und erschwert Kompromisse. Eine bewusst gewählte, konstruktive Sprache kann helfen, Dialoge auf Augenhöhe zu führen und nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.

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"Kleinigkeiten" mit großer Wirkung – der unterschätzte Einfluss abwertender Worte

Häufig schleichen sich unbewusst Begriffe in unsere Sprache ein, die das Gesagte herabsetzen oder kleinreden. Besonders in Diskussionen oder Kritikgesprächen haben solche Worte eine unterschätzte Wirkung.

Beispiele:

• "Das ist ja nur eine Kleinigkeit."

• "Das Problemchen lösen wir schnell."

• "Das ist doch nicht so schlimm."

Diese Formulierungen wirken auf den ersten Blick harmlos, können jedoch bewirken, dass sich Gesprächspartner nicht ernst genommen fühlen. Wer sich mit einer berechtigten Kritik oder einem Verbesserungsvorschlag einbringt, will nicht hören, dass sein Anliegen "unbedeutend" sei.

Auch in Teamgesprächen kann dies zum Problem werden. Ein Bauleiter, der sagt: "Das ist doch nur ein Detail", während ein Polier eine sicherheitsrelevante Frage anspricht, nimmt das Anliegen nicht ernst – mit möglicherweise gravierenden Konsequenzen.

Besser ist es, wertschätzender zu formulieren:

• "Das scheint ein Detail zu sein, aber lassen Sie uns das sicherheitshalber prüfen."

• "Das klingt nach einem kleinen Problem, aber es könnte eine große Wirkung haben."

Wer sich sprachlich in eine Angriffs- oder Verteidigungshaltung begibt, verhärtet die Fronten und erschwert Kompromisse. © Pelemedia (Symbolbild)

Diese Wortwahl zeigt Respekt für das Gegenüber und schafft eine konstruktive Gesprächsatmosphäre.

"Eigentlich wollte ich ja…" – die unterschätzte Wirkung von "eigentlich" und "aber"

Zwei kleine Worte mit großer Wirkung: "eigentlich" und "aber". Beide werden oft unbedacht verwendet und können die Aussage einer Botschaft ungewollt verändern.

"Eigentlich" stammt vom mittelhochdeutschen "eigenlich" ab, was "in Wirklichkeit" bedeutet. Wer sagt: "Eigentlich finde ich die Idee gut", suggeriert jedoch das Gegenteil – dass er sie eben doch nicht gut findet. "Eigentlich" verwässert eine Aussage und untergräbt deren Glaubwürdigkeit.

Noch kritischer ist "aber". Es hat die rhetorische Kraft, alles zuvor Gesagte abzuwerten oder sogar ins Gegenteil zu verkehren. Beispiel: "Das war eine gute Präsentation, aber …" Der Zuhörer hört nur noch das, was nach dem "aber" kommt, und nimmt das Lob davor kaum wahr.

Eine bewusste Wortwahl kann helfen, diese Fallen zu umgehen. Statt "eigentlich" sollte man klar sagen, was man meint. Und statt "aber" können Formulierungen wie "und gleichzeitig" oder "gleichzeitig sollten wir bedenken …" eine Aussage konstruktiver gestalten.

Bewusst sprechen, respektvoll handeln

Sprache ist ein mächtiges Werkzeug – ob wir sie zum Verbindenden oder Trennenden einsetzen, liegt an uns. Eine bewusste Wortwahl trägt dazu bei, Missverständnisse zu vermeiden, Gespräche auf Augenhöhe zu führen und das gegenseitige Verständnis zu fördern.

Indem wir Kriegsmetaphern durch sachliche Begriffe ersetzen, Generalisierungen hinterfragen und auf schwächende Füllwörter verzichten, schaffen wir eine Kommunikationskultur, die von Respekt, Klarheit und Wertschätzung geprägt ist. Gerade in der Baubranche, wo Zusammenarbeit entscheidend ist, lohnt es sich, Worte als das zu betrachten, was sie sein können: Werkzeuge des Miteinanders.

Über Site Communications

Stefan Ufertinger ist seit 2021 allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Verdingungswesen, Leiter Bauwirtschaft bei Afry, Lean Construction Manager. Daneben berät er Bauunternehmen in Sachen Kommunikation auf der Baustelle. Seine Vision ist ein Kulturwandel auf dem Bau. Durch die gezielte Weiterentwicklung der einzelnen Projektbeteiligten hat es sich Ufertinger zur Aufgabe gemacht, die gesamte Baubranche von innen nach außen zu "gesunden". "Sozusagen vom Kleinen zum großen Ganzen. Dadurch belebe ich die Begeisterung für das Bauwesen wieder. Dieser neue Spirit führt zu einer Projektabwicklung mit Freude und Leichtigkeit, sowie Ressourcen-, Kosten- und Zeitersparnis. Die Baubranche gewinnt dadurch wieder an Attraktivität und wird zum Konjunktur- und Innovationsmotor", sagt Stefan Ufertinger. Denn er habe selbst früh erfahren, wie fordernd die Arbeit auf der Baustelle sein könne.

Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 04_2025 des Baugewerbe Magazins.

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