Team-(Weiter)Entwicklung
Feedback, das ankommt – statt loben oder meckern
Auf der Baustelle muss es oft schnell gehen – da werden Entscheidungen getroffen, Fehler benannt und manchmal wird auch gelobt. Doch echte Rückmeldung ist mehr als das.
Feedback hingegen ermöglicht Entwicklung – klar, respektvoll und konkret. In diesem Artikel erklärt Stefan Ufertinger, wie sich Feedback von Lob und Kritik unterscheidet, und stellt das "Feedback-Quadrat" vor.
Kritik ist schnell formuliert: "Das war zu genau, damit hältst du alles auf!" Auch Lob ist leicht gesagt: "Super, dass du so gewissenhaft prüfst." Doch beide Aussagen greifen zu kurz. Sie werten oder preisen – sie fördern aber nicht unbedingt Einsicht oder Veränderung.
Feedback hingegen ist ein dialogisches Angebot. Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern um Wahrnehmung, Wirkung und mögliche Entwicklung. "Feedback beschreibt Verhalten im Kontext – mit Anerkennung und gleichzeitig mit einem Blick auf mögliche Verbesserungen. Das Ziel ist nicht Beurteilung, sondern Entwicklung", erläutert Stefan Ufertinger von Site Communication.
Ein Praxisbeispiel vom Bau
Ein Mitarbeiter prüft die Abrechnungen der Baufirma mit beeindruckender Genauigkeit. Doch genau das führt regelmäßig zu Reibungen: Kleinstbeträge werden beanstandet, Diskussionen entstehen, Termine verzögern sich. Der Bauunternehmer fühlt sich gegängelt, das Team ist genervt. Was tun?
Ein Lob würde die Genauigkeit würdigen, aber das Problem ignorieren. Eine Kritik könnte verletzen und den Eindruck erwecken, der Einsatz sei unerwünscht. Feedback hingegen verbindet beides – und das gelingt mit dem Feedback-Quadrat.
Das Feedback-Quadrat – vier Felder für gutes Feedback
Wie bereits in meinem Artikel zum Wertequadrat erklärt, ist jede Stärke gefährdet, bei Übertreibung zur Schwäche zu werden. Das Feedback-Quadrat nutzt diese Idee – und erweitert sie um eine Perspektive auf Entwicklung und die mögliche Gegenseite. Es besteht aus vier Feldern:
1. Positive Würdigung (links oben): Was ist gut an dem Verhalten?
2. Gefahrenhinweis bei Übertreibung (links unten): Was passiert, wenn diese Stärke übertrieben wird?
3. Entwicklungsempfehlung (rechts oben): Wie könnte die Stärke weiterentwickelt oder ergänzt werden?
4. Hinweis auf Gegengefahr (rechts unten): Was droht, wenn man ins Gegenteil kippt?
Optional folgt eine konkrete Handlungsempfehlung.
Beispiel angewendet – Feedback zur Prüfgenauigkeit
Konkret auf das zuvor eingeführte Beispiel angewendet könnte das Feedback wie folgt formuliert werden:
Positive Würdigung (Genauigkeit):
"Ich schätze deine Genauigkeit sehr – du sorgst dafür, dass unsere Abrechnungen stimmen und wir keinen Cent zu viel zahlen."
Gefahrenhinweis bei Übertreibung (Pedanterie):
"Manchmal wirkt dein Vorgehen auf andere allerdings pedantisch – gerade wenn du lange auf Kleinstbeträgen beharrst, führt das zu Spannungen mit dem Bauunternehmen."
Entwicklungsempfehlung (Blick fürs Wesentliche):
"Vielleicht kannst du deine Genauigkeit noch besser zur Geltung bringen, wenn du zusätzlich den Blick fürs Wesentliche stärkst – also prüfst, was tatsächlich entscheidungs- oder kostenrelevant ist."
Hinweis auf Gegengefahr (Oberflächlichkeit):
"Klar ist: Wir dürfen dabei nicht in die andere Richtung kippen – oberflächlich prüfen wäre ebenso schädlich."
Konkrete Handlungsempfehlung (optional):
"Wie wäre es, wenn du dir bei jeder Position kurz überlegst: Ist das eine Kleinigkeit, die im Verhältnis zum Gesamtvolumen steht? Dann könnten wir uns auf einen pragmatischen Umgang einigen."
Richtig Feedback geben und was noch kommt
"Feedback nach dem Quadrat-Modell ist ein Mittelweg zwischen Schwarz und Weiß. Es erlaubt, Verhalten differenziert zu betrachten, anzuerkennen – und zu justieren. Gerade auf der Baustelle, wo Kommunikation oft direkt, aber nicht immer feinfühlig ist, bietet das Feedback-Quadrat einen wertvollen Rahmen: wertschätzend, aber nicht weich – klar, aber nicht verletzend", so Kommunikationsprofi Stefan Ufertinger.
In den kommenden Artikeln dieser Kolumne gehen wir noch gezielter auf Lob und Kritik ein: Wann ist Lob glaubwürdig – und wann schädlich? Wie gelingt Kritik, die den anderen nicht beleidigt, sondern stärkt? Bleiben Sie dran – für ein besseres Miteinander auf Augenhöhe.
Über Site Communications
Stefan Ufertinger ist Gründer und Geschäftsführer von Site Communications. Zudem ist er allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Verdingungswesen, Leiter Bauwirtschaft bei Afry Austria sowie zertifizierter Lean Construction Manager.
Site Communications berät Bauunternehmen in Sachen Kommunikation auf der Baustelle. Durch die gezielte Weiterentwicklung der einzelnen Projektbeteiligten hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die gesamte Baubranche von innen nach außen zu "gesunden".
Dieser Artikel erschien zuerst in der Juni-Ausgabe des Baugewerbe Magazins.













