Konjunkturausblick 2026

Kai Ingmar Link,

Zemmler Siebanlagen: "Weiterhin anspruchsvolles Investitionsumfeld"

Die Bauwirtschaft steht an einem Wendepunkt. Nach Jahren geprägt von Kostensteigerungen, Auftragsrückgängen und politischer Unsicherheit richtet sich der Blick nun auf 2026.

Mathias Fritsche ist CEO von Zemmler Siebanlagen. © Zemmler Siebanlagen

Zwischen anhaltender Krise und vorsichtiger Zuversicht stellt sich für viele Unternehmen dieselbe Frage: Bleibt der Druck hoch – oder beginnt eine Phase der Stabilisierung?

Im Interview sprechen wir darüber, wie die Branche das Jahr 2026 einschätzt, welche wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen entscheidend werden und wo trotz aller Herausforderungen neue Perspektiven entstehen. Es geht um Zahlen und Trends – aber auch um Stimmungen, Erwartungen und konkrete Handlungsoptionen für die Praxis

Baugewerbe Magazin: Wie blicken Sie auf das kommende Geschäftsjahr: Welche Entwicklungen erwarten Sie für Ihr Unternehmen und für die Baubranche insgesamt?

Mathias Fritsche, CEO von Zemmler Siebanlagen: Bei Zemmler blicken zuversichtlich auf das Geschäftsjahr 2026. Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach effizienten Lösungen in der Baustoffaufbereitung und insbesondere im Recycling weiter steigen wird. Für Zemmler wird 2026 ein wichtiges Jahr, weil wir mit der Markteinführung der MS 36 Pro einen zentralen Meilenstein in der Überarbeitung unserer Produkte setzen.

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Gleichzeitig erwarten wir, dass sich die Baubranche stärker in Richtung Kreislaufwirtschaft, Bestandssanierung, Rückbau und Infrastrukturprojekte verschiebt und damit der Stellenwert moderner, zuverlässiger und wirtschaftlicher Aufbereitungstechnik weiter zunimmt. Zudem gehen wir davon aus, dass Digitalisierung in der Branche weiter an Bedeutung gewinnt, weshalb wir unsere Digitalisierungsstrategie für Zemmler Siebanlagen konsequent ausbauen, um Kunden im Betrieb, im Service und in der Prozessoptimierung noch besser zu unterstützen

BGW: Welche größten Herausforderungen erwarten Sie im kommenden Jahr für Ihr Unternehmen?

Fritsche: Die größten Herausforderungen im kommenden Jahr sehen wir bei Zemmler in einem weiterhin anspruchsvollen Investitionsumfeld, in dem viele Kunden Entscheidungen sehr sorgfältig abwägen und der wirtschaftliche Nutzen von Lösungen besonders klar belegt werden muss. Gleichzeitig wird es anspruchsvoll, Entwicklungs- und Markteinführungsthemen wie die MS 36 Pro mit hoher Geschwindigkeit und zugleich in der gewohnt hohen Qualität umzusetzen.

Darüber hinaus bleibt der Fachkräftemangel eine spürbare Herausforderung, gerade in Bereichen wie Service, Qualitätssicherung, Inbetriebnahme und technischer Betreuung, weshalb wir unsere Strukturen und Prozesse weiter stärken, um Verfügbarkeit und Kundennähe zuverlässig sicherzustellen.
Ein großes Ziel ist es neben dem Aufbau weitere eigener Kapazitäten, die Weiterentwicklung und Neugewinnung von Händlern und Servicepartnern.

BGW: Welche Erwartungen haben Sie an Politik, Auftraggeber und die Branche insgesamt für das kommende Jahr?

Fritsche: Von der Politik erwarten wir vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, schnellere Genehmigungs- und Entscheidungsprozesse sowie eine Förderung, die den Mittelstand in der Praxis erreicht und nicht an formalen Kriterien scheitert. Wir wünschen uns insbesondere, dass Mittelständler, die aufgrund ihrer Gesellschafterstrukturen nicht mehr als KMU gelten, dennoch über zusätzliche Kriterien Zugang zu Förderprogrammen erhalten können, damit Innovation und Investitionen auch bei Unternehmen wie Zemmler gezielt unterstützt werden.

Von Auftraggebern erwarten wir, dass Qualität, Lebenszykluskosten und Betriebssicherheit stärker berücksichtigt werden und nicht allein der niedrigste Anschaffungspreis im Vordergrund steht. Von der Branche insgesamt erwarten wir mehr Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette. Mit gutem Beispiel gehen wir bei Zemmler dafür voran mit spannenden Entwicklungskooperationen mit Unternehmen der Recyclingbranche. Damit solle neue Anwendungen schneller zur Marktreife gelangen und die Kreislaufwirtschaft in der Praxis weiter gestärkt werden.

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