Anhänger

Max Kandler,

30 CEOs fordern Überprüfung der CO₂-Verordnung (EU) 2024/1610

Die Diskussion um die CO₂-Verordnung (EU) 2024/1610 erreicht eine neue Dimension. In Koningshooikt bei Lier haben sich die Geschäftsführer von 30 CEOs führender europäischer Anhängerhersteller auf eine gemeinsame Position verständigt. Mit einer Petition an die Europäische Kommission und das Europäische Parlament fordern sie eine zeitnahe Überprüfung der bestehenden Regelungen. Bemerkenswert ist dabei vor allem die Geschlossenheit der Branche: Unternehmen, die im europäischen Markt täglich im Wettbewerb stehen, treten mit einer gemeinsamen Forderung an die europäische Politik heran.

Gruppenfoto der Unterzeichner. © STEVEN HENDRIX

Im Mittelpunkt der Initiative steht nicht die Ablehnung der europäischen Klimaziele. Die Unterzeichner bekennen sich ausdrücklich zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors. Nach ihrer Einschätzung müssen jedoch die gesetzlichen Rahmenbedingungen stärker an den technischen und betrieblichen Realitäten des Straßengüterverkehrs ausgerichtet werden.

Warum die Branche die CO₂-Verordnung kritisch bewertet

Mit der CO₂-Verordnung (EU) 2024/1610 werden erstmals auch Anhänger in die europäische CO₂-Regulierung einbezogen. Obwohl Anhänger selbst keine eigenen CO₂-Emissionen verursachen, werden ihre Auswirkungen mithilfe des Simulationsprogramms VECTO bewertet. Dieses Verfahren arbeitet mit standardisierten Referenzlasten und definierten Fahrzyklen.

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Nach Auffassung der beteiligten Hersteller bildet diese Methodik jedoch die tatsächlichen Einsatzbedingungen vieler Fahrzeuge nur eingeschränkt ab. Unterschiedliche Transportaufgaben, wechselnde Nutzlasten sowie der zunehmende Einsatz emissionsfreier Zugmaschinen würden in den Berechnungen bislang nicht ausreichend berücksichtigt. Aus Sicht der Unternehmen besteht deshalb die Gefahr, dass regulatorische Vorgaben in der Praxis nicht den gewünschten Klimaeffekt erzielen.

Gerade für Unternehmen des Baugewerbes besitzt diese Entwicklung eine hohe Relevanz. Baustellenlogistik, Materialtransporte und Spezialtransporte unterscheiden sich häufig deutlich von standardisierten Transportprofilen. Anhänger werden dabei je nach Projekt sehr unterschiedlich ausgelastet und eingesetzt, sodass starre Berechnungsmodelle die tatsächlichen Betriebsbedingungen nur bedingt widerspiegeln.

Befürchtete Auswirkungen auf Wirtschaft und Transport

Nach Einschätzung der Unterzeichner könnte die derzeitige Ausgestaltung der Verordnung unbeabsichtigte Folgen nach sich ziehen. Sollten Hersteller ihre Fahrzeuge ausschließlich auf die Anforderungen der Simulation ausrichten, könnte dies zulasten der Nutzlast oder der praktischen Einsatzmöglichkeiten gehen.

Eine verringerte Transportkapazität hätte zur Folge, dass für dieselbe Gütermenge mehr Fahrten erforderlich werden. Damit würden zusätzliche Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein, was dem eigentlichen Ziel der Emissionsreduzierung entgegenstehen könnte.

Hinzu kommt die wirtschaftliche Dimension der Verordnung. Ab 2030 sieht der Rechtsrahmen Überschreitungsprämien vor, wenn festgelegte Zielwerte überschritten werden. Die Hersteller weisen darauf hin, dass dadurch erhebliche finanzielle Belastungen entstehen könnten, die Investitionen erschweren und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Anhängerindustrie beeinträchtigen würden. Nach Angaben der Initiatoren hängen europaweit rund 70.000 Arbeitsplätze unmittelbar von einer wirtschaftlich tragfähigen Anhängerproduktion ab.

Petition fordert frühere Überprüfung der CO₂-Verordnung

Kernstück der gemeinsamen Initiative ist eine Petition, mit der die 30 CEOs eine frühzeitige Überprüfung der CO₂-Verordnung (EU) 2024/1610 verlangen.

Die Unternehmen sprechen sich dafür aus, die im Rechtsrahmen vorgesehene Evaluierung nach Artikel 15 bereits im Jahr 2026 statt wie bislang vorgesehen 2027 durchzuführen. Darüber hinaus sollen Referenzwerte früher veröffentlicht und die Flottenziele schrittweise eingeführt werden. Ebenso regen die Unterzeichner an, das VECTO-Berechnungsverfahren grundlegend weiterzuentwickeln, damit unterschiedliche Einsatzprofile von Anhängern sowie der zunehmende Anteil emissionsfreier Zugmaschinen sachgerechter berücksichtigt werden können.

Ein weiterer Schwerpunkt der Petition betrifft die vorgesehenen Strafzahlungen. Nach Ansicht der Hersteller sollten deren Ausgestaltung und Höhe überprüft werden, um unverhältnismäßige wirtschaftliche Auswirkungen auf die Branche zu vermeiden. Zudem wird darauf hingewiesen, dass das geplante Gutschrift-und-Lastschrift-System unter den derzeitigen Marktbedingungen nur eingeschränkt wirksam sein dürfte.

Bedeutung für das Baugewerbe

Für Unternehmen der Bauwirtschaft ist die Entwicklung von besonderem Interesse. Baustoffe, Maschinen und Bauelemente werden täglich mit unterschiedlichsten Anhängerkonzepten transportiert. Änderungen der regulatorischen Anforderungen wirken sich deshalb nicht nur auf Hersteller, sondern mittelbar auch auf Transportunternehmen, Bauunternehmen und deren Investitionsentscheidungen aus.

Die aktuelle Initiative der 30 CEOs verdeutlicht, dass die Branche weniger die Klimaziele selbst als vielmehr deren praktische Umsetzung diskutiert. Die geforderte Überprüfung der CO₂-Verordnung (EU) 2024/1610 soll sicherstellen, dass künftige Vorgaben sowohl ökologische Zielsetzungen als auch technische Machbarkeit und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit gleichermaßen berücksichtigen.

Damit entwickelt sich die Petition zu einem wichtigen Signal aus der europäischen Nutzfahrzeugindustrie. Ob die Europäische Kommission die Forderung nach einer vorgezogenen Überprüfung aufgreift, dürfte in den kommenden Monaten nicht nur für Hersteller, sondern auch für die Bauwirtschaft und den gesamten Logistiksektor von erheblicher Bedeutung sein.

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