Wirtschaft & Verbände
Gemeinsame Ziele definieren und systematisch umsetzen
Wir befragten Gisela Raab über die Zukunftskonferenzen in ihrem Betrieb, die Unternehmensziele bis 2020 und wie wichtig die Mitarbeiter bei der Strategiefindung sind.
Gisela Raab: 1996 haben mein Cousin und ich die Firma von unseren Vätern übernommen. Aber so ein formaler Akt auf dem Papier ist noch lange kein gelebter Generationenwechsel. Daher war es uns sehr wichtig, mit einem entsprechenden Veränderungsprozess die neue Führung einzuläuten. Zukunftskonferenzen sind die besten Instrumente für einen schnellen Wandel in großen Gruppen.
Es ging darum, von einem traditionell hierarchisch geführten Betrieb den Wandel zu einem Betrieb zu schaffen, in dem Eigenverantwortung und Mut zur Mitsprache gelebt werden. Es bedarf dazu erlebter Prozesse, um vom Befehlsempfänger zum selbstständigen Denker und Entscheider befähigt zu werden. Das wichtigste Ziel war, allen klarzumachen, dass die Zukunft des Unternehmens von heute an von allen Beteiligten mitverantwortlich gestaltet wird.
Trotz der Krisenjahre am Bau von 1996 bis 2006 konnten wir schon 2001 unsere Ergebnisse deutlich verbessern und bis zum Ende der Baukrise stabilisieren. Ich sah unsere Firma wie ein träges Schiff, das plötzlich lernte, leicht den Kurs zu wechseln, und zu einem flexiblen, wendigen Segelschiff wurde, in dem alle Mann nun in einem Boot saßen und die gemeinsame Zukunft vor Augen hatten.
Wir sahen uns schon immer als eine große Gemeinschaft, in der jeder mitreden und seine Ideen einbringen durfte. Die Mozart-Fähigkeiten jedes Einzelnen spielen eine immer größere Rolle für unseren Erfolg. Darum war es uns wichtig, bei „Raab 2020“ wirklich alle einzuladen und auf die nächste große Reise mitzunehmen.
Bei der zweiten Zukunftskonferenz ging es darum, unsere Visionen eines Unternehmens Wirklichkeit werden zu lassen, in der die Arbeit richtig Freude bereitet, die Mitarbeiter sollten gesund bleiben und sich wohlfühlen. Gleichzeitig wollten wir anspruchsvolle und gewinnbringende Aufträge erhalten und mit unserer Arbeit Vorbild für umweltbewusstes und nachhaltiges Bauen sein.
In einer Zukunftskonferenz sind alle Mitarbeiter in Bewegung. Bei der letzten haben wir gemeinsam eine Mauer aufgebaut, die alle Themen enthielt, die uns täglich behindern und frustrieren. Anschließend wurde die Mauer abgerissen, im Grunde ein symbolischer Neuanfang. Danach arbeitete die gesamte Belegschaft daran, neue Ideen zu entwickeln, um letztlich an unserem Ziel „Aus Freude am Bauen“ wachsen können.
Jeder Mensch wünscht sich nichts sehnlicher, als beachtet zu werden und wichtig zu sein. Es ist die Motivation fürs Leben schlechthin. Aus diesem Grund haben wir Ende 2010 eine umfangreiche Mitarbeiterbefragung durchgeführt, bei der wir unsere Mitarbeiter zum Betriebsklima, zur Firmenpolitik, zum Informationsfluss, zur Einbeziehung bei Entscheidungen usw. befragt haben. Insgesamt haben unsere Mitarbeiter die Gesamtsituation als sehr gut bewertet.
Die Vision „Raab 2020“ umfasst 21 Themenbereiche. Ein wichtiger Punkt sind die Themen „Abnahme und Mangelfreiheit“. Durch die ständige Qualifikation und Schulung unserer Mitarbeiter, die sorgfältige Auswahl der Materialien und der besten Handwerksbetriebe als Nachunternehmer, beste Planer und sorgfältige Arbeitsvorbereitung, sowie eine ausreichende Bauzeit konnten wir auch im Geschosswohnungsbau bei den Abnahmen über 95 % mängelfreie Wohnungen erreichen.
Wir haben trotz Facharbeitermangel immer genügend Bewerber auf unsere ausgeschriebenen Stellen. Das alleine spricht für unsere Art der Unternehmensführung und unseren guten Ruf als Arbeitgeber. Ich denke, wir sind auf dem besten Weg zu glücklichen Mitarbeiter und glücklichen Kunden.
Wer sein Ziel nicht kennt, braucht sich nicht wundern, wenn er niemals ankommt. Gemeinsam Ziele definieren und dann systematisch umsetzen, ist das Wichtigste, was es in einem Unternehmen zu tun gibt.
Natürlich werden wir 2020 unsere nächste Zukunftskonferenz Raab 2030 durchführen. Dann steht ja schon die nächste Generation in den Startlöchern, die Bedürfnisse der Mitarbeiter werden andere sein, die Welt wird eine andere sein. Dafür braucht es Antworten und Strategien.
Wir haben jedes Jahr 2 große Treffen. Einmal unsere Belegschaftsversammlung, in der alle Mitarbeiter über die Entwicklung unserer Firma, neue Projekte und Strategien informiert werden. Dann gibt es noch das Strategietreffen, an dem alle Vorarbeiter, alle Bauleiter und das komplette Lager, die Werkstatt und der Einkauf teilnehmen. Hier werden jährlich anstehende Verbesserungen in den Abläufen erarbeitet, damit die Logistik, das Material, die Geräte immer weiter optimiert werden und es zu keiner Verschwendung von Arbeitszeit auf den Baustellen kommt und wir beste Qualität herstellen können.








