Krane + Hebebühnen

Susanne Frank,

Pfeiler der Hochmoselbrücke wachsen schnell

Die 1700 m lange Hochmoselbrücke in Rheinland-Pfalz ist das zur Zeit größte Brückenprojekt in Deutschland. Aktuell erstellt das Team des Bauunternehmens Porr die geometrisch anspruchsvollen zehn Stahlbetonpfeiler mit Höhen zwischen 21 m und 150 m.

Die Hochmoselbrücke quert nach ihrer Fertigstellung in bis zu 158 m Höhe das tief eingeschnittene Moseltal zwischen Ürzig und Zeltingen-Rachtig und verbindet die Eifel mit dem Hunsrück. Das Brückenbauprojekt gehört zur Bundesstraße 50neu und ist Teil einer internationalen Straßenachse zwischen den Beneluxstaaten und dem Rhein-Main-Gebiet. Die insgesamt 25 km lange B 50neu hat die Aufgabe, die Fernstraßenlücke von der A 60 bei Wittlich zur A 60 bei Mainz zu schließen. Verantwortlich für das Gelingen der technisch wie logistisch anspruchsvollen Baumaßnahme ist die Arbeitsgemeinschaft "Eiffel Deutschland Stahltechnologie GmbH, Eiffage Construction Metallique Frankreich & Porr Deutschland GmbH, Zweigniederlassung Berlin". Letztere hat Hünnebeck mit der Entwicklung und Lieferung professioneller Schalungslösungen für den Bau der Widerlager, der Fundamente und Pfeiler beauftragt .

Aktuell liegt das Hauptaugenmerk der Baustelle auf der Herstellung der Stahlbetonpfeiler. Die Brückenpfeiler mit Höhen zwischen 21 m und 150 m verjüngen sich in Brückenlängsrichtung mit einem linearen Anzug von 80:1, was eine stetige Anpassung von 62,5 mm pro Takt und Seite bedeutet. In Querrichtung sind die Pfeiler gemäß einer kubischen Parabel tailliert. Einfacher gesagt: Die höchsten Pfeiler sind am Fuß ca. 16 m breit, in der Taille messen sie ungefähr 9,50 m, um sich dann bis zum Pfeilerkopf wieder auf 13 m zu verbreitern. Für den niedrigen Pfeiler (Achse 10) hat die Konstruktionsabteilung für Sonderschalungsbau eine Lösung auf Basis des kranabhängigen Kletterfahrgerüst CS 240 entwickelt – in diesem Fall eine Kombination aus zwölf Konsolen CS 240L (leichte Basisvariante für lotrechte Schalungen) und vier Konsolen CS 240H, die durch zusätzliche Bauteile auch bei Wandneigungen von ±30 Grad eingesetzt werden kann. Die Herstellung der Pfeiler 9 bis 2 mit Höhen zwischen 50 m und 150 m erfolgt mit der Selbstkletterschalung SCF (Self Climbing Formwork). Gleich zwei Sets dieses modular aufgebauten Schalsystems sind an der Mosel im Einsatz, um jeweils zwei Pfeiler parallel bauen zu können. Wichtigstes Basis-Element dieser Schalung ist die SCF-Konsole, die mit ihrer außergewöhnlich hohen Tragkraft von gleichzeitig 150 kN Vertikalkraft und 100 kN Horizontalkraft aufwartet. Das ermöglicht eine enorme Fülle ganz unterschiedlicher Bühnenaufbauten, die an die jeweilige Bauaufgabe angepasst sind. Die Selbstklettereinheiten beim Bau der Hochmoselbrücke bestehen jeweils aus 20 Kletterkonsolen und vier Arbeitsebenen mit insgesamt 13 m Höhe. Die erste Ebene dient zum Betonieren und Bewehren, auf der zweiten Ebene wird die Schalung bedient – 460 m² Trägerschalung, außen mit gebürsteter Schalhaut. Zwei Nachlaufbühnen vervollständigen die kletternde Pfeilerfabrik.

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Das Ratinger SCF-Expertenteam hat das Schalungs- und Bühnenkonzept so abgestimmt, dass die komplexen Pfeilergeometrien ohne Bühnendemontage gebaut werden können. Alle Bühnenanpassungen erfolgen durch teleskopierbare Bereiche. Die Schalung wird durch systematisches Abnehmen und späteres Wiederzufügen auf die Pfeilergeometrie abgestimmt – und zwar stets in voll geschützter Arbeitsumgebung ohne jede Unfall- und Absturzgefahr. An der Schalung ist hierfür kein Sägeschnitt erforderlich. Lediglich die ersten Meter eines jeden Pfeilers, der sogenannte Anfängerschuss, werden nicht mit der SCF, sondern mit einer konventionellen Wandschalung erstellt. Hierfür hat der Hünnebeck-eigene Schalungsbau in Irxleben vormontierte GF20-Schalungselemente hergestellt.

Auch die Trägerschalung mit der gebürsteten Schalhaut wurde hier vorgefertigt. Auch Bauführer Dieter Brückner ist zufrieden: "Mit der SCF haben wir uns wirklich eine 1A Kletterschalung auf die Baustelle geholt. Alle Anpassungsarbeiten klappen systematisch. Trotz der schmaler und wieder breiter werdenden Geometrien klettern wir mit immer den gleichen Konsolen von unten bis oben und brauchen keine Bühnen abzubauen oder zuzufügen. Das spart aufwändige Umbauarbeiten und ermöglicht ein absolut sicheres Arbeiten in stets rundum geschlossener Arbeitsumgebung."

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