Bauen im Bestand

Rita Jacobs,

Aufstockung in Holzbauweise

Aufstockung eines Wohngebäude Schwabing-West in München © James Hardie Europe GmbH

Im Münchner Stadteil Maxvorstadt punktet eine Aufstockung in Holzbauweise mit perfekten Details, durchdachtem Schallschutz und einer hohen Wohnqualität. Dazu trägt auch eine Fußbodenheizung bei, die mit einem Trockenstrichsystem eingebracht wird.

Elastisch gebundene Splittschüttung: Die Mischung ist mittels Estrichpumpe förderfähig und dadurch ideal geeignet für Großprojekte © James Hardie Europe GmbH

Explodierende Mieten, monatelange Wohnungssuche, großer Andrang bei Besichtigungsterminen – wer in den Ballungszentren ein neues Zuhause sucht, braucht vor allem eins: Geduld, Glück und Geld. Wohnraum, zudem bezahlbarer, ist in beinahe allen größeren Städten knapp. In München besonders. Zumal sich hier zumindest Teile der Lokalpolitik gegen die Erschließung großer neuer Wohnbaugebiete im Norden und Nordosten der Stadt sperren. Unter dem Motto "München setzt einen drauf" wurde daher im Stadtrat der Antrag für eine Kampagne zur Aufstockung von Wohngebäuden eingebracht. Der besondere Charme solcher Lösungen: Zusätzliches Bauland wird nicht benötigt, eine Aufstockung spart sowohl die Grundstücks- als auch die Erschließungskosten. Nicht nur die angespannten Wohnungsmärkte könnten so entlastet werden, vielmehr sind die Dachaufbauten auch eine Chance, bei entsprechend hoher architektonischer Qualität ganze Stadtviertel aufzuwerten.

Wenn die Randdämmstreifen angebracht sind, kann... © James Hardie Europe GmbH

Holzständerbauweise

Die Aufstockung eines Mehrfamiliengebäudes in der beliebten Münchener Maxvorstadt liegt hier voll im Trend. Der ursprünglich dreistöckige Bestandsbau aus dem frühen 20. Jahrhundert wurde um zwei Geschosse erweitert. Die Maßnahme erfolgte in Holzständerbauweise. Das Verfahren bietet generell Vorteile. Es kann vor allem in Bereichen eingesetzt werden, in denen der massiven Bauweise aus Gewichtsgründen Grenzen gesetzt sind. Bewährt hat sich dabei eine Bekleidung (z. B. mit fermacell Gipsfaserplatten), die universell als Bau-, Feuerschutz und Feuchtraumplatten eingesetzt werden können.

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... die Masse anschließend direkt auf den trockenen Untergrund aufgebracht werden © James Hardie Europe GmbH

Nichtbrennbarer Baustoff

Die Platten sind gemäß der DIN EN 13501 als nichtbrennbarer Baustoff der Baustoffklasse A2 definiert und gewährleisten je nach Konstruktion einen Brandschutz bis zur Feuerschutzklassifizierung F120. Eine EPD bestätigt die nachhaltigen Eigenschaften der aus 100 Prozent natürlichen Materialien hergestellten Gipsfaserplatten und Estrichelemente. Dadurch können die Produkte in allen Gebäuden eingebaut werden, die gemäß der Gebäudezertifizierungssysteme von DGNB, BNB, BREEAM und LEED bewertet werden sollen.

Die Wohnungen der beiden neuen Etagen sollten mit dem modernen Komfort einer Fußbodenheizung ausgestattet werden und zudem entsprechend dem gehobenen Anspruch des Objektes erhöhten Trittschallschutz von mindestens 50 dB aufweisen. Die Architekten planten von Anfang an mit Trockenestrichsystemen. Damit konnten einerseits potenzielle statische Probleme des Bestandsbaus umgangen werden, denn trockenen Estrichkonstruktionen punkten mit einem relativ niedrigen Flächengewicht. Je nach Fabrikat, Aufbau und System sind Flächengewichte ab 23 kg/m² möglich. Bei herkömmlichen Nass-Estrichen dagegen muss mit einem Gewicht von 100 bis 120 kg/m² gerechnet werden. Das entspricht etwa dem Unterschied zwischen einem Kleinwagen und einem Transporter oder – bezogen auf eine Fläche von 25 m² – einer Mehrbelastung von 1800 kg. Auf die Belastbarkeit hat dies keinen Einfluss. Hier sind Trockenestriche durchaus mit herkömmlichen, massiven Estrichsystemen vergleichbar.

