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Artikel und Hintergründe zum Thema

Transportbühnen

Max Kandler,

Maßgeschneiderte Innovation für Stuttgart 21

Stuttgart 21 zählt zu den technisch und organisatorisch anspruchsvollsten Infrastrukturvorhaben im deutschen Bauwesen. Im Zentrum steht der neue unterirdische Durchgangsbahnhof, der als Herzstück die Neuordnung des gesamten Bahnknotens Stuttgart ermöglicht. Neben dem Bau von vier neuen Bahnhöfen entstehen 56 Kilometer Tunnelröhren, 11 Tunnel, 42 Brücken sowie rund 100 Kilometer neue Gleise für Geschwindigkeiten bis 250 km/h.

Die Super-Lift Transportbühnen bringen Personen und Material zu den Bauarbeiten an den Bahngleisen. © Böcker Maschinenwerke GmbH

Für Bauunternehmer, Projektleiter und Entscheider wird an diesem Projekt deutlich, dass nicht allein Planung und Rohbau über den Projekterfolg entscheiden, sondern insbesondere die Baustellenlogistik in der Ausbauphase. Genau hier übernehmen Böcker Transportbühnen eine zentrale Funktion.

Sonderlösung für runde Aufzugsschächte

Im künftigen Durchgangsbahnhof kommen zwei speziell angepasste Böcker Super-Lift Transportbühnen zum Einsatz. Die Anlagen basieren auf dem bewährten Super-Lift LX 4024, wurden jedoch als Sonderanfertigung für die spezifischen Rahmenbedingungen von Stuttgart 21 konzipiert. Auftraggeberin ist die Ed. Züblin AG im Auftrag der Deutschen Bahn.

Die Herausforderung bestand darin, die Transportbühnen in bereits vorhandene, runde Aufzugsschächte zu integrieren. Diese Schächte sind später für die endgültigen Personenaufzüge vorgesehen, die Reisende vom Verteilersteg zu den Bahnsteigen befördern. Die geometrischen Vorgaben sowie die statischen und baulichen Restriktionen schlossen den Einsatz einer Standardlösung aus.

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Im Rahmen einer detaillierten Machbarkeitsanalyse entwickelte Böcker daher eine angepasste Kabinengeometrie. Die übliche Kabinenbreite von 2,90 Metern wurde auf 1,40 Meter reduziert, bei einer Tiefe von 2,90 Metern. Dadurch konnte die Bühne in den runden Schacht integriert werden, ohne Abstriche bei Funktionalität oder Tragfähigkeit hinnehmen zu müssen. Der Grundrahmen einschließlich Steuerung wurde in der Unterfahrt untergebracht, während der Ausstieg bündig mit dem Bahnsteigniveau abschließt.

Für die Praxis bedeutet dies: maximale Flächeneffizienz bei gleichzeitiger Einhaltung aller sicherheitsrelevanten Anforderungen.

Leistungsdaten unter realen Baustellenbedingungen

Beide Transportbühnen verfügen über eine Tragfähigkeit von bis zu vier Tonnen und sind für den kombinierten Material- und Personentransport zugelassen. Mit einer Förderhöhe von rund zehn Metern und zwei Haltestellen – Verteilersteg und Bahnsteig – gewährleisten sie eine kontinuierliche Versorgung der Arbeitsbereiche im Tiefbahnhof.

Die Bedienung erfolgt wahlweise über die Ladestellen oder direkt aus der Kabine. Gerade in der Ausbauphase mit parallel laufenden Gewerken ist diese Flexibilität entscheidend, um Wartezeiten zu minimieren und Materialflüsse planbar zu halten. Für Projektverantwortliche zeigt sich hier, wie stark sich Produktivität und Terminsteuerung durch passgenaue vertikale Logistiklösungen beeinflussen lassen.

Montagekonzept ohne Eingriff in die Betonstruktur

Eine weitere Besonderheit ergab sich bei der Montage. Bohrungen in die neu errichtete Betonstruktur waren nicht zulässig. Die Mastverankerung wurde daher über den Stahlbau des Verteilerstegs realisiert. Diese Lösung erforderte eine präzise Abstimmung zwischen Planung, Statik und Ausführung.

Auch die Anlieferung der Komponenten folgte einem projektspezifischen Logistikkonzept. Sämtliche Bauteile sowie ein Minikran wurden per Eisenbahnwaggon über die neu verlegten Gleise in den Baustellenbereich transportiert. Erst vor Ort erfolgte die Endmontage. Dieses Vorgehen reduzierte externe Transportbewegungen und integrierte sich nahtlos in die bestehende Baustellenlogistik.

Seit Frühjahr 2025 befinden sich die Anlagen im täglichen Einsatz und sichern den Material- und Personentransport im Innenausbau. Für Bauunternehmen wird damit greifbar, wie wichtig die frühzeitige Einbindung von Herstellern in die Ausführungsplanung ist, wenn Standardtechnik an ihre Grenzen stößt.

Modulares System als strategischer Vorteil

Der Böcker Super-Lift LX 4024 gehört mit einer Tragkraft bis vier Tonnen, einer Förderhöhe bis 250 Metern und variabel anpassbaren Plattformgrößen zu den leistungsstarken Zahnstangenaufzügen seiner Klasse. Das Projekt Stuttgart 21 zeigt exemplarisch, wie sich ein modulares System auf komplexe bauliche Situationen übertragen lässt.

Für Entscheider im Bauwesen liegt der Mehrwert nicht allein in technischen Kennzahlen, sondern in der Anpassungsfähigkeit an projektspezifische Randbedingungen. Sonderlösungen wie bei Stuttgart 21 verdeutlichen, dass wirtschaftliche Effizienz und technische Individualisierung kein Widerspruch sein müssen.

Stuttgart 21 als Referenz für komplexe Bauaufgaben

Der neue Durchgangsbahnhof bildet das Herzstück von Stuttgart 21. Gleichzeitig steht das Projekt für die vollständige Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart mit erheblichen Auswirkungen auf Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr. Verkürzte Reisezeiten und neue umsteigefreie Verbindungen sind das verkehrspolitische Ziel.

Aus baubetrieblicher Sicht ist Stuttgart 21 vor allem ein Beispiel für die Koordination hochkomplexer Gewerke unter beengten räumlichen Bedingungen. Die hier eingesetzten Böcker Transportbühnen und die speziell entwickelten Super-Lift Transportbühnen verdeutlichen, wie entscheidend maßgeschneiderte Logistiklösungen für den Projekterfolg sind.

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