Baumaschinen

Max Kandler,

CPS-Hydraulikventil senkt Energieverbrauch deutlich

Mit dem CPS – Cybernetic Proportional System liegt eine hydraulische Neuentwicklung vor, die aufgrund ihres konstruktiven Ansatzes und ihrer Auswirkungen auf Energieverbrauch und Funktionsumfang in hydraulischen Antrieben für Aufmerksamkeit sorgen dürfte. Das CPS-Hydraulikventil ersetzt klassische Proportionalventile, reduziert die Zahl notwendiger Komponenten und Leitungen, ermöglicht präzisere Regelungsprozesse und führt zu einer deutlichen Senkung des Energieverbrauchs. Bei Anwendungen wie Baggern kann das CPS-Hydraulikventil die Last von Hubarm, Löffel, Löffelstiel und Ladung bei Abwärtsbewegungen nutzen und spart dadurch bis zu 30 Prozent Energie ein. Entwickelt wurde das System gemeinsam von zwei etablierten Technologieunternehmen: der RWT AG, einem Hersteller hochpräziser Komponenten für Fahrzeug- und Luftfahrtindustrie, sowie der Linz Center of Mechatronics GmbH (LCM), die seit Jahren umfangreiche Hydraulikexpertise vorweist.

Von links: Bernd Winkler (Business Area Manager Drives LCM) und RWT-Vorstand Reinhard Thor tauschen sich zur regeltechnischen Feinverstellung des CPS-Ventils aus. © Pecksteiner/LCM

„Das CPS-Ventil nutzt bei Baggern die Schwerkraft von Hubarm, Löffel, Löffelstil und Ladung, um bei bestimmten Arbeitszyklen die benötigte Leistung von der Hydraulikpumpe abzusenken oder diese komplett ausschalten zu können“, erläutern die RWT-Gründer und -Vorstände Georg Hornegger und Reinhard Thor das Grundprinzip der patentierten Lösung. Anstelle eines herkömmlichen Proportionalventils kommt ein CPS-Block mit vier unabhängig arbeitenden Schieber-Sitzventilen zum Einsatz. Dadurch lassen sich die Steuerkanten flexibel und prozessbezogen nutzen. „Das ist etwa der Fall, wenn Schotter gerade ausgehoben wurde und im nächsten Arbeitsgang auf eine LKW-Ladefläche herabgesenkt wird“, fügt Reinhard Thor hinzu. „Während Hydrauliksysteme mit Proportionalventilen weiterhin Druck zum Bremsen erzeugen müssen, damit sich die Ladung kontrolliert nach unten bewegt, funktioniert das mit CPS komplett ohne Öl von der Hydraulikpumpe – und damit ohne Energieverbrauch.“

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Regelungstechnische Denksportaufgabe

Weder beim „Bremsen mit drückender Last“ noch beim „Bremsen mit ziehender Last“ muss im CPS-Hydraulikventil Druck durch die Pumpe erzeugt werden. Auch beim sogenannten Eilgang, also beim schnellen Absenken von Lasten, lässt sich die ziehende Last nutzen, um den Energiebedarf weiter zu senken. Für die Marktentwicklung des CPS holte die RWT AG bereits 2019 die Linz Center of Mechatronics GmbH (LCM) ins Projekt. „Wir hatten zuvor schon einen Prototyp mit durchwachsenem Erfolg getestet. Dabei hat sich gezeigt, dass es Experten braucht, um höchste Prozessstabilität zu schaffen und alle Potenziale des CPS auszuschöpfen. Dafür gibt es keinen besseren Partner als LCM. Das sind Hydraulik-Koryphäen“, so Reinhard Thor. Auch LCM unterstreicht die Komplexität des Projekts. „Die vier Schieber-Sitzventile im CPS-Block und die Hydraulikpumpe so anzusteuern, dass alle Arbeitszyklen des Hydrauliksystems auf Höchstleistung getrimmt sind und gleichzeitig alle Energiesparpotenziale voll ausgeschöpft werden, ist eine spannende regelungstechnische Denksportaufgabe“, sagt Andreas Plöckinger, Leiter des Teams Hydraulic Drives bei LCM.

