28. Internationales Holzbau-Forum (IHF)
Holzbau auf Rekordkurs
Der angespannten Situation der Baubranche zum Trotz, gaben sich Zimmerer, Holzbau-Unternehmer, Architekten, Planer, Ingenieure und Akademiker aus der ganzen Welt beim IHF von Forum Holzbau in Innsbruck die Klinke in die Hand. Denn die Veranstaltung bietet ihnen allen die Gelegenheit, über Erfahrungen, das Arbeiten und die Ziele mit Holztragwerken bzw. Holzbaukonstruktionen zu berichten und sich auszutauschen. Das IHF ist stets zum Jahresende eine ideale Möglichkeit für die Holzbauexperten, um sich umfassend mit aktuellen Informationen einzudecken und das eigene Netzwerk auszubauen.
Ein Schwerpunkt des ersten Veranstaltungstages lag auf dem Thema „Der soziale und leistbare Wohnungsbau“. Referent Roland Sitzberger (Porsche Consulting GmbH Stuttgart) betonte in seinem Vortrag „Vom klassischen Planen, Bauen, Betreiben zu neuen, produktbasierten Geschäftsmodellen in der Bau- und Immobilienwirtschaft“, dass auch der Holzbau derzeit einen Wandel erlebe. Umso wichtiger sei es, das eigene Unternehmen zu hinterfragen.
„Ein gutes Geschäftsmodell muss sowohl attraktive Produkte, als auch exzellenten Service bieten. Es ist wichtig, nah am Kunden zu sein und seine Bedürfnisse zu verstehen, um daraus die besten Produkte, die besten Leistungen und die besten Preise abzuleiten. Letztlich sind Anpassungsfähigkeit und Innovation entscheidend, um in einem sich ständig wandelnden Markt erfolgreich zu sein“, so Sitzberger. Mit großem Interesse wurden auch die Vorträge von Dr. Ann Sophie Löhde (Leukos GmbH & Co KG Norderstedt) und Anders Übelhack (Züblin Timber Aichach) aufgenommen.
Löhde stellte in ihrem Vortrag „Dauerhaft Wert schaffen – natürlich mit Holz“ das „CampusRO – Deutschlands nachhaltigstes Holzhybrid-Studentenquartier“ vor. Direkt an der Technischen Hochschule Rosenheim gelegen, bietet der Holzhybridbau Studierenden auf 8500 m2 einen Raum zum Wohnen, Lernen und Leben. Übelhack ging aus der Sicht eines Baukonzerns der Frage nach, ob man „Mit Holz-Hybrid-Bau seriell, modular und nachhaltig in die Zukunft?“ gehen kann.
Der zweite Kongresstag wartete früh mit optischen und architektonischen Highlights auf. Unter dem Motto „Projekte mit Ausstrahlung“ wurden spektakuläre Holzbaukonstruktionen aus aller Welt präsentiert. Darunter der neue Sydney Fischmarkt mit dem größten Holzdach der südlichen Hemisphäre oder das Dachtragwerk der Sporthalle in Monheim, der größten Sporthalle Europas. Und der Dachstuhl der (inzwischen wiedereröffneten) Notre Dame in Paris erstrahlt wieder im neuen Glanz. Ein Prestigeprojekt in Saudi-Arabien rundete die Leistungsschau ab: das Red Sea Project – ein Luxus-Ferienresort, das derzeit mit Holz wortwörtlich auf Sand gebaut wird.
Eine ganz besondere Atmosphäre herrschte am Donnerstagabend, als die Ehrungen anstanden. Diplom-Ingenieur und Zimmermeister Walter Bauer führt seinen Familienbetrieb seit 1978. Von 1983 bis heute engagiert er sich im Holzbau Deutschland Ausschuss Technik und Umwelt. Das Amt des Präsidenten des Holzbau Deutschland Instituts bekleidete er von 2008 bis Ende 2024. Hans Joachim Blaß war unter anderem Professor für Holzkonstruktionen an der TU Delft. Von 1995 bis 2021 leitete er den Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktionen der Universität Karlsruhe. Für Ihren lebenslangen, vorbildlichen Einsatz für den Holzbau wurden beide mit einer Laudatio geehrt und vom Publikum mit großem Applaus bedacht.
Am Freitag wurden unter anderem „Exponierte Ingenieurholzbauwerke“ wie z.B. der Aussichtsturm Idarkopf vorgestellt, ein Hybridbauwerk nach dem Prinzip des bauteilbezogenen Holzschutzes. Danach stand die Brückenbaukunst aus Holz im Fokus: die Olympiabrücke in Paris und Autobahnbrücke Zwolle wurden mit zahlreichen Bildern zur Schau präsentiert. Die konstruktive Vielfalt im mehrgeschossigen Holzbau wurde mit den Projekten „Umwelthaus Nürnberg und den Holzhochhäusern Cederhusen (Stockholm/SWE) und ZWATT H1 (Regensdorf/SWI) illustriert.
Kurzum: Die 28. Ausgabe des Internationalen Holzbauforums hat Maßstäbe gesetzt. Der Eindruck verfestigte sich: Die klimafreundliche und nachhaltige Holzbauweise hat weiterhin glänzende Zukunftsperspektiven.
dm









