Schwammstadt
Mall - wenn Regen zur Ressource wird
Hitze, Trockenheit, Starkregen – was nach einem Wetterbericht der Extreme klingt, ist längst Realität in deutschen Städten.
Klimaveränderungen sind spürbar, und sie treffen besonders urbane Räume mit voller Wucht. Wo einst Regenwasser zügig in die Kanalisation abgeleitet wurde, denkt man heute um: Wasser soll nicht verschwinden, sondern bleiben. Es soll speichern, versickern, verdunsten – und so Teil eines neuen urbanen Wasserkreislaufs werden. Dieses Denken steht im Zentrum einer Bewegung, die in Fachkreisen längst unter einem Begriff firmiert: Schwammstadt.
Die Dringlichkeit dieses Wandels zeigte sich jüngst bei einer Presseveranstaltung der Mall GmbH in Berlin. Rund 40 Fachjournalistinnen und -journalisten aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz waren gekommen, um mehr über neue Wege im Umgang mit Regenwasser zu erfahren – ein Thema, das den Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau), Architekten, Behörden und Stadtentwickler gleichermaßen beschäftigt.
Was die Branche denkt – und erwartet
Mit Spannung erwartet wurde die Vorstellung der aktuellen Marktbefragung von Mall zum Thema Regenwasserbewirtschaftung. Über 4.400 Fachleute aus Architektur, Ingenieurwesen, Handwerk, Behörden, Hochschulen und dem Baustoffhandel haben daran teilgenommen.
Die Zahlen sind deutlich: 77 Prozent der Befragten stehen der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung positiv gegenüber. Und ganze 98 Prozent rechnen mit einer steigenden oder zumindest stabilen Nachfrage. Die größten Herausforderungen sehen sie in der ungleichen Verteilung von Wasser – zwischen Starkregen und langanhaltender Trockenheit.
Die Studie macht deutlich, dass eine Vielzahl von Maßnahmen notwendig ist, um den Auswirkungen des Klimawandels entgegenzuwirken. Rückhaltung, Speicherung und Nutzung, Versickerung, Behandlung und Verdunstung müssen zusammengedacht werden.
„Der natürliche Wasserhaushalt kann nur so gut wie möglich erhalten werden, wenn wir Regenwasser als Ressource verstehen und nicht als Störfaktor“, sagte Christoph Schulze Wischeler, Geschäftsführer der Mall GmbH. Die Schwammstadt sei längst kein Pilotprojekt mehr, sondern mit den unterirdischen und dezentralen Lösungen von Mall bereits heute umsetzbar.
Gefahren erkennen, Risiken absichern
Wie groß die Risiken durch Starkregenereignisse tatsächlich sind, verdeutlichte Dr. Tim Peters von der Provinzial Holding. In seinem Vortrag kombinierte er meteorologische Daten mit realen Schadensfällen und Klimaszenarien – eine Kombination, die eindrücklich zeigte, wie sehr extreme Wetterereignisse noch immer unterschätzt werden. „Die Absicherung gegenüber Naturgefahren braucht eine neue Qualität – sowohl technisch als auch im Risikobewusstsein der Bevölkerung und in der Planungspraxis“, forderte Peters.
Auch Prof. Dr. Heiko Sieker vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Berlin bestätigte: Der Handlungsdruck wächst, doch Lösungen seien bereits vorhanden. Anhand realisierter Projekte in Berlin – wie den Buckower Feldern – erläuterte er, wie multifunktionale Flächen, dezentrale Speicherlösungen und Baumrigolen in das städtische Gefüge integriert werden können. „Wir brauchen neue Planungsansätze, angepasste Regelwerke und ein Umdenken in der kommunalen Infrastrukturentwicklung“, so Sieker.
Begrünung als Baustein der Stadtentwicklung
Dass Begrünung weit mehr ist als ein gestalterisches Mittel, zeigte Dr. Gunter Mann, Präsident des Bundesverbandes GebäudeGrün e.V. Er präsentierte aktuelle Zahlen: Über zehn Millionen Quadratmeter Dachfläche wurden allein 2023 neu begrünt – ein Rekordwert. Auch die Fassadenbegrünung nimmt deutlich zu. Mehr als die Hälfte aller Städte mit über 50.000 Einwohnern fördern solche Maßnahmen finanziell.
Gründächer und begrünte Fassaden helfen nicht nur beim Klimaschutz, sie erhöhen auch die Lebensqualität in der Stadt und dienen als Regenwasserspeicher, Biodiversitätsflächen oder sogar als Träger von Solaranlagen. „Die Integration dieser Lösungen in die Stadtentwicklung ist ein Muss, nicht länger eine Option“, sagte Mann.
Von der Theorie zur Praxis
Technische Lösungen für die Umsetzung liefert Mall in Form modularer Systeme. Martin Lienhard, Leiter der technischen Abteilung, stellte unter anderem die Baumrigole ViaTree vor – ein System zur Rückhaltung und Verdunstung von Regenwasser direkt am Ort des Geschehens. Ergänzt wurde sein Vortrag durch Beispiele zur Schadstoffbehandlung, etwa bei belastetem Niederschlagswasser von Verkehrs- oder Dachflächen. Die Technik ist vorhanden – sie muss nur gezielt eingesetzt werden.
Klimaanpassung, die sichtbar wird
Wie das Schwammstadtprinzip konkret aussehen kann, zeigen auch die besichtigten Bauprojekte der Veranstaltung. Das Bürogebäude AERA in Berlin-Charlottenburg nutzt ein Retentionsdach mit über 25 Pflanzenarten. Das gespeicherte Wasser wird in Trockenzeiten gezielt zur Bewässerung genutzt und hilft gleichzeitig, die Kanalisation bei Starkregen zu entlasten.
Noch eindrucksvoller ist der Gendarmenmarkt, der nach seiner Sanierung vollständig von der Kanalisation entkoppelt wurde. Hier wird Regenwasser über Substratfilter gereinigt und anschließend über Rigolen versickert – ein Modellprojekt für klimaangepasste Innenstadtentwicklung.
Zukunftsbild: Stadt als Schwamm
Die Erkenntnisse der Veranstaltung lassen sich auf einen einfachen Nenner bringen: Der Umgang mit Regenwasser entscheidet mit über die Zukunft unserer Städte. Die Mall GmbH zeigt mit der Schwammstadt-Strategie, wie sich technologische Innovation, ökologische Verantwortung und stadtplanerisches Denken verbinden lassen.
Es ist ein Bauprinzip, das mitdenkt – und mitwächst. In einer Zeit, in der sich das Klima schneller ändert als viele Infrastrukturen, braucht es solche Lösungen wie die von Mall. Regenwasser ist keine Last – es ist ein Schlüssel zur klimaresilienten Stadt.














