Aufstockung und Bestandssanierung
Ehemaliges Telekom-Gebäude energetisch optimiert
In den 1950er-Jahren errichtete die Deutsche Post in Deggendorf ein Fernmeldedienstgebäude. Für die Umnutzung als neuer Standort des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wurde das Gebäude umgebaut, aufgestockt und energetisch optimiert.
Das in den 1950er-Jahren für die Telekom errichtete Fernmeldedienstgebäude der Deutschen Post in Deggendorf hatte nach dem Auszug der ursprünglichen Nutzer verschiedene Nachmieter beherbergt. Zu diesem Zweck war es mehrfach erweitert und umgebaut worden, zuletzt in den 1970er-Jahren.
Als neuer Standort des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), dessen bisher genutzten Räumlichkeiten gekündigt worden waren, sollte das ehemalige Telekom-Gebäude zunächst nur eine energetische Optimierung bzw. Sanierung erhalten, in dessen Zuge das Dachgeschoss ausgebaut werden sollte. Doch unter dem Walmdach mit seiner schwach dimensionierten Sparrenkonstruktion war zu wenig Platz für das vorgesehene Raumprogramm. "Zudem hätten wir die Sparren nur mit sehr hohem Aufwand verstärken und Gauben einbauen können", erinnert sich Architekt Stefan Hammerl an die ersten Überlegungen seines mit der Bauaufgabe betrauten Büros. Entsprechend schlugen die Planer einen Rückbau der Dachkonstruktion mit anschließender Aufstockung vor. Diese Lösung versprach genügend Platz für alle gewünschten Räume, ohne dass zusätzliche Flächen versiegelt werden mussten. Und auch die Parkplatzsituation war durch den Bestandsbau bereits geklärt.
Platz genug für ein umfangreiches Raumprogramm
Das neue Geschoss erweitert den Bestandsbau nun auf insgesamt 1300 m² Bürofläche, genug Platz für die alle Abteilungen des AELF sowie Verbundpartner wie der Maschinen- und Erzeugerring. Die zweihüftige Erschließung der Regelgeschosse blieb bei der Sanierung erhalten, so dass sich die Büroräume weiterhin zu beiden Seiten eines Mittelflurs aneinanderreihen. Als Ersatz für ein bisher fehlendes Foyer öffneten die Architekten zudem das Treppenhaus zu einem angrenzenden Raum und integrierten hier eine Empfangstheke. Im neuen Dachgeschoss war eine flexiblere Raumeinteilung möglich. Neben Büroräumen finden hier ein großer Besprechungs- und Tagungsraum Platz.
Grünes Zentrum: ein Name verpflichtet
Die Kombination aus Aufstockung und Bestandssanierung ermöglichte es dem in Deggendorf als grünes Zentrum bezeichneten AELF zudem, seinem Namen nun auch baulich Rechnung zu tragen. "Insofern war es uns wichtig, die Bezeichnung über den Einsatz regionaler, nachhaltiger Materialien sichtbar zu machen", informiert Hammerl. Die gewählte Holzrahmenkonstruktion der Aufstockung und die das gesamte Gebäude einhüllende Holzfassade waren dafür prädestiniert. Im Fokus des Bauherrn stand zudem die Absicht, keinen Sondermüll von morgen auf die Fassade oder in die Aufstockung einzubringen", denkt der Architekt zurück. "Stattdessen sollten alle neuen Bauteile so gestaltet werden, dass sie am Ende ihrer Lebensdauer einzeln zurückgebaut und dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt werden können."
Im Fokus: Bauen nach dem Kreislaufprinzip
Im Fokus der Kernsanierung stand somit ein nachhaltiges Gebäude, das dem Kreislaufprinzip folgt. Der Rohbau blieb erhalten. Nahezu alle anderen Bauteile wurden nach einer gründlichen Bestandsaufnahme erneuert, von den abgehängten Decken bis zu den Bodenaufbauten. Im Zuge der angestrebten barrierefreien Nutzung beseitigten die Handwerker vorhandene Schwellen und Barrieren. Den Estrich und die Bodenbeläge tauschten sie aufgrund der gewünschten neuen Fußbodenheizung aus, die Decken ertüchtigten sie mit Brandschutzputz und ergänzten abgehängte Akustikdecken. Das AELF erhielt neue Innentüren, moderne Sanitärräume und frische Wandbeläge. Die Fenster wurden ausgetauscht, die ursprünglich installierte Gasheizung im Rahmen der energetischen Optimierung rückgebaut und das Bestandsdach abgetragen und von der Zimmerei Hirsch & Winnerl GmbH durch ein zusätzliches Geschoss in Holzrahmenbauweise ersetzt.
Optisch zweigeteilt
Die Bestandsfassade wurde mit einer hochgedämmten, hinterlüfteten Hülle versehen, die mit einer Holzverschalung aus heimischem Fichtenholz als neue Außenhaut gestaltet wurde. Die Aufstockung erhielt eine Fassade aus Lärchenholz. Damit die Holzverkleidung nahtlos altern kann, wurde sie mit einer Vorvergrauungslasur behandelt, die von Anfang an eine vergraute, patinierte Oberfläche simuliert, die durch mehrjährige Bewitterung auf Naturholz entsteht. Diese wurde zweifarbig ausgeführt. Im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss besteht die Fassade aus Fichtenholz, die Aufstockung basiert jedoch aus Lärchenholz. Da dieses im Vergleich mit Fichtenholz dunkler vergraut, erhielt das oberste Stockwerk eine dunklere Lasur, die beiden unteren wurden heller gestaltet. "Dank dieser Farbgestaltung hebt sich das Obergeschoss von den unteren Geschossen ab", sagt Hammerl. "Zusammen mit dem Versatz dieser Ebene hinter die darunter liegenden Fassaden nimmt das dem Bau etwas von seiner Massivität."
Barrierefrei und energetisch optimiert
Die Sanierung machte es auch möglich, das als Hochparterre gestaltete Bauwerk barrierefrei zu erschließen – und mit weniger Energieaufwand zu betreiben. Dazu wurde ein neuer außenliegender Aufzug eingebaut, der die Mitarbeiter und Besucher schwellenlos in das Gebäude bringt. Zwei neue Luft-Wärmepumpen liefern die Energie für die im Estrich verlegte Fußbodenheizung und für die Deckenkühlgeräte. Eine auf dem Dach installierte PV-Anlage produziert den dafür benötigten Strom.











