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Artikel und Hintergründe zum Thema

Büro der Moderne

Dr. Martina Schneller,

Kai in der Bestandserfassung und Schadensaufnahme

Wer im Handwerk Schäden dokumentiert, kennt die Realität: Fotos mit dem Smartphone, handschriftliche Notizen, Maßband oder Laser - die Übertragung später ins System ist oft zeitaufwendig und fehleranfällig. Zusammen mit der Autorin Dr. Martina Schneller vom Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk schauen wir uns an, wie Kai bei diesen Problemen für Abhilfe sorgen kann.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Erfassung vorzunehmen. © Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk

Die detaillierte Erfassung des aktuellen Zustands eines Gebäudes oder Raums, um eine genaue Datengrundlage für die Planung von Projekten wie Renovierungen, Sanierungen oder Umbauten zu haben, ist einer der größten Zeitfresser. Ob Dach, Heizung, Fassade oder Innenräume: Jeder Auftrag beginnt mit einer sorgfältigen Aufnahme des Ist-Zustands, der von einer Fachkraft durchgeführt werden muss. Je nach Auftrag bedeutete dies mehrere Stunden Arbeit vor Ort und weitere im Büro. Kai kann den Aufwand deutlich verkürzen, sorgt für eine bessere Qualität – auch wenn ein Azubi mit Kai die Aufnahme gemacht hat – und das Beste: Ein virtueller Blick auf das Objekt ist jederzeit möglich.

Bestandserfassung neu gedacht

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Erfassung vorzunehmen. Hierbei geht es um den Einsatz unterschiedlicher Hardwareoptionen. So kann es sich um ein Smartphone mit der passenden Applikation (App) handeln oder eine 360-Grad-Kamera oder ein 3D-Laserscanner.

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Bei einer Aufnahme mit einem 3D-Laserscanner werden alle Oberflächen zeilen- oder rasterartig mit einem Laserstrahl erfasst. Dadurch entstehen Millionen von Messpunkten, und eine sogenannte Punktwolke wird erzeugt. Auf dieser kann das menschliche Auge schon etwas erkennen, aber für die digitale Nutzung müssen diese Daten erst ausgewertet und aufbereitet werden, so dass sie für die Planung in CAD-Systemen geeignet sind. Kai strukturiert diese Daten, fügt gegebenenfalls zusätzliche Informationen hinzu und erstellt ein 3D-Modell.

LiDAR-Scanning

Einfache Gebäudestrukturen können mit dem Smartphone und dem darin verbautem LiDAR-Sensor erfasst werden (LiDAR ist eine Abkürzung für "Light detection and ranging" und beschreibt eine Form des 3D-Scanning). LiDAR-Scanning ist eine Weiterentwicklung des Laserscannings, dabei werden unsichtbare Laserstrahlen zur Abstandsmessung eingesetzt.

Bei einer 360-Grad-Kamera wird mithilfe von integrierten Infrarot-Entfernungsmessern aus vielen Bildern ein Kugelpanorama erstellt. So lassen sich Abstände und Größenverhältnisse in einem Raum erfassen und exakt vermessen. Die Unterschiede der verschiedenen Lösungen liegen in der Art der Technik und der Messgenauigkeit. Kai arbeitet im Hintergrund und erledigt je nach Anwendung ganz unterschiedliche Aufgaben:

• Aufbereitung der Daten

• Erkennung von Flächen, Neigungen, Hindernissen, Firsten, Dachfenstern etc. ganz ohne manuelle Nacharbeit

• Erkennung von Bauteilen wie Wände, Türen, Rohre, Leitungen und Umwandlung dieser in Elemente

• Optimierung der 3D-Modelle

Bei einer 360-Grad-Kamera wird mithilfe von integrierten Infrarot-Entfernungsmessern aus vielen Bildern ein Kugelpanorama erstellt. © Mittelstand-Zentrum Digital Handwerk

• Erstellung eines digitalen Zwillings

• Verortung der Bilder auf dem entsprechenden 2D-Plan

• Erfassungen einfach auswerten

Digitaler Zwilling als Grundlage

Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker profitieren: Ventile, Leitungsführungen oder Heizkörper werden durch Kai erkannt und im Plan verortet. Damit entsteht ein sogenannter digitaler Zwilling, der nicht nur eine perfekte Grundlage für Sanierungsangebote ist.

Ein weiteres Feld ist die Materialerkennung. Kai kann Oberflächen anhand von Farbtönen, Texturen und Mustern unterscheiden – beispielsweise Holzarten, Metall, Beton oder Putz. Auch Zustände lassen sich bewerten, ob eine Fläche frisch gestrichen, verschmutzt, beschädigt ist. Kai kann auch Korrosionsspuren an Leitungen oder Armaturen erkennen und deren Schweregrad einschätzen. Neben der Bestandsaufnahme bietet also die Schadensdokumentation ein perfektes Einsatzfeld.

Vom digitalen Bild zur Diagnose mit Kai

Ob Wasserschaden, Rissbildung, Schimmel oder Korrosion – die visuelle Beurteilung erfordert Fachwissen und Erfahrung. Nicht nur in der Medizin kann Kai zum Einsatz kommen, sondern auch im Handwerk. Auch hier wurde Kai, ausgestattet mit Bildanalysemodellen, mit Vergleichsbildern trainiert und hat gelernt, Schadensarten zuverlässig zu erkennen. Ob Risse in Putz- oder Mauerwerksflächen, Feuchteschäden, Schimmelbildung, Korro- sion, Verfärbungen oder defekte beziehungsweise fehlende Dachziegel.

Kai kann:

• Art, Ort und Ausmaß des Schadens erkennen

• eine Schadensbeschreibung erstellen

• Vorschläge für mögliche Maßnahmen geben

Die detaillierte Erfassung des aktuellen Zustands eines Gebäudes oder Raums, um eine genaue Datengrundlage für die Planung von Projekten wie Renovierungen, Sanierungen oder Umbauten zu haben, ist einer der größten Zeitfresser. © Mittelstand-Zentrum Digital Handwerk

• die Kosten schätzen, basierend auf Vergleichswerten und hinterlegten Preislisten

• die Schäden nach Dringlichkeit klassifizieren und eine Prioritätenliste für die Instandsetzung erstellen

Die Datenqualität entschiedet

Der Erfolg von Kai steht und fällt mit der Datenqualität. Je mehr ein Betrieb Objekte digitalisiert und bewertet, desto präziser wird Kai, denn Kai lernt mit jeder Aufnahme dazu. Und nur wenn Sie sicherstellen, dass Kai in einer sicheren Umgebung lernt, dann bleibt das Wissen auch bei Ihnen. Denken Sie immer daran, Ihre Daten zu schützen. In der nächsten Ausgabe machen wir weiter mit einigen Inspirationen.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Dezember-Ausgabe des Baugewerbe Magazins.

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