Bauablauf beschleunigen

Mit Trockenestrichsystemen kann der Bauablauf deutlich beschleunigt werden, da beim Einbau keine zusätzliche Feuchtigkeit in den Bau eingebracht wird. Das bedeutet: Während es rund vier Wochen dauert, bis ein Nassestrich ausreichend getrocknet und durchgehärtet ist und der Boden in diesem Zeitraum nicht belastet werden darf, kann nach der Verlegung von Trockenestrichen beinahe ohne Zeitverzug weitergearbeitet werden. Denn die Estrichelemente sind unmittelbar nach der Verlegung begehbar und 24 Stunden später belegreif. Es kommt hinzu, dass Nassestriche nicht nur die Fertigstellung verzögern – immerhin werden bei einer Wohnfläche von ca. 150 m² bis zu 1200 Liter Wasser eingebracht – sondern durch die Auffeuchtung der sonst trockenen Baustoffe häufig auch Ursache von später auftretenden Problemen sind. Ein zusätzliches Plus ist Sicherheit im Brandschutz (nicht brennbar, Klasse A2-s1 d0 nach EN 13501).

Direkt auf der gebundenen Splittschüttung werden eine Lage Mineralwolle (20 mm) sowie zur Lastverteilung eine Lage Gipsfaserplatten (10 mm) angeordnet © James Hardie Europe GmbH

Die Planer entschieden sich für ein Fußbodenheizsystem von James Hardie (fermacell Therm25). Um die bestehenden Schallschutzanforderungen zu erreichen, bauten die Handwerker jedoch zunächst ein Wabendämmsystem des Herstellers ein, das speziell für die schallschutztechnische Ertüchtigung von Holzbalkendecken bei Neubau und Sanierung entwickelt wurde.

Durch Anmischung mit dem Schüttungsbinder konnte eine elastische Bindung der Wabenschüttung erreicht werden. Diese wurde dadurch förderfähig und konnte mittels Estrichpumpe als elastisch gebundene Splittschüttung in die oberen Etagen des Gebäudes gepumpt werden. Durch variable Schichtdicken – möglich sind Schütthöhen von 10 mm bis 200 mm - kann der Schallschutz damit den jeweils gewünschten Werten problemlos angepasst werden. Die Estrichwabe ist dabei nicht notwendig. Gleichzeitig machte das Verfahren den Bauablauf deutlich schneller.

Das angemischte Material wurde nach Anbringen der Randdämmstreifen direkt auf der Holzbalkendecke aufgebracht und von den Verarbeitern mit einer Abziehlehre auf die Stärke von 75 mm abgezogen. Dieser Aufbau beschwert die Roh- decke direkt und mindert durch die zusätzlich eingebrachte Masse die Schallübertragung wesentlich. Die Fläche ist nach 12 Stunden begehbar und bereits nach 24 Stunden belegreif.

Die fertig verlegte Wabenschüttung: Der Schallschutz lässt sich durch variable Schichtdicken den gewünschten Werten einfach anpassen © James Hardie Europe GmbH

Direkt auf der gebundenen Splittschüttung wurden im nächsten Schritt eine Lage 20 mm Mineralwolle aus Steinwolle sowie zur Lastverteilung eine Lage Gipsfaserplatten 10 mm angeordnet. Anschließend verlegten die Handwerker die Fußbodenheizelemente, was ihnen dank des handlichen Formats von 500 x 1000 mm schnell und einfach von der Hand ging.

Trockenestrich für Fußbodenheizungen

Alles nach Plan: Individuelle Verlegepläne bietet der Systemhersteller ohne Zusatzkosten an © James Hardie Europe GmbH

Das im Münchner Projekt verwendete Fußbodenheizsystem kombiniert Lastverteilschicht und Fußbodenheizung in einem System. Es besteht aus einer 25 mm dicken Gipsfaserplatte. Die Oberseite ist mit einer speziellen Fräsung mit Umlenknuten für die Verlegung der Fußbodenheizungsrohre versehen. Für besondere Grundrisse oder Türdurchgänge steht ergänzend das Element fermacell Therm25 rund zur Verfügung. Die Gipsfaserplatte ist für die Verlegung von 16 mm dicken Verbund-Heizungsrohren geeignet und kann in allen Anwendungsbereichen eingesetzt werden. Das Rastermaß der Ausfräsung beträgt 167 mm.

Unmittelbar nach der Verlegung der Fußbodenheizelemente begannen die Heizungsbauer mit der Installation der Rohre. Nachdem abschließend die Dichtigkeit des Systems überprüft wurde, montierten die Verarbeiter eine Decklage aus 10 mm Gipsfaserplatten. Dazu trugen sie als erstes entlang der Fugenstöße sowie zwischen jeder Fräsnut eine Klebeschnur (ca. 5 mm breit) Estrich Kleber auf, um die Fugenverklebung der Therm25-Elemente zu gewährleisten. Um bis zur Aushärtung des Klebers den nötigen Anpressdruck zu erzielen, wird die Decklage mit Schnellbauschrauben, die im Raster von ca. 165 x 250 mm in die Plattenfläche eingebracht wurden, zusätzlich verschraubt. Hilfreich ist dabei eine spezielle Schablone (fermacell Therm25-167), die verhindert, dass die Heizungsrohre durch die Befestigung verletzt werden. 24 Stunden später waren die Elemente begehbar und bereit für die Verlegung des Oberbelages.

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