Interview des Monats - Fachkräfte: Dachdeckerbetrieb sorgt für Nachwuchs

Jessica Stütz,

"Wir wollen Handwerks-Champions ausbilden"

Angesichts des akuten Fachkräftemangels im Handwerk hat die Hanebutt-Gruppe als einer der führenden Betriebe in Deutschland die Initiative ergriffen. Seit dem 1. März 2024 bildet das Unternehmen mit einem eigenen Bildungsinstitut zunächst Dachdeckermeister zu Unternehmern aus. Da in den nächsten fünf Jahren 125 000 Betriebe zur Übernahme anstehen, ist das ein sehr begrüßenswerter Schritt.

Karriere mit Aufstiegschancen: Junge Dachdecker haben bei Hanebutt künftig noch mehr Möglichkeiten für ihren beruflichen Lebensweg

© Hanebutt

dachbaumagazin: Herr Hanebutt, was ist das Ziel Ihres neu gegründeten Bildungsinstituts?

Henning Hanebutt: Die Weiterentwicklung von Menschen. Aufs Handwerk bezogen, wollen wir klare Antworten geben auf eine große Frage, die auch ich mir vor langer Zeit einmal gestellt habe: Meisterbrief, und was nun? Wir wollen Dachdeckermeistern das unternehmerische Denken nahebringen und sie dazu befähigen, zum Beispiel in unserem Betrieb mit seinen zehn Standorten perspektivisch die Leitung einer Niederlassung zu übernehmen oder aber auch einen eigenen Dachdeckerbetrieb zu gründen. Oder lassen Sie es mich so sagen: In der Meisterschule lernen die Handwerker das Laufen, wir wollen sie dann auf den täglichen Unternehmermarathon vorbereiten.

Henning Hanebutt ist seit 29 Jahren Dachdeckermeister und leitet zusammen mit seinem Sohn Heiner die Hanebutt-Gruppe mit fast 600 Mitarbeitern

© Hanebutt

Was hat sie dazu bewogen, ein betriebseigenes Bildungszentrum zu gründen?

Meisterschule, und was nun? – diese Situation habe ich am eigenen Leib erfahren. Ich wusste zwar schon mit 14 Jahren, dass ich den Meister machen werde, stand dann aber ein paar Jahre später in Mayen mit meinem Meisterbrief und wusste schlicht und einfach nicht, wie es denn nun weitergehen soll. Deswegen wollen wir die unternehmerische Sicht des Nachwuchses stärken und gemeinsam einen beruflichen Fahrplan entwickeln. Ich möchte, dass meine Führungskräfte und ich die Lehren, die wir im Berufsleben gezogen haben, weitergeben.

Welche Zielgruppe nehmen Sie mit dem neuen Bildungsinstitut ins Visier?

Zunächst einmal Handwerksmeister mit Bock auf mehr. Im zweiten Schritt möchten wir auch Gesellen und Schüler, aber auch gestandene Unternehmer ansprechen. Ziel ist stets ein individueller Lebensfahrplan im Handwerk, denn die Leute haben hier viel mehr berufliche Möglichkeiten, als allgemein bekannt ist. Wir wollen das Handwerk attraktiver machen und Karrieremöglichkeiten aufzeigen.

Welche Inhalte bilden den Schwerpunkt in ihrem Lehrplan?

Wir haben für unser Institut fünf zentrale Säulen herausgearbeitet: 1. die Führung von Menschen im Betrieb, 2. Marketing, 3. Kalkulation, 4. Finanzen und 5. die persönliche Weiterentwicklung als Unternehmer.

In welchem Rahmen werden die Fortbildungen ablaufen?

Geplant ist eine Dauer von sechs Monaten neben dem Beruf. Dabei wird der größte Teil online vermittelt, das werden circa vier bis acht Stunden pro Woche sein. Dazu sind zwei Präsenzblöcke geplant, die zwei bis drei Tage dauern werden. Die Themenblöcke Kalkulation und Marketing werden wir mit internen Lehrkräften stemmen, für die anderen drei Säulen haben wir jeweils einen Experten als freien Mitarbeiter verpflichtet.

Ist die erste Fortbildungsreihe bereits terminiert?

Ja, der erste Workshop soll im Oktober oder November 2024 beginnen. Wir planen mit einer Teilnehmerzahl von 15 bis maximal 20 Handwerksmeistern.

Eine etwas provokante Frage zum Schluss: Machen Sie sich mit diesem Fortbildungsangebot nicht selbst Konkurrenz?

Ich bin der Meinung, dass jeder neue Betrieb unserem Handwerk weiterhilft. Und wenn ich dann einen guten Mitarbeiter verliere, weil er sich seinen Traum vom eigenen Betrieb erfüllt, dann werde ich mich natürlich bemühen, in Verbindung zu bleiben. Im Sinne eines Dachdecker-Netzwerks kommt dann vielleicht mal ein Großauftrag, der den ehemaligen Kollegen in Sachen Kapazität überfordert, wieder zu uns. Das sind für mich Synergien, die wir künftig mit der Ausbildung von Handwerks-Champions aktiv fördern wollen.

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