Stefan Ufertinger:
Widerstände vermeiden
Worte sind mächtig. Sie können Brücken bauen oder Barrieren schaffen, Dialoge öffnen oder Türen zuschlagen. Sehr oft scheitert die Verständigung an inneren Widerständen des Gegenübers.
Ist dies der Fall, verschließt sich der Gesprächspartner gegen jeglichen Inhalt. Um auf der Baustelle Lösungen zu erzeugen, muss dies verhindert werden. Doch wie entstehen solche Widerstände? Und wie lassen sie sich durch klare, respektvolle Kommunikation vermeiden?
Wie innere Widerstände entstehen und welche Folgen sie haben
Innere Widerstände sind die Reaktion auf das Gefühl, nicht verstanden, nicht respektiert oder sogar angegriffen zu werden. Sie entstehen häufig, wenn Menschen sich bevormundet fühlen, Angst vor Veränderung haben oder ihre Position bedroht sehen. Derartige Blockaden zeigen sich in Form von Ablehnung, Zurückhaltung oder sogar offener Opposition.
Die Folgen solcher Widerstände sind gravierend: Verzögerte Entscheidungen, stockende Kommunikation oder ein vergiftetes Arbeitsklima können Projekte ausbremsen. Gerade im Bauwesen, wo Teamarbeit und klare Absprachen essenziell sind, sind solche Störungen besonders problematisch. Es gilt also, die Ursachen von Widerständen frühzeitig zu erkennen und durch eine gezielte Kommunikationsstrategie zu entschärfen.
Das KESS-Prinzip, um Widerstände zu vermeiden
Verwirrung und Missverständnisse entstehen oft durch eine unklare Ausdrucksweise. Lange, verschachtelte Sätze und unstrukturierte Informationen überfordern die Zuhörer und hinterlassen das Gefühl, nicht abgeholt zu werden. Wer auf den Punkt kommt, schafft Vertrauen.
Daher: Formulieren Sie kurz, prägnant und strukturiert. Eine klare Gliederung Ihrer Argumente hilft Ihrem Gegenüber, den Inhalt besser zu verstehen und nachzuvollziehen. Arbeiten Sie mit Bulletpoints, Zwischenüberschriften oder visuellen Hilfsmitteln wie Skizzen, um komplexe Sachverhalte greifbar zu machen. Denn: Klarheit schafft Akzeptanz.
Dabei hilft wunderbar ein Akronym: das KESS- Prinzip. Die vier Buchstaben stehen für die Anfangsbuchstaben der Wörter "kurz, einfach, strukturiert, stimulierend". Um sich kurz zu fassen, sollte alles Unnötige weggelassen werden. Nur was die Botschaft unterstützt, wird gesagt. Dies sollte mehrheitlich in einfachen Hauptsätzen formuliert werden. Undurchsichtige Nebensatzkonstruktionen verwirren und führen zu Widerständen.
Wir Menschen mögen Struktur. Einer Botschaft mit einer klaren Struktur können wir viel besser folgen. Erkennen wir keinen roten Faden, ist die Akzeptanz für das Gesagte weg. Zu guter Letzt sollte die eigene Aussage möglichst stimulierend präsentiert werden. Dies funktioniert wunderbar mit Beispielen, Geschichten und Metaphern. Aber bitte auch hier kurz und prägnant bleiben.
Mit dem KESS-Prinzip kann die Wahrscheinlichkeit von Widerständen beim Empfänger deutlich reduziert werden.
Generalisierungen vermeiden und damit die Akzeptanz erhöhen
"Nie machst du das, was ich sage!" oder "Sie machen das immer falsch!" – solche Generalisierungen sind pures Gift für jede Kommunikation. Sie setzen den Gesprächspartner in eine Schublade und ignorieren individuelle Perspektiven. Das Ergebnis: Widerstand statt Dialog.
Vermeiden Sie daher pauschale Aussagen und bleiben Sie spezifisch. Sprechen Sie konkrete Situationen oder Handlungen an, statt Menschen oder Gruppen zu verurteilen. Das zeigt nicht nur Respekt, sondern eröffnet auch die Möglichkeit, sachlich über Lösungen zu sprechen, ohne in Rechtfertigungen oder Verteidigungsmodi zu verfallen.
Mit respektvoller Kommunikation der eigenen Sichtweise Gehör verschaffen
Widerstände lassen sich nicht immer vollständig vermeiden, aber sie können durch eine gezielte, respektvolle Kommunikation deutlich reduziert werden. Wer klar, respektvoll und wertschätzend kommuniziert, schafft die Grundlage für Kooperation und gegenseitiges Verständnis. Im hektischen Alltag auf der Baustelle lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und darüber nachzudenken, wie die eigenen Worte wirken. Denn am Ende des Tages bauen wir nicht nur Gebäude, sondern auch Beziehungen – und die sind oft das stabilste Fundament.
Über Site Communications
Stefan Ufertinger ist seit 2021 allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Verdingungswesen, Leiter Bauwirtschaft bei Afry, Lean Construction Manager. Daneben berät er Bauunternehmen in Sachen Kommunikation auf der Baustelle. Seine Vision ist ein Kulturwandel auf dem Bau. Durch die gezielte Weiterentwicklung der einzelnen Projektbeteiligten hat es sich Ufertinger zur Aufgabe gemacht, die gesamte Baubranche von innen nach außen zu "gesunden". "Sozusagen vom Kleinen zum großen Ganzen. Dadurch belebe ich die Begeisterung für das Bauwesen wieder. Dieser neue Spirit führt zu einer Projektabwicklung mit Freude und Leichtigkeit, sowie Ressourcen-, Kosten- und Zeitersparnis. Die Baubranche gewinnt dadurch wieder an Attraktivität und wird zum Konjunktur- und Innovationsmotor", sagt Stefan Ufertinger. Denn er habe selbst früh erfahren, wie fordernd die Arbeit auf der Baustelle sein können.
Dieser Gastbeitrag erschien zuerst in Ausgabe 03_2025













