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Artikel und Hintergründe zum Thema

mikado-Interview

Christine Ryll,

„Das Bauvorhaben verlief reibungslos“

Die Fassade des sanierten Telekom-Gebäudes in Deggendorf musste sich an der Muster-Holzbaurichtlinie orientieren und genaue Brandschutz-vorgaben beachten. Stefan Hammerl, Architekt und Büroinhaber der Hammerl Architekten GmbH, fand zusammen mit Fachplanern und Handwerkern individuelle Lösungen.

mikado: Welche Herausforderung war mit der Sanierung verbunden?

Stefan Hammerl, Geschäftsführer Hammerl Architekten GmbH in Deggendorf © Hammerl Architekten

Stefan Hammerl: Das Bauwerk fällt mit einer Höhe von über 13 m in die GK 5. Laut der Muster-Holzbaurichtlinie ist für diese Gebäudeklasse zwar eine brennbare, offene Fassade zulässig, jedoch ist diese für ein gedämmtes Bestandsgebäude, nur mit sehr hohem Aufwand umsetzbar. Unser Ziel war es jedoch, eine einfache Holzschalung aus direkt vom Sägewerk gelieferten sägerauen Brettern zu verwenden, die mit offenen Fugen verlegt werden sollten. Um diese Fassadengestaltung umsetzen zu können, waren im Vorfeld intensive Abstimmungen mit den beteiligten Brandschutzplanern erforderlich, um sicherzustellen, dass das Ergebnis den Anforderungen der Musterholzbaurichtlinie entspricht.

Wie sah das Ergebnis im Detail aus?

Für die Außendämmung des Bestands haben wir 220 mm Steinwolle gewählt, ein nichtbrennbares Material. Die Halterung der Vertikallattung besteht aus Metall und wurde mit 5 mm Thermostop jeweils an der Bestandswand befestigt. Sowohl die 40 x 60 mm
Vertikallattung als auch die Horizontallattung sind in Holz ausgeführt, gefolgt von einer 24 mm starken, senkrecht verlegten Holzverschalung. Dahinter sorgt eine Fassadenbahn für Winddichtheit und bildet den optischen Hintergrund. Durch zusätzliche Brandriegel konnten wir zudem die Hinterlüftungsquerschnitte der Fassade im Bereich der Geschossdecken minimieren, um im Brandfall einen Kamineffekt zu verhindern.

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Wie verhindern Sie Brandüberschlag?

Zur Reduzierung der Lüftungsquerschnitte haben wir die Brandriegel eingesetzt. Zusätzlich haben wir horizontale und vertikale Bleche eingebaut, die an der Unterkonstruktion befestigt sind und über die Fassade hinausragen. Die Musterbaurichtlinie schreibt im Regelfall vor, dass Brandriegel an der Tragkonstruktion befestigt werden. Dies war jedoch bei einem Bestandsgebäude mit 22 cm Außendämmung kaum umsetzbar. Um die Brandriegel direkt an der Tragkonstruktion zu befestigen, hätten die Bleche die Dämmstoffdicke von 220 mm durchdringen müssen, dazu noch 200 bis 250 mm Überstand, was eine Breite von 400 bis 500 mm erfordert hätte. Durch die nötige Dicke der Bleche wäre eine Befestigung direkt an der Tragkonstruktion mit viel Mehraufwand verbunden gewesen. Durch die Kombination von Brandriegeln und Blechen, die an der Fassadenunterkonstruktion befestigt wurden, konnten wir eine Lösung aus leichteren Blechen durchsetzen, die zwar überstehen, aber nicht komplett im Bestand rückverankert werden musste.

Was waren die Besonderheiten?

Nun, zum einen das herausragende Ergebnis der energetischen Sanierung. Die Entscheidung, statt 140 mm eine 220 mm dicke Dämmung einzusetzenen, macht das Gebäude zum Energieeffizienzhaus. Rechnerisch ist der Energiebedarf im Vergleich zum vorherigen Zustand um 80 Prozent gesunken. Der Fokus liegt nun fast ausschließlich auf dem Thema Kühlung. Bei einem Bürogebäude, das so saniert wurde, wie wir es umgesetzt haben, ist der Heizbedarf nahezu vernachlässigbar. Oft reicht bereits die Abwärme der Computer aus, um die Räume angenehm zu temperieren. Neben der Dämmung und dem Austausch der Fenster wurden für dieses Ziel auch weitere Energiesparmaßnahmen wie Durchlauferhitzer für die Warmwasserversorgung der Sanitärräume ergriffen. Dadurch sinkt der Stromverbrauch für die Wärmepumpen so, dass der Stromversorger sich bereits nach dem Grund dafür erkundigt hat.

Und die zweite Besonderheit?

Nun das Bauvorhaben verlief so reibungslos, dass wir selbst überrascht waren. Vom Abbruch bis zur Sanierung war jede Firma war mit ausreichend Engagement und Manpower vor Ort, so dass wir das Projekt ohne jegliche Probleme und Verzögerungen erfolgreich abschließen konnten. Und das, obwohl die Fassade sowohl für uns Planer als auch für die ausführenden Firmen Neuland war. Darüber hinaus haben uns die beteiligten Fachplaner tatkräftig unterstützt und es ermöglicht, das wir die Vorgaben der Musterholzbaurichtlinie auf alternative Weise umsetzen.

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