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Wirtschaft & Verbände

Quarzsandgrube in Franken wird zum Refugium für bedrohte Vogelarten

„Aus Sandgruben machen wir ein Refugium für Vögel“ – für dieses ungewöhnliche Anliegen und Naturschutzprojekt haben sich drei Verbände und Unternehmen zusammengeschlossen: der Landesbund für Vogelschutz e.V. (LBV), die Bayerischen Staatsforsten und die Zapfwerke GmbH & Co. KG, ein Kalksandstein-Unternehmen östlich von Nürnberg.

v.l.n.r.: Wolfgang Zapf, Dr. Ruth Dirsch, Wolfgang Chunsek, Bernd Michl beim Startschuss für das Artenschutzprojekt für die Vogelarten Wiedehopf und Wendehals in der Sandgrube Kreuzstein, Schwaig b. Nbg. Foto: Foto: Zapfwerke

Gemeinsam haben sie ein Brutprogramm für den Wiedehopf und den Wendehals ins Leben gerufen.

Motivation für das Projekt

Quarzsandgruben sind für das Geschäftsmodell der Zapfwerke unabdingbar: Aus diesen gewinnt das fränkische Unternehmen seine Rohstoffe für die über hundert Jahre währende Produktion von Kalksandstein. Doch dass Sandgruben grundsätzlich ein schädlicher Eingriff in „wilde“ Natur seien und das Landschaftsbild beeinträchtigen, wollen weder Zapf-Geschäftsführer Wolfgang Zapf noch Bernd Michl, LBV-Regionalgruppe Feucht, so stehen lassen.

Im Gegenteil: Der 1. Vorsitzende der LBV-Regionalgruppe Feucht schätzt besonders die Sandgruben – sowohl die Grube „Schlüsselfelder Holz“ bei Feucht als auch die Grube „Kreuzstein“ nahe Schwaig b. Nbg – in ihrer ökologischen Wertigkeit hoch ein: „Während die Waldvogelarten gut zurechtkommen, also genug Gehölze für sie vorhanden sind, gibt es viel zu wenig geeignete Lebensräume für die stark bedrohten Vogelarten der Agrar- und Kulturlandschaft.“

Das Wiedehopf-Projekt: Sandgruben als Biotop

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Dass das Unternehmen Zapf großflächig Sand fördert und durch die naturschutzfachlichen Pflegemaßnahmen einen Lebensraum für seltene Vögel schafft, freut Michl. Hintergrund für Wiedehopf-Projekt ist, dass beide Vogelarten nahezu identische und offene Flächen der Agrarkulturlandschaft benötigen – der Wiedehopf nistet in Kästen nahe des sandigen Erdbodens; und der Wendehals eher in Kästen etwas anderer Bauart ab 2 Meter über dem Boden.

Die weiten Sandgruben als insektenvielfältiges Biotop seien für beide Vogelarten „besonders gut geeignet“, erklärt Bernd Michl − wobei der schöne bunte Wiedehopf noch seltener zu sehen ist als der Wendehals. Nisthöhlen etwa in abgestorbenen oder alten Bäumen, in denen die Wendehälse – eine heimische Spechtart, die keine Höhlen zimmern kann − auch brüten würden, gibt es aufgrund der regen Forstbewirtschaftung immer seltener. Das Hilfsangebot des Menschen nehmen beide Tierarten entsprechend gerne an.

Es gibt nur noch zehn bis zwanzig Wiedehopf-Brutpaare in Bayern; in Deutschland ist der Bestand auf 380 bis 460 Paare zurückgegangen. Michl ist ehrgeizig: „Unser Ziel bleibt, eine Vielzahl von Nisthöhlen in geeigneten Biotopen anzubieten, um den Wendehals und den Wiedehopf zu unterstützen, ein Revier erfolgreich zu besetzen.“

Herzensangelegenheit

Für Wolfgang Zapf ist die Ansiedelung gefährdeter Arten seit jeher eine Herzensangelegenheit: „Gemeinsam Lebensräume schaffen – das entspricht auch unseren Ansprüchen bei der Sandgewinnung“, erklärt er und sagte dem Projekt des LBV umgehend zu. Auch die Bayerischen Staatsforsten waren sofort mit Begeisterung dabei und stimmten dem Projekt zu, denn Zapf gewinnt seinen Quarzsand auf Flächen der Bayerischen Staatsforsten.

Am 26. April legten daher Dr. Ruth Dirsch, Mitarbeiterin im Leitungsdienst des Forstbetriebs Nürnberg, zusammen mit Wolfgang Zapf, Wolfgang Chunsek und Bernd Michl (beide LBV) den Startschuss für das gemeinsame Projekt. Die seltenen Vögel sollen zum Brüten in den trockenen, vegetationsarmen Sandgruben heimisch werden; für sie, so Wolfgang Zapf, „sind unsere Sandgruben mit ihren Flechten, Büschen und Gräsern echte Refugien mit einem reichhaltigen Nahrungsangebot für seltene Vogelarten“.

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