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Artikel und Hintergründe zum Thema

Mauerwerksbau

Petra Born,

Ein Gebäude ganz im Einklang

Im oberpfälzischen Auerbach entstand ein massives Mehrfamilienhaus in Ziegelbauweise. Der verwendete Wandbaustoff mit Tannenholzfüllung ist recycelbar und vereint Nachhaltigkeit mit Standfestigkeit sowie Wärme- und Schallschutz.

Das Mehrfamilienwohnhaus mit grauem Endanstrich fügt sich mit seiner modernen Architektur in das kleinstädtische Ensemble Auerbachs ein. © RK Next Architekten

Nachhaltiges Bauen ist angesichts der knappen Energieressourcen und globalen Klimakrise ein Gebot der Stunde. Bei der Planung eines 2021 errichteten Mehrfamilienwohnhauses in Auerbach setzte das Bayreuther Architekturbüro RK Next Architekten in Abstimmung mit dem Bauherrn auf die ökologischen und bauphysikalischen Vorzüge eines umweltgerechten Wandbaustoffs – des Mauerziegels Unipor W07 Silvacor von Leipfinger-Bader. Der Ziegel ist vollständig recycelbar und sorgt wegen seiner hundertprozentigen Füllung aus nachwachsenden Tannenholzfasern für einen bemerkenswert hohen baulichen Wärmeschutz (U = 0,157 W/m²K) schon bei 42,5 Zentimeter Mauerwerksdicke. Das massive Mauerwerk leistet einen wesentlichen Beitrag zur ganzjährigen Wohnbehaglichkeit in den insgesamt zwölf Wohneinheiten, weil es durch Zwischenspeicherung Temperatur- und Luftfeuchteschwankungen ausgleicht.

Einbindung in bestehendes Umfeld

Die Attraktivität der einstigen Bergbaustadt Auerbach im Osten des Naturparks Fränkische Schweiz ist auch durch eine erhöhte Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt spürbar. Für das neue Mehrfamilienhaus im Stadtkern war neben einer Umsetzung moderner Architektur die Einbindung in die bestehende Bebauung gefordert. „Der Baukörper sollte sich in Form und Funktion dem vorhandenen kleinstädtischen Ensemble anpassen und trotzdem mit einer zeitgemäßen Fassade den heutigen Gestaltungsansprüchen genügen“, umschreibt der zum Projektteam gehörende Architekt Sebastian Greiner das Planungsmotto. Zentrale Stilmittel waren die auf drei Gebäudeseiten angeordnete Holzverschalung ab dem ersten Obergeschoss und die besondere Betonung der Balkone als architektonisches Gestaltungselement. Ansonsten orientierte sich der kompakte dreigeschossige Baukörper mit seinem T-förmigen Grundriss in Gebäudehöhe und seinem Satteldach an der bestehenden Nachbarbebauung. Auf eine Unterkellerung wurde verzichtet; der benötigte Technikraum für die PV-Anlage fand im Erdgeschoss Platz.

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Der Zuschnitt der flexibel konzipierten Wohnungen berücksichtigt den Raumbedarf durchschnittlicher Haushalte; neben vier kleineren Wohneinheiten im Erdgeschoss sind auf drei Obergeschossen sieben Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen mit Wohnungsgrößen von 70 bis 90 Quadratmeter untergebracht. Ein Highlight ist die Penthouse-Wohnung im ausgebauten Dachgeschoss mit einer Wohnfläche von 140 Quadratmeter. Eine attraktive Ausstattung mit einer offenen Gestaltung von Wohn- und Esszimmer samt integriertem Küchenbereich und Fußbodenheizung kennzeichnet alle Wohneinheiten. Ein Aufzug ermöglicht den barrierefreien Zutritt zu allen Wohnungen.

Massives Mauerwerk gefüllt mit Tannenholzfasern

Die Wahl des Außenwandbaustoffs wurde maßgeblich bestimmt durch diverse Anforderungen an die Gebäudehülle, etwa eine hohe Nachhaltigkeit und der Energieeffizienzhausstandard KfW 40. Außerdem waren wegen der Gebäudehöhe und der Grundstückslage auch statische und schallschutztechnische Aspekte zu berücksichtigen. Die Beratung durch das Ziegelwerk Schönlind, das die Unternehmensgruppe Leipfinger-Bader mit Stammsitz im niederbayrischen Vatersdorf betreibt, gab letztlich den entscheidenden Ausschlag für die Wahl des Mauerziegels Unipor W07 Silvacor, weil die geforderte Nachhaltigkeit nicht zu Lasten von Standfestigkeit und Schallschutz ging. Die besondere ökologische Qualität des Ziegels liegt in seiner für Wandbaustoffe einzigartigen Füllung aus nachwachsenden Tannenholzfasern.

Aufgrund der angestrebten Wohnbehaglichkeit war für den Bauherrn die Speicherfähigkeit des massiven Silvacor-Ziegels entscheidend, da diese wichtig für ein angenehmes Wohnklima ist. Ein Aspekt, der angesichts immer häufigerer sommerlicher Hitzeperioden künftig beim Wohnungsbau zunehmende Bedeutung gewinnen wird. Das massive Außenmauerwerk speichert tagsüber die durch Sonneneinstrahlung erzeugte Sonnenwärme und gibt sie während der kühleren Nachtstunden langsam an die Innenräume ab. Auch der natürliche Ausgleich von Luftfeuchteschwankungen erfolgt dank der Speicherfähigkeit des Ziegels.

Bei diesem Projekt erfolgte die Vermauerung des Silvacor-Ziegels mit sogenannten Mörtelpads. Diese beim Silvacor-Ziegel bauaufsichtlich zugelassene Alternative zur Dünnbettvermörtelung hat sich als effiziente, zeitsparende Mauertechnik erwiesen. Die Logistik wird bei Einsatz der Trockenmörtelplatten durch den Wegfall der sonst erforderlichen aufwendigen Mörtelzubereitung deutlich vereinfacht. Auch Nebenarbeiten wie die Reinigung von Hilfsmitteln erübrigen sich. Die Vermörtelung ist zudem  – gegenüber dem herkömmlichen Mörtelauftrag mit dem Mörtelschlitten oder der Maurerkelle – für den Verarbeiter bequem und ergonomisch.

Ökologischer Anspruch auch bei Energieversorgung

Infolge der zentralen Forderung nach hoher Nachhaltigkeit wurde eine leistungsfähige Photovoltaik-Anlage mit Batteriespeicher installiert. So lässt sich der tagsüber erzeugte Strom für den abendlichen Verbrauch zwischenspeichern. Der rücksichtsvolle Umgang mit den Energieressourcen bestimmte auch die Festlegung der Heiztechnik: Dafür wurde im Rahmen einer über das Wohnhaus-Projekt hinausgehenden Heizungsplanung eine Heizzentrale gebaut, die neben den errichteten zwölf Wohneinheiten eine weitere Wohnung sowie eine Betriebshalle mit Fernwärme aus verbrannten, sogenannten Hackschnitzeln versorgt. Sie bestehen ressourcenschonend aus anderweitig nicht verwertbaren, kleingehackten Reststoffen aus der Forstwirtschaft oder Holzverarbeitung. Die errichtete Heizzentrale ist mit entsprechend großem Holzreste-Lagerraum gleich für zehn weitere geplante, zu beheizende Wohneinheiten ausgelegt.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 3/23

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