Neubau
Moderne Interpretation der bayerischen Wirtshauskultur
Mitten in Niedertraubling, in unmittelbarer Nähe zur Kirche und zum früheren Schloss, steht seit Herbst 2022 wieder ein klassisches Wirtshaus. Unter dem Namen „Altes Schloss“ entstand ein Neubau, der die bayerische Wirtshauskultur zeitgemäß interpretiert. Ein weitläufiger Biergarten mit altem Baumbestand war ein wesentliches Element im Konzept und wurde während der Bauzeit sorgfältig geschützt. Im Inneren verbindet das Gebäude traditionelle Wirtshausatmosphäre mit moderner Gestaltung. Das Regensburger Kneitinger-Bier prägt das Angebot, gebaut wurde das Wirtshaus von der Hans und Sophie Kneitinger Stiftung. Damit setzt der Neubau ein Zeichen für die moderne Interpretation der bayerischen Wirtshauskultur.
Ende 2022 berichtete die Süddeutsche Zeitung ausführlich über das Niedertraublinger Wirtshaus, das möglicherweise zu den jüngsten Dorfwirtshäusern im Freistaat oder sogar bundesweit gehört. Zugleich gilt das Projekt als bewusster Gegenentwurf zu dem vielerorts zu beobachtenden Rückgang traditioneller Wirtshäuser.
Niedertraubling, ein Ort in der Oberpfalz mit etwa 700 Einwohnern, war einst Standort eines markanten Wasserschlosses. Das neue Wirtshaus, das historisch zum Schlossbezirk zählt, knüpft mit seinem Namen daran an.
Der Altbau war marode
Der Name der früheren Gaststätte blieb erhalten, der ursprüngliche Bau jedoch nicht. Der Altbau war stark sanierungsbedürftig, brandschutztechnisch nicht mehr zeitgemäß, und die vorherige Betreiberfamilie gab ihren Betrieb aufgrund von Personalengpässen auf. Das Gebäude wurde geschlossen.
Die Brauerei und ihre Stiftung verhinderten jedoch ein dauerhaftes Ende der Wirtshauskultur im Ort. Da der Altbau nicht unter Denkmalschutz stand, erfolgte der vollständige Rückbau. An seiner Stelle entstand ein Neubau mit Satteldach, der an den Vorgänger erinnert, jedoch moderner gestaltet und größer ist, gleichzeitig aber die Höhenvorgaben im Umfeld der Kirche respektiert. Bereits beim Baubeginn im Jahr 2020 kündigte Kneitinger das Projekt als „Wirtshaus 4.0“ an.
Licht, Luft und hohe Decken
Im fertigen Gebäude wird sichtbar, was mit dieser Bezeichnung gemeint war. Der großzügige Gastraum wirkt durch viel Tageslicht, hohe Decken und große Glasflächen zum Grün hin weitläufig und offen. Damit unterscheidet er sich deutlich vom früheren, eher dunklen und engen Bestand. Eine Treppe führt von diesem Saalbereich auf eine Galerie. Flexible Trennwände ermöglichen die Nutzung des Raumes für vielfältige Anlässe; die Bedürfnisse der örtlichen Vereine wurden bei der Planung berücksichtigt. Im Untergeschoss befindet sich ein neuer Schießstand, der den historischen Schießstand im Dachgeschoss des früheren Gebäudes ersetzt.
Die verwendeten Materialien prägen den Charakter des Neubaus. Böden und Vertäfelungen aus heller Eiche sorgen für ein zeitgemäßes Ambiente und setzen sich bewusst von traditionellen schweren Holzgestaltungen ab. Gleichzeitig spielte handwerkliche Qualität eine zentrale Rolle. Dies betrifft sowohl die Ausführung als auch die Auswahl der Naturmaterialien. Die massiven Außenwände wurden aus schallschutzstarken Schlagmann-Porotonziegeln des Typs S9 in einer Stärke von 42,5 Zentimetern errichtet. Gemeinsam mit dreifach verglasten Fenstern aus Eichenholz erreicht der Bau den energetischen Standard KfW 55. Die regionaltypische Ziegelproduktion ergänzt das nachhaltige Baukonzept und verbindet den Neubau thematisch mit dem Wirtshaus, der Region und dem Anspruch auf eine dauerhafte, solide Bauweise.
Dieser Materialansatz setzt sich im Innenraum fort. Die Tische und Stühle ließ man zusammen mit einem örtlichen Schreiner entwerfen und in massiver lokaler Eiche mit traditionellen Holzverbindungen fertigen. In den Waschräumen wurden individuell gefertigte Handwaschbecken aus einer Messinglegierung eingebaut, die ein regionaler Metallbauer herstellte. Neben Eiche und Messing kamen Jurakalk für Verkleidungen, handwerklich aufgebrachter Kalkputz, brünierter Stahl für Vordächer, Geländer und die Pergola sowie Kupfer zum Einsatz. Der Kalkstein stammt aus dem Altmühltal, ein Granittrog der Terrasse aus dem Bayerischen Wald. An der Pergola soll künftig Hopfen wachsen. Im Obergeschoss entstanden vier Wohnungen unterschiedlicher Größe mit insgesamt 225 Quadratmetern Fläche. Der Pächter wohnt dort, weitere Einheiten werden bevorzugt an Beschäftigte vermietet. Die technische Gebäudeausstattung umfasst eine bivalente Wärmeerzeugung aus Luft-Wasser-Wärmepumpen und einem Gas-Brennwertkessel sowie Fußbodenheizung.
Neuer Treffpunkt für den Ort
Nach mehr als drei Jahren ohne gastronomische Anlaufstelle besitzt Niedertraubling nun wieder einen sozialen Mittelpunkt. Das Wirtshaus dient als Treffpunkt für Stammtische, Familienfeiern, Vereine und Sitzungen sowie für Veranstaltungen wie das Bockbierfest oder die Aktivitäten der Schützen, die einen Mietvertrag für 25 Jahre abgeschlossen haben. In der Süddeutschen Zeitung wurde der Bürgermeister mit den Worten zitiert: „In einem Ort ohne Verein und Wirtshaus, da gehen die Lichter aus“ – entsprechend groß ist die Erleichterung, dass diese Phase überwunden ist.
Der Neubau verbindet Tradition und Gegenwart, stärkt die lokale Identität und setzt zugleich ein Beispiel für moderne, nachhaltige Bauweise mit Schlagmann-Porotonziegeln, wie es für die zeitgemäße Weiterentwicklung der bayerischen Wirtshauskultur erforderlich ist














