Mitarbeitergewinnung
Empfehlungsmarketing ist Trumpf
Sie gehört heute zu den größten Herausforderungen im Bauhandwerk – die Suche nach neuen Mitarbeitern. Das Holzbau-Unternehmen Flack und Handwerksexpertin Andrea Eigel haben sie gemeistert.
Für Christian Flack ist es eine Selbstverständlichkeit: Die Leute müssen sich an ihrem Arbeitsplatz und in ihrem Team wohl fühlen – egal ob Azubi oder langjähriger Mitarbeiter. Da hilft es, wenn der Chef und Betriebsinhaber selbst, bei aller professionellen Ernsthaftigkeit, locker und entspannt zu Werke geht. Und gut mit seinen Leuten kann. Und mit dem Nachwuchs. Zwar sei er mittlerweile auch schon Anfang vierzig, erzählt der Firmeninhaber aus Ammerbuch bei Tübingen. "Aber wir alle hier sind nicht nur tatsächlich relativ jung an Jahren – unser Altersschnitt liegt irgendwo bei 30 –, wir sind auch im Kopf jung geblieben. Das hilft."
Auch Dominik Bahlinger, der Geschäftsführerkollege von Christian Flack, ist überzeugt: Das Betriebsklima spielt eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, sich als attraktiver Arbeitgeber in der Region zu empfehlen. Und das stimme einfach bei Holzbau Flack "Man bekommt bei uns im Betrieb ständig das Gefühl, dass man da ist, um zu bleiben."
"Junge Leute ziehen junge Leute"
Das spricht sich herum. Zumal gerade beim Nachwuchs die Mund-zu-Mund-Propaganda noch wesentlich ausgeprägter ist als bei den Älteren. "Junge Leute ziehen junge Leute", stellt Christian Flack trocken fest. Das sei mit ein Grund dafür, dass seine Firma keine Nachwuchssorgen und Personalprobleme hat. Denn der Stamm an guten Mitarbeitern, so erklärt er, rekrutiert sich wie bei jedem soliden Fußballverein zum großen Teil aus dem Nachwuchs.
Die Basis dafür hatte schon der Vorläuferbetrieb seines Unternehmens, die Zimmerei Karl, gelegt. Dort war Christian Flack nach seiner Lehre als Zimmermann und dem Studium als Bauingenieur ins Arbeitsleben eingestiegen. Das war vor etwas mehr als zwölf Jahren. "Deren Ausbildungsquote war schon relativ hoch. Zwei Azubis pro Lehrjahr waren üblich, also insgesamt sechs Azubis – und das bei einer 15-köpfigen Belegschaft."
Nachdem er den Betrieb vom Vorbesitzer Jörg-Walter Karl übernommen hatte, sei für ihn klar gewesen, dass er das ausbildungsfreundliche Klima weiter pflegen und um neue Möglichkeit erweitern wollte. Denn das würde ihm helfen, die Zukunft und die Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens zu sichern. Dies umso mehr als es heute "wesentlich häufiger vorkommt als früher, dass ein Auszubildender nach dem dritten Lehrjahr aussteigt, um noch ein Studium draufzusatteln – so wie ich selbst das damals gemacht habe – oder ganz etwas anderes zu probieren", sagt der Firmenchef. "Das müssen wir dann natürlich auffangen, indem wir die Lücken mit neuen Azubis füllen."
Firmenprofil führt zu Azubi-Programm
Also setzte man sich zusammen und machte sich "intensiv Gedanken darüber, was uns für junge Leute und Ausbildungswillige attraktiv macht." Daraus entstand zunächst ein Firmenprofil aus harten und weichen Faktoren. "Davon ausgehend haben wir mehrere Komponenten definiert, aus denen wir ein ganzes Azubi-Programm zusammengestellt haben." So müsse die Basis für eine erfolgreiche Profilierung als Arbeitgeber sein, meint Andrea Eigel: "Ein Betrieb, der seine Stärken kennt, kann daraus ableiten, welche Maßnahmen für potenzielle Mitarbeiter attraktiv sind und zugleich zu seinem Profil passen."
So gibt es bei Holzbau Flack immer im September, zu Beginn des neuen Lehrjahres, einen speziellen Azubi-Tag. Dazu lädt der Betrieb alle Auszubildenden und deren Eltern ein. "Wichtig ist dabei, dass sich bei dieser Gelegenheit die älteren und die ganz frischen Auszubildenden beschnuppern können und kennenlernen." Bei einer Betriebsführung können sich die Neulinge und deren Eltern ein Bild vom Unternehmen machen. Währenddessen bauen die Azubis im zweiten und dritten Lehrjahr an diesem Tag ein Modell, um zu zeigen, was man in diesem Beruf zum Beispiel lernen kann.
Die Ausbildungsmeister kümmern sich
Nach den Erfahrungen von Christian Flack sind Auszubildende heute in aller Regel sehr wohl leistungsbereit und ausgesprochen wissbegierig. Allerdings stellen sie auch recht hohe Ansprüche an ihren Ausbildungsbetrieb. "Da muss nicht nur die Stimmung in der Firma gut sein, die jungen Leute wollen auch wirklich was lernen." Dem müsse man gerecht werden, so der Firmenchef. Aus diesem Grund hat er schon vor einiger Zeit zwei Jungmeister zu Ausbildungsmeistern gemacht.
Das hat mehrere Vorteile. Hilfreich ist allein schon, dass der Altersunterschied zwischen Azubis und Meistern vergleichsweise gering ist. Außerdem haben die Auszubildenden bei Problemen oder Fragen technischer oder sonstiger Natur einen Ansprechpartner, zu dem sich mit der Zeit ein Vertrauensverhältnis aufbaut. Nicht zu vergessen: Die Jungmeister sind dafür verantwortlich, dass die Azubis sich in jeder Hinsicht gut aufgehoben fühlen und gute Arbeit abliefern. Das stärkt die Motivation auf beiden Seiten.
