Geschichte geschrieben
Weltpremiere: Volvo, Husqvarna und Metzner-Recycling realisieren vollelektrischen Rückbau
In Erlangen entsteht derzeit ein Bauprojekt, das weit über regionale oder branchenspezifische Grenzen hinaus Beachtung findet.
Auf dem Gelände des künftigen Siemens Technology Campus ist der weltweit erste vollelektrische Rückbau im industriellen Maßstab Realität geworden – ein Leuchtturmprojekt für nachhaltigen Klimaschutz, moderne Abbruchtechnologien und den Einsatz alternativer Antriebe. Es zeigt eindrucksvoll, wie Zukunft schon heute gebaut wird: emissionsfrei, ressourcenschonend und konsequent auf Umweltschutz ausgerichtet.
Bereits die Planung des künftigen Forschungs- und Entwicklungszentrums war zukunftsweisend: Siemens verknüpfte den Neubau mit einem digitalen Zwilling, um Nachhaltigkeit von Anfang an mitzudenken. Doch die eigentliche Pionierleistung beginnt noch vor dem Neubau – beim Abbruch. Anstelle konventioneller Maschinen setzen die Projektpartner auf eine Flotte rein elektrisch betriebener Baumaschinen, bereitgestellt von Volvo Construction Equipment (Volvo CE).
Gemeinsam mit dem Rückbauspezialisten Metzner Recycling entsteht ein durchgängiger Prozess, der zeigt, wie sich Abbruch und Recycling im Zeichen des Klimawandels neu denken lassen.
CO₂-neutraler Abbruch im industriellen Maßstab
Zwei Bestandsgebäude mit insgesamt 24.700 Kubikmetern Volumen wurden vollständig elektrisch rückgebaut. Der dabei entstehende mineralische Bauschutt – rund 12.800 Tonnen – wird direkt vor Ort recycelt. So entsteht ein geschlossener Stoffkreislauf, der Transporte vermeidet und Ressourcen schont. Die Wiederverwertungsquote beträgt beeindruckende 96 Prozent. „Wir haben uns als Unternehmen ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele gesetzt und wollen bis 2030 klimaneutral sein“, erklärt Daniel Bechmann, General Manager des Bauprojekts bei Siemens Real Estate.
„Daher war es für uns eine tolle Gelegenheit, gemeinsam mit unseren kompetenten Rückbaupartnern einen entscheidenden Beitrag zur CO₂-Reduzierung auf einer Großbaustelle umzusetzen.“
Technologie trifft Praxis: Der elektrische Maschinenpark
Zum Einsatz kam ein umfassend elektrifizierter Maschinenpark von Volvo CE – darunter der kompakte ECR18 Bagger, der Radlader L20 Electric, der Umschlagbagger EW240 Electric MH sowie der Raupenbagger EC230 Electric.
Ergänzt wurde das Setup durch emissionsfreie Volvo-Trucks für den Materialtransport und durch Abbruchroboter von Husqvarna Construction, deren Präzision und Staubmanagement zentrale Bestandteile des emissionsarmen Arbeitens waren. Jeder einzelne Arbeitsabschnitt – vom selektiven Rückbau über das Materialhandling bis hin zur mobilen Aufbereitung – wurde elektrisch betrieben.
„Unsere Transformation ist keine Vision mehr, sondern Realität“, betont Therese Schmitz-Hillebrecht, Head of Market Area Central Europe bei Volvo Construction Equipment. „Wir entwickeln nicht nur elektrische Baumaschinen – wir begleiten unsere Partner auf dem Weg in eine emissionsfreie Zukunft.“ Auch Peter Bauer, Segment Leader bei Volvo CE, verweist auf die Bedeutung des Gemeinschaftsprojekts: „Metzner hat den Mut gezeigt, neue Wege zu gehen – und Volvo konnte gemeinsam mit Partnern zeigen, welches Potenzial heute schon im elektrischen Bauen steckt.“
Michael Metzner, Geschäftsführer von Metzner-Recycling betonte seinerseits den Anspruch und die Bereitschaft im mittelfränkischen Erlangen die weltweit erste rein elektrische Abbruch-Baustelle durchzuführen: "Wir haben gleich gemerkt, Volvo und Metzner, die haben so eine ähnlich Idee, die schauen nach vorne und wollen das Thema nachhaltige Baustelle weiter voranbringen." Möglich sei dieses Leuchtturmprojekt gewesen, da auf der Baustelle bereits die richtigen Spannungen für die Maschinen und Werkzeuge vorhanden gewesen seien, sagte Metzner weiter.
Dass die großen Volvo-Bagger kabelbetrieben sind, war also kein Problem. Vielmehr zeigt dieses Abbruchvorhaben, was alles mit der richtigen Infrastruktur möglich ist. Es bleibt an dieser Stelle zu hoffen, dass es die politischen Entscheidungsträger wirklich den "Bau-Turbo" zünden und die Basis für weitere Null-Emissionen-Baustellen schaffen.
Kreislaufwirtschaft auf der Baustelle – emissionsfrei und digital
Das Projekt ist nicht nur ein technologischer Meilenstein, sondern auch ein praktisches Modell für zirkuläres Wirtschaften auf der Baustelle. Metzner Recycling bringt seine Expertise in der Wiederverwertung von Bauteilen und der sortenreinen Trennung mineralischer Materialien bereits im Rückbauprozess ein. So entstehen aus dem, was einst Rückstand war, neue Baustoffe – effizient und umweltgerecht.
„Dass wir nun den ersten großen Schritt zur vollelektrischen und damit emissionsarmen Rückbaubaustelle als technischen Standard geschafft haben, ist für uns – das Team Metzner – und unsere Bauherren ein riesiger Erfolg“, sagt Geschäftsführer Michael Metzner.
Für Husqvarna Construction ist das Projekt ein Beleg dafür, dass emissionsfreie Baustellen keine ferne Utopie mehr sind. „Dieser vollständig elektrisch betriebene Rückbau beweist die Machbarkeit von Baustellen mit Null-Emissionen. Die Erkenntnisse, die wir daraus ziehen können, sind für alle Beteiligten wertvoll, von politischen Entscheidungsträgern über Kunden aus der Bauindustrie bis hin zu Projekteignern und Maschinenbetreibern“, erklärt Mathias Pfitzenmeier, VP Sales & Services Deutschland.
Ein echter Wandel: vom Experiment zum neuen Standard
Was zunächst als Pilotversuch erscheinen mag, ist in Wahrheit ein ausgereifter Feldtest unter realen Bedingungen – mit messbaren Ergebnissen und einer klaren Vision. Die Baustelle diente nicht nur als technisches Versuchsfeld, sondern als Lernumgebung für alle Beteiligten:
von der Bauleitung bis zur Maschinentechnik. Die Offenheit seitens Siemens Real Estate, die Bereitschaft von Metzner Recycling zur Umsetzung und die Innovationskraft von Volvo CE und Husqvarna haben zusammen ein Projekt ermöglicht, das neue Maßstäbe setzt.
Die rein elektrische Abbruch-Baustelle in Erlangen zeigt, wie der Weg zur CO₂-Reduktion im Bauwesen aussehen kann. Nicht als theoretisches Ziel, sondern als praktischer und skalierbarer Standard.
Das Zusammenspiel aus intelligenter Planung, alternativen Antrieben, digitalem Monitoring und konsequenter Kreislaufwirtschaft eröffnet neue Möglichkeiten – und schafft einen echten Mehrwert für Klimaschutz und Umweltschutz.
















