Baustelle

Groth Bau - Gelungene Verbindung aus alt und neu

Eine früher halb verfallene Wassermühle beherbergt jetzt 28 Senioren-Wohneinheiten. Die Innenhülle aus Porenbeton sorgt in der historische Gebäudesubstanz für moderne Wohnkomfort.

Historische Gebäude sind für Wohnzwecke gesucht wie nie. Der Ausbau einer Getreidemühle zu einer Senioren-Wohnanlage für betreutes Wohnen zeigt, dass sich alte Bausubstanz mühelos an die Bedürfnisse modernen Wohnens anpassen lässt. Das 1771 im niedersächsischen Uetze erbaute Fachwerkgebäude wurde zunächst vollständig entkernt und erhielt anschließend auf der Innenseite eine Vorsatzschale aus Porenbeton. 28 Wohneinheiten für Senioren, die hinsichtlich des Wärme- Schall- und Brandschutzes die gleichen Werte erreichen wie Neubauten sind hier entstanden. Kompromisse hinsichtlich des Wohnkomforts, die Bewohner von Altbauten früher fast selbstverständlich wegen der besonderen Atmosphäre auf sich nahmen, gehören damit, wie dieses Beispiel zeigt, endgültig zu den Akten.

19 Zweizimmer- und 9 Einzelzimmerappartements mit einem Platzangebot zwischen 38 und 80 m² sind inzwischen in dem dreistöckigen Objekt entstanden. Als Reminiszenz an die Moderne verfügen fast alle Wohneinheiten über Balkon, Loggia oder Terrasse. Die einzelnen Etagen sind über einen Aufzug erreichbar. Alle Wohnungen sind barrierefrei und haben rollstuhlgerechte Badezimmer. Ein ebenfalls in der Anlage geplantes Café sowie ein kleines Mühlenmuseum, beides wird auch den Bewohnern von Uetze zur Verfügung stehen, sollen als Schnittstelle zur Öffentlichkeit fungieren.

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Langer Leerstand verursachte Substanzverlust

Rund vier Jahre jedoch dauerte es, bis der neue Besitzer den Umbau der Mühle tatsächlich in Angriff nahm. Zuvor hatte er lediglich eine Teilsanierung durchführen lassen, die sich auf den oberen Bereich der Fassaden und auf das Dach beschränkte. Damit konnte zwar der endgültige Verfall der gesamten Anlage verhindert werden, große Teile der alten Bausubstanz aber waren, wie sich später herausstellte, nicht zu retten.

Das Gebäude hatte während des insgesamt 30jährigen Leerstands stark gelitten - durch das undichte Dach war Feuchtigkeit eingedrungen und hatte entsprechende Spuren hinterlassen. Die Anlage war partiell einsturzgefährdet. Eine Sanierung unter Erhalt der alten Holzbalkenkonstruktionen im Inneren, wie es der Eigentümer ursprünglich wünschte, wäre nur teilweise möglich gewesen und hätte den zur Verfügung stehenden finanziellen Rahmen gesprengt. Zahlreiche An- und Umbauten aus den vorangehenden Jahrhunderten, erschwerten den Umbau zusätzlich. Auf den ersten Blick konnten mindestens drei derartiger Bauabschnitte unterschieden werden. Die eingebundenen Außenwände dieser einzelnen Bauphasen durchschneiden das Gebäude auch nach der Sanierung und dokumentieren so auch heute noch die wechselvolle Baugeschichte. Spuren hinterließ auch ein Brand, der 1868 den Neubau großer Teile nötig machte, sowie ein Volltreffer im zweiten Weltkrieg.