Hochkomplexe Software, hochpräzise Prototypen

Plöckingers Team entwickelte die erforderliche Software so, dass sie exakt erkennt, wann Phasen wie das „Bremsen mit drückender Last“ beginnen und enden. Die Software steuert die vier Ventile des CPS-Blocks entsprechend an, um maximale Energieeinsparung zu erzielen. „Die Regelungssoftware muss natürlich auch wissen, wann exakt das ‚Bremsen mit drückender Last‘ endet und dann den nächsten Prozess ebenso exakt erkennen und steuern“, beschreibt Plöckinger die Herausforderung. Eine wesentliche Rolle spielen integrierte Drucksensoren, die erkennen, ob auf das System eine drückende oder ziehende Last wirkt. „Alle restlichen Zustandsdaten basieren auf Berechnungen“, erläutert Plöckinger und verweist damit auf die hohe Komplexität der Software. Ergänzend dazu war die Fertigungskompetenz der RWT AG entscheidend, da dort hochpräzise Komponenten gefertigt werden.

Tests direkt am Bagger im LCM-Labor

Der von RWT und LCM entwickelte und von RWT gefertigte CPS-Block. © Pecksteiner/LCM

„Es ist ein seltener Glücksfall, dass man schon in der Prototypenentwicklung die Geometrien von Komponenten ändern und gleich hochpräzise fertigen lassen kann“, erklärt Paul Foschum, Senior Researcher bei LCM. Damit konnten Anpassungen am CPS-Hydraulikventil sowohl im Labor als auch unmittelbar am Bagger im Außentest überprüft werden. RWT produziert seit vielen Jahren hochpräzise Motorkomponenten für die Fahrzeug- und Luftfahrtindustrie. „Seit mehr als 10 Jahren stellen wir den Zylinderkopf für den Porsche 911 her. Auch für BMW, Bosch, BRP-Rotax oder eine bekannte Marke aus der MotoGP produzieren wir komplexe Dreh- und Frästeile“, so Reinhard Thor. Der CPS-Block, der bis auf die Elektronik vollständig in der 1.800 m² großen Produktionsstätte gefertigt werden kann, erweitert das Geschäftsmodell von RWT wesentlich.

Enormes Marktpotenzial

Bereits 2026 soll das CPS-Hydraulikventil auf den Markt kommen. RWT rechnet mit deutlicher Nachfrage über das klassische Bausegment hinaus. „Nicht nur in Baumaschinen, sondern auch in Land- und Spritzgussmaschinen, Forstgeräten oder sogar Windrädern arbeiten Hydrauliksysteme. Überall könnte man den Energiehunger massiv reduzieren“, so Hornegger und Thor. Die Produktionskapazitäten seien bereits für Großserien ausgelegt; bei entsprechender Nachfrage wären Erweiterungen der Fertigung möglich.

Flexibler Energiesparansatz

Im CPS-Hydraulikventil arbeiten nicht nur die vier Schieber-Sitzventile, sondern auch die Drucksensoren und die Elektronik, wodurch sich das Ventilverhalten individuell konfigurieren lässt. Dies ermöglicht eine breite Funktionspalette, etwa ein Abschütteln des Löffels oder einen Regenerationsgang zur weiteren Senkung des Energieverbrauchs. „Das CPS hat eine Grundprogrammierung, die sich nach Kundenwunsch an die Kundenanforderungen anpassen lässt. Das können etwa Vorlieben des Baggerführers beim Handling des Joysticks für die Steuerung oder länderspezifische Vorgaben sein“, erläutert Bernd Winkler, Area Manager bei LCM. Auch Online-Anpassungen der Maschinencharakteristik sowie Condition-Monitoring-Funktionen gehören dazu. Zusätzlich reduziert das System potenzielle Hydraulik-Leckagen und kommt mit nur zwei hydraulischen Leitungen am Ausleger aus. Entscheidend sind die Energieeinsparungen. „Schon bei mittelgroßen Kettenbaggern sinkt der Dieselverbrauch im Schnitt um rund 8.000 Euro im Jahr. Bei elektrischen Antrieben verlängert sich die Batterielaufzeit um etwa ein Viertel“, fassen Hornegger und Thor zusammen.

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