Gastronomie-Neubau „Mole Radolfzell“

Jessica Stütz,

Holz-Hybridbau am See

Der Bauherr, die Bodensee-Hafengesellschaft mbH, wollte viel: Gastronomie auf großer Fläche, einen Ticketbereich mit Nebenräumen plus reichlich Technik und öffentlich zugängliche Toiletten. Der so entstandene Holz-Hybridbau liefert überzeugend ab.

Das Besondere an diesem Projekt ist die Lage auf der Landzunge, die dreiseitig von Wasser umgeben ist

© Schaudt Architekten

Platanen weisen den Weg vom Bahnhof zum Gastronomie-Neubau „Mole Radolfzell“: es sind nur wenige Schritte. Hier treffen Schiffsanleger, Seglerclub, Bodensee-Ufer, Wanderwege, Radwege und der Bahnhof zusammen. Gleichzeitig ist die Innenstadt nur 100 Meter entfernt. Das alles ist ein idealer Platz für Einheimische und Touristen und damit für eine Gastronomie, deren früherer Bau an gleicher Stelle in die Jahre gekommen war und ersetzt werden musste. Vonseiten des Bauherrn, der Bodensee-Hafengesellschaft mbH, gab es vielseitige Anforderungen: Im Hauptgebäude ist nicht nur die großflächige Gastronomie mit den entsprechenden Küchen- und Nebenräumen untergebracht, auch der Ticketbereich der Bodenseeschiffsbetriebe mit Nebenräumen und Technik sowie öffentlich zugängliche Toiletten sollten Platz finden. Ein großer Außenbereich mit Biergarten verbindet das Gastronomiegebäude mit dem ebenfalls neuen Pavillon und der Umgebung der Hafenmole.

„Das Besondere an diesem Projekt ist die Lage auf der Landzunge, die dreiseitig von Wasser umgeben ist“, sagt Tobias Strecker von Schaudt Architekten in Konstanz. „Das Thema ist der See und die Platanenallee, beides Naturdenkmäler. Die alten Platanen konnten erhalten werden und die Traufe der Gastronomie weist einen Bezug zu ihnen auf.“

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Das gewählte Holztragwerk macht die konsequent nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geplante Halle maximal flexibel. Inspiriert wurde das Gebäude von Schiffshallen

© Schaudt Architekten

17 sichtbare Holzbinder geben Struktur

„Die Architektur zeigt die sichtbare Tragstruktur, die damit für jeden nachvollziehbar ist,“ so der Architekt weiter. „Das knapp 43 m lange und 12,5 m breite Gebäude mit geneigtem Satteldach und der umlaufenden Glas-/Holzfassade ist ein Hybridbau. Das klare Raster der 17 sichtbaren Holzbinder, welche die Halle aufspannen, wird zum gestaltprägenden Element des Gebäudes. Mit den zusätzlichen Schrägstützen im Außenbereich, die als Zugstab des Tragwerks fungieren, entsteht so ein Holzhaus, das auf das Wesentliche reduziert wird.“

Der Gastronomiebereich im Erdgeschoss ist nach drei Seiten hin sichtoffen – die Giebelseite ist mit einer Holz-Pfosten-Riegel-Konstruktion komplett verglast. Oberhalb des Restaurants befindet sich eine Galerie, die durch eine einläufige Treppe erschlossen wird. In deren hinteren Bereich liegen die Gäste-WCs, Nebenräume und Technik, der massive Aufzugschacht sowie ein baulicher Fluchtweg über den Mitarbeiterbereich mittels eines Treppenhauses in den Außenraum. Bei der Glasgiebelfassade erfolgt ein hoher Winddruck auf den Profilen, also mussten die Architekten bei den Windlasten mit Küstenwerten rechnen.

Auszug aus mikado 06.2024

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