Nachhaltigkeit
Heidelberg Materials Mineralik - erstes CO2-neutrales Kieswerk
Die Transformation energieintensiver Produktionsprozesse gehört zu den größten Herausforderungen der Baustoffindustrie. Während Nachhaltigkeitsziele und steigende Energiekosten den Handlungsdruck erhöhen, entstehen an einzelnen Standorten bereits Lösungen, die zeigen, wie sich Rohstoffgewinnung und Klimaschutz miteinander verbinden lassen. Ein aktuelles Beispiel liefert Heidelberg Materials Mineralik am Standort Zurow in Mecklenburg-Vorpommern. Dort wurde die Energieversorgung des Werks vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt. In Kombination mit elektrisch betriebenen Radladern entsteht damit eines der ersten nahezu CO2-neutralen Kieswerke Deutschlands.
Für die Bauwirtschaft ist dieses Projekt von besonderem Interesse. Es verdeutlicht, wie technologische Innovationen nicht nur Emissionen reduzieren, sondern zugleich die Betriebseffizienz steigern und langfristige Versorgungssicherheit schaffen können.
Vom Strombezug bis zur Eigenversorgung: Ein neues Energiekonzept für die Kiesgewinnung
Der Standort Zurow bezieht seinen Strom heute vollständig aus regenerativen Quellen. Damit werden sämtliche stationären Prozesse im Werk bereits mit erneuerbarer Energie betrieben. Gleichzeitig verfolgt Heidelberg Materials Mineralik das Ziel, den Anteil der Eigenstromerzeugung kontinuierlich auszubauen.

Heidelberg Materials Mineralik und Steinag gründen Joint Venture „Volcano“
Die Gründung des Joint Venture „Volcano“ durch Heidelberg Materials Mineralik und Steinag stärkt die Versorgung mit nachhaltigen Rohstoffen für die Zementindustrie.
Ein zentraler Baustein dieses Konzepts ist eine bereits installierte schwimmende Photovoltaikanlage. Die Anlage verfügt über eine Leistung von 2,6 MWp und wurde auf einem rund 1,5 Hektar großen See errichtet, der durch den Rohstoffabbau entstanden ist. Das Besondere: Für die Energieerzeugung werden keine zusätzlichen Flächen beansprucht. Die Nutzung bestehender Abbaugewässer eröffnet damit neue Möglichkeiten für die nachhaltige Energieversorgung von Gewinnungsstätten.
Das Projekt zeigt beispielhaft, wie sich erneuerbare Energien direkt in bestehende Betriebsstrukturen integrieren lassen und dabei gleichzeitig Anforderungen an Wirtschaftlichkeit und Flächeneffizienz erfüllen.
Elektrische Radlader schließen die letzte große Emissionslücke
Trotz der Umstellung stationärer Anlagen blieb in vielen Kieswerken bislang ein wesentlicher Emissionsfaktor bestehen: mobile Arbeitsmaschinen mit Dieselantrieb. Gerade Radlader sind für den Materialumschlag unverzichtbar und verursachen im täglichen Betrieb erhebliche CO2-Emissionen.
Am Standort Zurow wurde deshalb ein neuer Ansatz verfolgt. Nach einem erfolgreichen Praxistest setzt Heidelberg Materials Mineralik inzwischen zwei vollelektrische Radlader des Typs LiuGong 870HE im Regelbetrieb ein. Die Maschinen verfügen über eine Batteriekapazität von 423 kWh sowie zwei Elektromotoren mit jeweils 160 kW Leistung.
Um den kontinuierlichen Einsatz sicherzustellen, wurde eine Ladeinfrastruktur mit einer Ladeleistung von 150 kW aufgebaut. Die bisherigen Betriebserfahrungen zeigen, dass die elektrischen Maschinen hinsichtlich Leistung, Bedienkomfort und Umschlagkapazität mit konventionellen Dieselradladern der 23-Tonnen-Klasse vergleichbar sind. Im täglichen Betrieb werden in Zurow bis zu 2.500 Tonnen Sand und Kies verladen.
