Im Hintergrund
Hydraulik: Am Scheideweg
Im Zeitalter digitaler Transformation geraten analoge Technologien zunehmend aus dem Blickfeld – selbst dann, wenn sie weiterhin das Fundament vieler Prozesse bilden.
Eine dieser Technologien ist die Hydraulik: unsichtbar im Hintergrund, aber unersetzlich in der Praxis. Hinter dem präzisen Zusammenspiel von Zylindern, Ventilen und Pumpen steckt ein hochspezialisiertes Wissen. Eben dieses Know-how ist zurzeit gefährdet. Während sich Debatten um Digitalisierung und künstliche Intelligenz drehen, fehlt es an einer systematischen Nachwuchsförderung im Bereich der Hydraulik – heißt es seitens des VDBUM.
Axel Binner, Initiator der Hydraulik-Initiative, bringt es auf den Punkt: "Hydraulik ist fast überall – ohne sie läuft nichts." Gleichzeitig fehlen nicht nur spezialisierte Ausbildungsangebote, sondern auch das Bewusstsein – in der Öffentlichkeit und teilweise sogar in den Unternehmen.
Gunter Mattes, Geschäftsführer von Wandfluh, schildert die Schwierigkeiten ganz konkret: "Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitenden für Konstruktion und Wartung hydraulischer Systeme wird immer schwieriger." Für ihn war das der Auslöser, aktiv zu werden: "Wir haben die Hydraulik-Initiative ins Leben gerufen, weil wir nicht tatenlos zusehen wollen." Auch der VDBUM, Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik, unterstützt die Initiative. Denn insbesondere auf Baustellen ist Hydraulik nach wie vor ein zentrales Element – in Radladern, Baggern, Hebeanlagen oder Bohrgeräten. Ein Ausfall oder Qualitätsverlust hätte weitreichende Folgen, nicht nur für die Maschinen, sondern für ganze Bauprojekte.
Aus der Sorge einzelner Akteure ist inzwischen eine kollektive Initiative geworden. Über 60 Unternehmen, darunter Hersteller, Maschinenbauer und Anwender haben sich zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, ein tragfähiges Fundament für die nächste Generation zu schaffen – durch praxisnahe Bildungsangebote, gezielten Wissenstransfer und neue Impulse für Ausbildungs- und Studiengänge.
Auch der Blick auf die Halbleiterindustrie liefert eine Warnung. Ulrich Hielscher, Geschäftsführer der Internationalen Hydraulik Akademie (IHA), zieht Parallelen: "Wenn das Hydraulik-Wissen verschwindet, werden wir auf Lieferungen und Expertise aus dem nichteuropäischen Ausland angewiesen sein. Das erinnert an das Abwandern der Halbleiter-Industrie – Deutschland hat damals frühzeitig den Anschluss an eine Schlüsseltechnologie verloren! Diesen Fehler dürfen wir nicht noch mal machen."
Dieser Artikel erschien zuerst in der September-Ausgabe des Baugewerbe Magazins.












