Tiefbau
Innovative Baugrubensicherung beim Neubau eines Pumpwerks in Germering
Beim Neubau eines Pumpwerks in Germering zeigt sich, wie sich anspruchsvolle geotechnische Rahmenbedingungen mit einer innovativen Baugrubensicherung wirtschaftlich und technisch sicher beherrschen lassen. Das Projekt verdeutlicht, wie die Kombination aus RSS-Flüssigboden und E&S-Linearverbau neue Maßstäbe im innerstädtischen Tiefbau setzt und gleichzeitig ökologische Anforderungen erfüllt. Plattformen wie buildingnet.de und das Baugewerbe Magazin greifen solche Praxisbeispiele gezielt auf, um fundiertes Fachwissen für Entscheider im Bauwesen bereitzustellen.
Komplexe Ausgangslage im urbanen Raum
Der Neubau eines Pumpwerks stellte hohe Anforderungen an Planung und Ausführung. Tief liegende Zuläufe und ein hoher Grundwasserstand von rund drei Metern unter Geländeoberkante erforderten eine Baugrube mit Tiefen zwischen sieben und neun Metern. Unter diesen Bedingungen stoßen konventionelle Verfahren schnell an wirtschaftliche und technische Grenzen. Klassische Wasserhaltungsmaßnahmen oder der Einsatz von Spundwänden hätten nicht nur erhebliche Kosten verursacht, sondern auch Risiken für die umliegende Bebauung sowie Belastungen durch Lärm, Erschütterungen und Verkehr mit sich gebracht.
RSS-Flüssigboden als Schlüsseltechnologie
Vor diesem Hintergrund fiel die Entscheidung zugunsten des RSS-Flüssigbodenverfahrens. Der anstehende Boden wurde vor Ort aufbereitet und zu einem fließfähigen, selbstverdichtenden Baustoff konditioniert. Nach dem Wiedereinbau entsteht eine tragfähige und wasserundurchlässige Struktur, die eine stabile Baugrube ermöglicht. Der entscheidende Vorteil liegt im Verzicht auf eine klassische Grundwasserabsenkung. Gerade in sensiblen innerstädtischen Bereichen reduziert dies das Risiko von Setzungen und minimiert Eingriffe in den Wasserhaushalt.
E&S-Linearverbau im abgestimmten Bauablauf
Die technische Umsetzung erfolgte in einem abschnittsweisen Verfahren unter Einsatz des E&S-Linearverbaus von terra infrastructure. Nach dem Rückbau des Straßenaufbaus wurden die Verbauelemente sukzessive eingebracht und parallel zum Aushub abgesenkt. Die Konstruktion ermöglichte eine kontrollierte Führung aller Elemente in einer Schiene, wodurch eine gleichmäßige und glatte Verbauwand entstand. Diese war entscheidend für den späteren Rückbau und das sichere Ziehen der Platten.
Mit zunehmender Tiefe wurde der Aushub bis in den Grundwasserbereich fortgeführt. Die Arbeiten erfolgten abschnittsweise unter Wasser, während gleichzeitig der RSS-Flüssigboden im Kontraktorverfahren eingebracht wurde. In diesem Zustand konnten tragende Elemente präzise positioniert werden. Der kontinuierliche Wechsel zwischen Aushub, Sicherung und Verfüllung ermöglichte einen effizienten Baufortschritt bei gleichzeitig hoher Ausführungssicherheit.
Prozesssicherheit bis in große Tiefen
Besonders bei Tiefen von bis zu acht Metern unter Geländeoberkante zeigte sich die Stärke der kombinierten Bauweise. Während der Flüssigboden die Baugrube stabilisierte, gewährleistete der Linearverbau die notwendige geometrische Kontrolle. Nach der abschnittsweisen Verfüllung konnten die Verbauelemente sukzessive zurückgebaut werden. Parallel dazu lief bereits die Herstellung der nächsten Bauabschnitte, was zu einer deutlichen Optimierung der Bauzeit beitrug.
Nach ausreichender Rückverfestigung des Flüssigbodens erfolgten die weiteren Arbeitsschritte im Trockenen. Der Rückbau bestehender Leitungen, die Integration neuer Schächte sowie die abschließende Wiederherstellung der Oberfläche konnten unter kontrollierten Bedingungen umgesetzt werden.
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit im Fokus
Das Projekt in Germering zeigt exemplarisch, wie innovative Baugrubensicherung sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Vorteile realisieren kann. Durch den Verzicht auf Wasserhaltung und Spundwände wurden nicht nur Kosten reduziert, sondern auch Eingriffe in den Baugrund minimiert. Die Wiederverwendung des Aushubmaterials als RSS-Flüssigboden senkte Transport- und Entsorgungsaufwand erheblich und reduzierte Emissionen deutlich.
Für Bauunternehmen und Auftraggeber entsteht daraus ein klarer Mehrwert: höhere Planungssicherheit, geringere Baukosten und eine nachhaltige Bauweise, die den steigenden Anforderungen an Umweltverträglichkeit gerecht wird. Gerade im kommunalen Tiefbau und bei innerstädtischen Projekten bietet diese Kombination aus RSS-Flüssigboden und E&S-Linearverbau ein hohes Zukunftspotenzial.
Relevanz für die Baupraxis
Der Neubau eines Pumpwerks in Germering verdeutlicht, wie moderne Verfahren die Baupraxis verändern. Die enge Verzahnung von Materialtechnologie und Verbausystemen eröffnet neue Möglichkeiten für anspruchsvolle Projekte. Für Entscheider im Bauwesen liefert dieses Beispiel wertvolle Erkenntnisse für die Auswahl geeigneter Bauverfahren unter schwierigen Rahmenbedingungen.