Alte Hülle - Neue Innenschale

Um die alte Substanz so weit wie möglich zu retten, entwickelte schließlich Jan Groth, Geschäftsführer der Groth Bau GmbH aus Buchholz eine Lösung in Massivbauweise. Sein Konzept sah vor, die alte Substanz zu unterfangen bzw. von innen auszusteifen und das Gebäude anschließend vollständig zu entkernen. Erhalten blieb lediglich die alte Fachwerkfassade sowie das bereits früher vom Eigentümer sanierte Dach. Beides bildete gewissermaßen die Hülle, in die dann auf einer biegesteifen Betonplatte eine Innenschale aus Ytong-Porenbeton eingestellt wurde. Der dabei entstandene Luftspalt zur Bestandsbebauung variiert baulich bedingt sehr stark, beträgt aber mindestens 8 cm. Die Fußböden der neuen Konstruktion wurden mit Stahlbeton ausgeführt, die Wohnungstrennwände in Kalksandstein.

Ein entscheidender Aspekt bei der Auswahl des Baumaterials war der Wärmeschutz. Der ursprüngliche Plan, die gesamte Innenhülle aus Kalksandstein zu erstellen, verwarfen die Planer schließlich aus bauphysikalischen und wirtschaftlichen Gründen wieder. Zum einen hätte ein zusätzlicher Arbeitsgang eingeplant werden müssen, um ein Wärmedämmverbundsystem aus Mineralfasern auf der Vorsatzschale aufzubringen und zum andern wurde die saubere Entkoppelung der beiden Schalen, also der Innenhülle und der historischen Außenwand, als problematisch angesehen. Es bestand die Befürchtung, dass die Mineralfaserdämmung die gewünschte Belüftungsebene zwischen der alten und neuen Bausubstand zerstört oder zumindest teilweise unterbricht.

Die Wahl fiel schließlich auf Porenbeton. Der Baustoff bietet auf Grund seiner feinporigen Struktur mit einem Lambda-Wert von 0,08 w/mK einen sehr guten Dämmwert für Massivbaustoffe. Schon bei einer Wanddicke von 36,5 cm bestehen so optimale Voraussetzungen für eine energiesparende Gebäudehülle entsprechend den Vorschriften der Energie-Einsparverordnung (EnEV), ohne dass eine zusätzliche kostenaufwändige Wärmedämmung notwendig ist.

Geringes Gewicht erleichtert Sanierung

Hinzu kamen statische Gründe. Ursprünglich war geplant, die alte Bausubstanz der Mühle durch eine Pfahlgründung abzusichern. Mit dem vergleichsweise leichten Ytong-Mauerwerk jedoch erwies sich die biegesteife Gründungsplatte als statisch ausreichend, so dass auf die Pfahlgründung verzichtet werden konnte.

Gleichzeitig bietet die typische Porenstruktur des Baustoffs Ytong ein ausgewogenes Verhältnis von Wärmedämmung und Wärmespeicherung und gewährleistet so ein ständig gleichbleibendes ausgeglichenes Raumklima, dass den späteren Bewohnern das so wichtige Gefühl von Behaglichkeit vermittelt. Der Einsatz von Kalksandstein für die Wohnungstrennwände ergänzt und unterstützt die bauphysikalischen Eigenschaften von Porenbeton.

Der Einsatz von Porenbeton gewährleistet einen schneller Baufortschritt. Durch die Verwendung von Planblock-Mörtel, der lediglich in der Lagerfuge in einer 1-3 mm dicken Schicht aufgetragen wurde - auf eine Stoßfugenvermörtelung konnte durch das Doppel-Nut- und Federsystem verzichtet werden - wurde nur wenig Feuchtigkeit in den gesamten Bau eingebracht. Somit mussten lange Trocknungsphasen nicht in den Bauablauf mit einkalkuliert werden. Vielmehr konnten sofort nach Fertigstellung des Rohbaus die Installationen durchgeführt werden.

Fazit

Eine gute Idee und eine sorgfältige Baustoffwahl haben in Uetze die Sanierung einer halb verfallenen historischen Mühle und den Umbau in ein Seniorenwohnheim für betreutes Wohnen ermöglicht. Der Einsatz von Ytong-Porenbeton ermöglichte dabei eine hochwärmedämmende Gebäudehülle, die den Einsatz von Wärmedämmverbundsystemen unnötig machte. Der Baustoff bot zudem statische Vorteile.

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