Für Bauunternehmen und Betreiber von Gewinnungsstätten liefert das Projekt wichtige Erkenntnisse. Die Elektrifizierung schwerer Arbeitsmaschinen entwickelt sich zunehmend von einer Pilotanwendung hin zu einer praxistauglichen Alternative für den industriellen Einsatz.
Das CO2-neutrale Kieswerk als Modell für die Baustoffindustrie
Mit der Elektrifizierung der Verladung wurde die letzte wesentliche CO2-Quelle innerhalb des Produktionsprozesses weitgehend eliminiert. Dadurch nimmt das Werk Zurow innerhalb der Unternehmensgruppe eine besondere Rolle ein. Das nahezu CO2-neutrale Kieswerk dient als Referenzprojekt für zukünftige Entwicklungen und liefert wertvolle Erfahrungswerte für weitere Standorte.
Gerade vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an die Dekarbonisierung der Baustoffproduktion gewinnt die Übertragbarkeit solcher Konzepte an Bedeutung. Die Kombination aus erneuerbaren Energien, elektrischen Arbeitsmaschinen und eigener Stromerzeugung könnte künftig zu einem wichtigen Standard für moderne Rohstoffgewinnungsstandorte werden.
Nachhaltigkeit als kontinuierlicher Entwicklungsprozess
Die Umstellung auf eine nahezu emissionsfreie Produktion ist Teil einer langfristigen Unternehmensstrategie. Der Standort Zurow verfügt bereits über Zertifizierungen in den Bereichen Qualitäts-, Umwelt- und Energiemanagement. Darüber hinaus wurde das Werk mit dem Gold-Status des Concrete Sustainability Council (CSC) ausgezeichnet, einem international anerkannten Nachweis für nachhaltige Baustoffproduktion.
Dabei steht nicht allein die Reduzierung von Emissionen im Fokus. Ebenso wichtig sind die kontinuierliche Verbesserung von Prozessen, die Erhöhung der Energieeffizienz und die systematische Nutzung technologischer Innovationen. Für die Bauwirtschaft entstehen dadurch wertvolle Praxisbeispiele, wie Nachhaltigkeitsziele mit wirtschaftlichen Anforderungen in Einklang gebracht werden können.
Auch die Logistik rückt in den Fokus
Der Weg zu einer klimafreundlicheren Baustoffproduktion endet nicht am Werkstor. Heidelberg Materials Mineralik setzt deshalb auch im Transportbereich auf alternative Kraftstoffe. Bereits heute können auf Kundenwunsch Logistiklösungen mit HVO 100 angeboten werden. Der erneuerbare Dieselkraftstoff wird aus ölhaltiger Biomasse hergestellt und ermöglicht gegenüber herkömmlichen Diesel-Lkw eine deutliche Verringerung der CO2-Emissionen.
Damit zeigt das Beispiel Zurow, dass nachhaltige Rohstoffgewinnung nicht auf einzelne Maßnahmen beschränkt bleiben muss. Erst das Zusammenspiel aus erneuerbarer Energieversorgung, elektrifizierten Produktionsprozessen und emissionsärmerer Logistik eröffnet das Potenzial für eine umfassende Dekarbonisierung der Wertschöpfungskette im Baustoffsektor.
Bedeutung für die Bauwirtschaft
Das Projekt von Heidelberg Materials Mineralik verdeutlicht, wie sich technologische Innovationen zunehmend in den operativen Alltag von Gewinnungs- und Baustoffbetrieben integrieren lassen. Das nahezu CO2-neutrale Kieswerk in Zurow steht exemplarisch für die Entwicklung einer Branche, die Nachhaltigkeit nicht mehr als Zukunftsvision betrachtet, sondern als konkrete betriebliche Aufgabe. Für Bauunternehmen, Projektentwickler und öffentliche Auftraggeber entstehen dadurch neue Perspektiven für klimafreundliche Baustofflieferketten und eine nachhaltigere Bauwirtschaft.










