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Fachtage zur Sanierung von Hochwasserschäden
Die Premierenveranstaltung der Bauchemie-Fachtage zur Sanierung von Hochwasserschäden stieß beim Fachpublikum in Passau auf große Resonanz. Die Reihe wird in Magdeburg (03.12.13) und Dresden (21.01.14) fortgesetzt.
Noch immer leiden viele Städte und Gemeinden unter dem Hochwasserschäden der letzten Überschwemmungen. Das große Interesse an den Fachtagen der Deutschen Bauchemie ist daher verständlich. Mehr als 100 Sachverständige, Planer, Architekten, Vertreter von Behörden, Versicherungen und aus dem Handwerk waren in die Drei-Flüsse-Stadt gekommen, um sich umfassend über die wichtigsten Parameter der Sanierung von Gebäuden und Infrastruktureinrichtungen zu informieren. Die lebhafte Diskussion zwischen den einzelnen Vorträgen ergab, dass auch unter Sachverständigen und Fachplanern noch Unsicherheiten herrschen über einzelne Ausführungsmaßnahmen und –varianten. Mangels zeitgemäßer bauordnungsrechtlicher Rahmenbedingungen und normativer Vorgaben in diesem speziellen Bereich sei man häufig auf sich allein gestellt und deshalb für die Zusammenarbeit mit der Industrie dankbar.
Norbert Schröter, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Bauchemie, sieht hier alle am Bau Beteiligten in der Pflicht, sich für einen klaren regulativen Hintergrund und konkretere Ausführungsempfehlungen bei Hochwassersanierungen politisch einzusetzen, denn: „Das nächste Hochwasser kommt bestimmt!“
Sven Illgen (Köster Bauchemie AG) skizzierte in seinem Eröffnungsvortrag die Bedeutung bauchemischer Produkte für die Gebäudesanierung nach Hochwasser. Technische Trocknung mit verschiedenen Verfahren sei für nachhaltige Wirkung und schnellen Baufortschritt in jedem Fall zwingend, so Illgen, eine anschließende Schadensdokumentation die beste Grundlage für ein Sanierungskonzept. Illgen beschrieb u.a. als praktisches Beispiel die Beseitigung von Verölungen in den Schritten Reinigung mit Ölemulgatoren, Entfernen mit Hochdruckreiniger, Absaugen des Schmutzwassers, Versiegelung mit Epoxidharz und Neuaufbau mit zementgebundenen Putzsystemen.
Arno Kohls (Saint-Gobain Weber GmbH) präsentierte Innenabdichtungen und Verbundkonstruktionen als Sanierungs- und als Vorbeugemaßnahmen bei Hochwasserschäden. Maßgebend sei hier das Merkblatt 4-6 des Wissenschaftlich Technischen Arbeitskreises (WTA). Kohls schilderte den vielen Praktikern im Pub-likum den technischen Aufbau der Innenabdichtung und beschrieb die Arbeits-schritte für das Verfahren. „Der Boden-Wandanschluss muss besonders sorgfältig und als wannenartige Konstruktion ausgeführt werden, die am Boden fortgeführt wird.“ Kohls griff in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung von Systemen auf, denn hier haftet der Hersteller für die Wirksamkeit der aufeinander abgestimmten Produkte.
Mit dem Vortrag von Wolfgang Dehmel (PCI Augsburg GmbH) ging es in die Detaillösungen bei der Sanierung. Durchfeuchtungen durch Hochwasser und nachfolgend Ablösungen von keramischen Belägen waren sein Thema. Reparatur der partiellen Schädigungen und Neuverlegung Fliese auf Fliese schilderte er als geeignete Maßnahme für kleinere Flächen. „Bei größeren Schadensbildern sind ein kompletter Rückbau und Neuverlegung oft unvermeidlich.“ Findet der Neuaufbau auf feuchten Untergründen statt, so ist eine Verbundabdichtung oder der Einbau einer entkoppelnden Abdichtungsbahn vor der Fliesenverlegung möglich, so Dehmel. Nachträgliche Bauwerksabdichtung außen und innen mit dem Schwerpunkt Keller und Sockel stand im Mittelpunkt der Ausführungen von Rainer Spirgatis (Remmers Baustofftechnik GmbH). „Äußere Bauwerksabdichtung ist nicht immer durch führbar, daher kann zusätzlich oder ersatzweise eine mineralische Innenabdichtung notwendig werden“, so Spirgatis. Er schilderte Schadenkreislauf und Verfahren zur nachträglichen Sockelabdichtung mit bauchemischer Horizontalsperre und Details zum „oft vernachlässigten“ Spritzwasserschutz.
Dr. Constanze Messal (Micor Sachverständigenbüro Rostock) beantwortete die Frage „Erst das Wasser, dann der Schimmel?“ Schnelligkeit und Gründlichkeit sind die wichtigsten Kriterien, die erfüllen muss, wer Schimmel nach Hochwasser vermeiden will. Da dies auf den Baustellen oft nicht realisierbar ist, gab sie den Teilnehmern zahlreiche Fakten und praktische Empfehlungen für Maßnahmen gegen tatsächlichen Schimmelbefall mit. Sie plädierte dabei klar für die Feinreini-gung statt purer Desinfektion. Letztere diene als temporäre Maßnahme allenfalls der Reduzierung des weiteren Wachstums, beseitige aber nicht die Ursachen der Schimmelbildung.
Zum Abschluss erfuhren die Teilnehmer, unter welchen Umständen sich zerstörende Organismen nach dem Hochwasser im Holz entwickeln und die Konstruktion schädigen können. Referent Ekkehard Flohr (Ingenieurbüro Flohr GmbH): „Um die Gefahr einer Holzschädigung zu minimieren oder zu beseitigen sind nach Feuchteeinwirkungen Bauteilöffnungen und technische Trocknung sehr hilfreich. Ziel ist es, das Holz auf die ursprüngliche Holzausgleichfeuchte zu bringen, um den holzzerstörenden Organismen die Lebensgrundlage zu entziehen.“
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