Bagger und Radlader

Susanne Frank,

Hydraulischer Zusatzantrieb für den Arocs

Mercedes-Benz präsentierte Ende Mai 2015 in einem Steinbruchgelände auf der Schwäbischen Alb den neuen hydraulichen Vorderradantrieb „Hydraulic-Auxiliary-Drive“ (HAD) im Arocs als Alternative zum Allradantrieb.

Als weitere Variante komplettiert der Arocs mit Hydraulic-Auxiliary-Drive (HAD) das Angebot von Mercedes-Benz. Dahinter verbirgt sich ein besonders raffinierter hydraulischer Zusatzantrieb der Vorderräder für gelegentlichen Einsatz im Gelände.

Angeboten wird der Hydraulic-Auxiliary-Drive für den Arocs zunächst für die Achskonfigurationen 4x2, 6x2 mit Nachlaufachse und 6x4, jeweils ausgestattet mit luftgefederten Hinterachsen. Für Fahrzeuge mit Plattfederung wird die Technik des hydraulischen Antriebs bewusst nicht angeboten weil für schwere Offroad-Einsätze das System nicht ausgelegt ist.

Zur Verfügung stehen zwei Motoren (OM470 mit 10,7 Liter Hubraum von 326 PS bis 428 PS) und (OM 471 mit 12,8 Liter Hubraum von 421 PS bis 510 PS). Die Kraftübertragung übernehmen durchweg Automatikgetriebe PowerShift 3 mit 12 und 16 Gängen. Mit Fahrerhäusern in drei Längen sowie 2,3 und 2,5 Meter breite wird das Angebot erfüllt. In allen diesen Ausführungen ist der Hydraulic-Auxiliary-Drive ebenfalls für Actros und Antos lieferbar.

Ein Lkw für die Baustelle oder für die Baustellenbelieferung muss bei jeder Witterung und jedem Gelände einsatzfähig sein. Auf der Baustelle weiß man nie, was einen erwartet. Vor allem wenn der Untergrund nass, aufgeweicht und schmierig ist, ist ein Allradantrieb von Vorteil.

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Der Arocs 1845 LS ist ein „klassischer“ 4x2 Lkw mit HAD bietet er die Möglichkeit vorübergehend in den Allradantrieb zu wechseln und seine Vorteile bei Bedarf zu nutzen, ohne gleichzeitig die Nachteile eines klassischen Allradantriebs in Kauf nehmen zu müssen.

Neben seiner Hauptaufgabe, der Baustellenbelieferung, muss der Arocs Sattelzug ab und zu auch in mittelschwerem Gelände unterwegs sein. So kann es vorkommen, dass er sich aus aufgeweichtem Untergrund befreien muss oder mangels Traktion nicht ans Ladegerät kommt.

Dazu benötigt er vorübergehend den Allradantrieb. Deshalb bietet Mercedes-Benz jetzt den Hydraulic-Auxiliary-Drive an. Ein System, das per Tastendruck auf dem Armaturenbrett von 4x2 in den 4x4 Modus wechselt.

Dies kann noch während der Fahrt in die Baustelle oder jederzeit auch im Gelände oder unter Last sein. Die Handhabung des Antriebs ist flexibel: Unabhängig von der Aktivierung des HAD kann man Differenzialsperren einschalten. Auf diese Weise ist es möglich, situativ auch allein mit gesperrtem Hinterachs-Differenzial zu fahren.

Die Hochdruckpumpe ist das Herzstück des HAD. Sie ist zentral am Motor angeordnet und leistet bis zu 112 kW mit einem maximalen Pumpendruck von 450 bar. Deshalb bleibt die volle Zahl der Nebenantriebe am Getriebe erhalten, und kann auf Wunsch mit einem leistungsstarken wie leichten Sekundär-Wasserretarder ausgestattet werden.

Die Hydraulik-Radnabenmotoren setzen hydraulischen Druck in mechanische Arbeit um. Ein Drehverteiler im Achsschenkel schützt die Hydraulikschläuche vor Verdrehen beim Lenken. Ausschließ-lich sind nur die Federbewegungen auszugleichen was der Lebensdauer zu Gute kommt.

„Das Gehirn“ des Hydraulic-Auxiliary-Drive ist das Steuergerät mit der Transmission Control Unit (TCM). Sie steuert den kompletten Antrieb. Abhängig von der Fahrsituation wird nur so viel Drehmoment an der Vorderachse aufgebaut, wie für die Traktion tatsächlich notwendig ist.

Entsprechende Anforderung wird über den Druck des Gaspedals gesteuert, das heißt, je mehr aufs Gaspedal getreten wird, desto stärker arbeitet die HAD- Hochdruckpumpe, ein durchdrehen der Räder wird vom System vermieden. Die Sensoren erkennen unter anderem Schlupf, Fahrzeuggewicht und Neigungswinkel. Bei jedem Einsatz wird nur so viel Kraft wie notwendig aufgebracht, dadurch erhöht sich die Einsatz und Lebensdauer der Antriebstechnik.

Eine hohe Kühlleistung von 20 kW sichert im Gelände einen Dauerbetrieb bei einer Fahrgeschwindigkeit mit bis zu 15 km/h. Bei höheren Geschwindigkeiten werden nur geringe Drehmomente übertragen, so dass der HAD ca. fünf Minuten voll einsetzbar ist. Die Angetriebene Vorderachse hat den gleichen Lenkeinschlag wie bei nicht angetriebenen Vorderrädern. Bei Bergabfahrten auf losem Untergrund war eine gute Übertragung der Motorbremswirkung im Schubbetrieb spürbar.

Im Straßeneinsatz ohne zugeschalteten Zusatzantrieb liegt der Mehrverbrauch mit HAD bei iden-tischem Getriebe und Hypoidachsen mit identischer Übersetzung nur 1,5 Prozent über einem 4x2 Straßenroller. Beim Arocs HAD mit Außenplanetenachsen und Schnellganggetriebe liegt der Verbrauch etwa zwei Prozent höher als beim Ausgangsfahrzeug mit HAD und angetriebener Hypoid-Hinterachse.

Mit einem herkömmlichen zuschaltbaren Allradantrieb liegt der Verbrauch dagegen bis zu acht Prozent, und mit einem permanenten Allradantrieb bis zu zehn Prozent höher als mit HAD und Hypoidhinterachse.

Besonderes Augenmerk richtet sich auf die Gewichts und Kostenbilanz des Arocs. Der Zuschlag für HAD beläuft sich auf lediglich 400 kg, (der klassische Allradantrieb würde nochmals 400 kg mehr auf die Waage bringen) und sein Antriebssystem ist komplett wartungsfrei, es entstehen laut dem Hersteller weder Ausfallzeiten noch Kosten.

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