Interview des Monats

Jessica Stütz,

Bildungsbau: Holzschule mit Vorbildcharakter

Im Rahmen eines Forschungsvorhabens der Deutschen Bundesstiftung Umwelt entstand vor zehn Jahren der deutschlandweit erste Plusenergie-Holz-Schulbau in Diedorf (Landkreis Augsburg). Günter Manhardt, Schulleiter des Schmuttertal-Bildungsbau: Gymnasiums, blickt positiv auf „eine Dekade in Holz“ zurück.

Günter Manhardt ist Schulleiter am Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf

© Privat/Keimfarben

mikado: Herr Manhardt: Vor zehn Jahren wurde das Schmuttertal-Gymnasium erbaut. Was macht die Schule Ihrer Meinung nach zu etwas Besonderem?

Günter Manhardt: Die Bundesstiftung Umwelt hat uns damals vier Zielsetzungen für das Forschungsvorhaben gestellt: Zum einen den Bau einer Schule für ca. 850 Schüler aus Holz, zum anderen sollte das Gebäude ein Plus-Energiehaus sein. Das heißt, wir erzeugen über die Photovoltaikanlage auf unseren Pultdächern mehr Energie, als beim Betrieb, beim Bau und beim Rückbau des Hauses verbraucht werden. Die Schadstofffreiheit bei allen verwendeten Baumaterialien war ebenso eine Voraussetzung wie die architektonische Unterstützung des pädagogischen Konzepts der „Offenen Lernlandschaften“. Demnach besteht die Schule nicht nur aus Klassenzimmern und Fluren. Vielmehr sind je drei oder vier Klassenzimmern offene Lernbereiche zugeordnet, die die Schüler zum selbstständigen Lernen in kleinen Teams nutzen können.

Wie ist der Eindruck – fühlen sich die Schüler in dem Gebäude-Ensemble aus Holz rundum wohl?

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Ja, auch Besucher bestätigen uns immer wieder, welch angenehmes Raumklima herrscht. Das geht vor allem von dem Baustoff Holz aus, ist aber auch dadurch bedingt, dass in allen Räumen durch viele Holzfaserplatten an den Wänden und Decken für einen sehr niedrigen Lärmpegel gesorgt wurde. Im Gebäude wurde bezüglich der Be- und Entlüftung ein sehr hoher technischer Standard verwirklicht. Der wirkt an vielen Tagen des Jahres sehr positiv, auch wenn man einschränkend sagen muss, dass die Technik an einigen Tagen des Jahres nicht funktioniert. Unsere Schule wurde im vergangenen Jahr vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus für den neuen Image-Film zum bayerischen Gymnasium als Drehort ausgewählt. Offensichtlich gelten wir auch nach zehn Jahren Betrieb noch als vorzeigbar.

Das Gymnasium produziert über den eigenen Bedarf hinaus Energie. Wie wurde dies erreicht?

Unsere Schule besteht aus vier Gebäuden rund um einen Innenhof. Alle vier Gebäude haben flache Pultdächer, auf denen großflächig Photovoltaik-Module angebracht sind, mit denen weit mehr Energie erzeugt wird, als die Schule im Betrieb verbraucht, sodass viel Energie in das öffentliche Netz eingespeist werden kann. Außerdem sind alle Gebäude sehr gut gedämmt, sodass wir nur wenig heizen müssen. Als Brennstoff verwenden wir Holzpellets.

Holz ist auch ein wichtiger Faktor bei der gedämmten Gebäudehülle mit hinterlüfteter Fassadenverkleidung. Welche positiven Effekte werden hier erreicht?

Die Schalldämmung nach außen ist hervorragend. Obwohl die Schule direkt am Bahnhof in Diedorf und an einer der meistbefahrenen Zugstrecken, München–Ulm, steht, gibt es praktisch keinen Schalleintrag von außen. Auch die Akustik im Inneren wurde so geplant, dass die Nachhallzeit des gesprochenen Wortes unter 0,4 Sekunden liegt, sodass der Lärmpegel in den Klassenzimmern angenehm niedrig ist – das wurde durch die Holzfaserplatten erreicht.

Wie wird die Holzfassade vor Witterung, UV-Strahlen und Mikroorganismen geschützt?

Außen wurde durch eine mineralische Lasur von Keimfarben die natürliche Vergrauung des Holzes vorweggenommen. Auch nach zehn Jahren lässt sich sagen: Die Fassade sieht aus wie am ersten Tag.

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