Zum Azubi-Programm bei Flack gehören auch spezielle Azubi-Ausflüge, meist über zwei Tage. "In der Regel besuchen wir dabei zusammen mit unseren Ausbildungsmeistern einen unserer Lieferanten, wo´s dann eine Werksführung und eine Produktschulung gibt." Damit neben den Wissenszuwachs auch der Spaß und das vielzitierte Teambuilding nicht zu kurz kommt, wird ein zusätzliches Rahmenprogramm mitorganisiert. Und schließlich stärkt das abendliche Zusammensitzen die Zusammengehörigkeit.
Teambuilding by Teamwork
Nicht zu vergessen die Azubi-Woche – auch sie ist ein festes Element des Azubi-Programms bei Flack. In dieser Woche setzen die Auszubildenden speziell dafür ausgesuchte Kundenprojekte komplett um, von der Vorplanung bis zur Übergabe an den Kunden. "Natürlich unter Anleitung ihrer Ausbildungsmeister, versteht sich." Die Projekte sind sehr unterschiedlich – ein Terrassenbau zum Beispiel, eine Pergola oder ein Carport. Ihnen gemeinsam ist im Grunde nur, dass sie sich binnen einer Woche realisieren lassen. Und dass sie nach einem einfachen Prinzip entstehen: Der jeweilige Kunde erklärt sich einverstanden, dass sein Projekt von den Flack-Azubis umgesetzt wird, dafür bekommt er ein paar Prozent Nachlass.
Meist erfordern diese Projekte ungefähr zwei Tage Vorarbeit in der Halle und zwei Tage Montage vor Ort. Damit alles glatt läuft und die Azubis saubere Arbeit abliefern, dafür stehen der jeweilige Ausbildungsmeister und der zuständige Projektleiter mit ihrer fachkundiger Anleitung zur Verfügung. So verbindet Holzbau Flack auf ebenso einfache wie sinnvolle Art Lernen, Motivation und gemeinsamem Erfolg. "Teambuilding by Teamwork" sozusagen. Im vergangenen Jahr zum Beispiel haben die Auszubildenden bei Flack in ihrer Azubi-Woche neue Ortsschilder für die Gemeinde gebaut – kreativ gestaltet und handwerklich ansprechend mit Biberschwanz-Ziegeln bedeckt.
Auch weiche Faktoren sind wichtig
Neben solchen klaren Vorteilen, die seinen Betrieb für junge Leute attraktiv machen, gibt es allerdings noch die weichen Faktoren, die mindestens ebenso ins Gewicht fallen. Allen voran die Umgangsformen, die letztlich das Arbeitsklima entscheidend prägen. Christian Flack: "Man muss sich einfach auf die jungen Leute einlassen, muss sie ernst nehmen und mit ihnen auf Augenhöhe kommunizieren."
Generell gilt: Wer seine Leute halten will, muss ihnen ein Umfeld ohne unnötige hierarchische Hürden bieten, in dem sie kooperativ und eigenverantwortlich arbeiten können – und in dem Offenheit, Klarheit und Vertrauen eine Selbstverständlichkeit sind.
"Dass wir so viel für die Attraktivität unseres Betriebs speziell für Auszubildende tun", dafür hat der Firmenchef eine einleuchtende Erklärung: "Nur so bekommt man Fachkräfte. Leute, die in den Betrieb hineingewachsen und sozusagen mit ihm verwurzelt sind. Das ist die beste Gewähr für gute Arbeit, für ein gutes Betriebsklima und ein gutes Image nach draußen." Was sich am Ende auch positiv auf alle anderen Mitarbeiter auswirkt.
Getreu dem altbekannten Motto "Tue Gutes und rede darüber" sorgt Christian Flack auch dafür, dass seine potenziellen Mitarbeiter und Azubis über die Arbeit und die Vorzüge seines Betrieb informiert werden? "Wir kommunizieren unsere Stärken für Mitarbeiter und Azubis ganz offensiv, wo immer sich die Gelegenheit dazu bietet." 48 Beschäftigte arbeiten heute bei Holzbau Flack, 16 davon als Azubis – das entspricht einer Ausbildungsquote von rund 33 Prozent. Wenn man einmal eine solche "Schwungmasse" erreicht hat, dann, so der Firmenchef, werde die Akquise neuer Mitarbeiter und Azubis zwar nicht zum Selbstläufer – "Sie müssen trotzdem immer aktiv sein." Aber es werde zumindest deutlich leichter, Mitarbeiter und Nachwuchskräfte zu finden.
Von enormer Bedeutung ist nach Überzeugung des Firmenchefs, gerade für Handwerksbetriebe, die Mund-zu-Mund-Propaganda in der Region. "Dass bei uns ein gutes Klima herrscht, dass man bei uns was lernt und einen soliden, sicheren Arbeitsplatz hat, das spricht sich einfach rum. Eine bessere Werbung in eigener Sache gibt´s nicht."
Neubau als Anziehungspunkt
Zur Attraktivität des Betriebs gehört auch der Neubau, den das Unternehmen im Oktober 2024 bezogen hat – mit seiner außergewöhnlichen Form und den begrünten Fassadenflächen ein echter Blickfang und Imageträger. "Wir wollten nicht einfach einen weiteren Industriebau hinstellen", erklärt Christian Flack, "sondern haben uns ganz bewusst für ein innovatives und nachhaltig wirkendes Erscheinungsbild entschieden."











