Unterschreitung der Regeldachneigung

Damir Mioc | Damir Mioc,

Dominoeffekt auf dem Dach

Die Unterschreitung der Regeldachneigung bei Betondachsteinen war der Auslöser für einen Feuchtschaden im Dachbereich sowie des Rückbaus bis auf die Sparrenebene. Es gilt die Herstellerangaben zu beachten, insbesondere wenn es um Einsatzgrenzen der Produkte geht.

Untersicht Traufe

© Helmut König

In diesem Fall handelt es sich um einen Schaden bei einem Einfamilienhaus in den Allgäuer Voralpen, welches in einem städtischen Wohngebiet auf ca. 700 Meter über dem Meeresspiegel steht.

Das Objekt: Das Gebäude wurde im Jahr 2016 umfangreich kernsaniert, umgebaut und erweitert. Das Gebäude ist eingeschossig, mit einem Satteldach von 20° Neigung.  Wunsch und Vorstellung der Bauherrschaft war ein modernes, energieeffizientes Gebäude mit großen Glasflächen im Wohn- und Essbereich und offenen Wohnräumen bis unter das Dach. Auf der Westseite befindet sich zusätzlich ein großer Freisitz, über welchen das Dach des Wohnhauses verlängert wurde. Die Vordachbereiche wurden mit unbehandelten, 50 mm starken Holzwerkstoffplatten hergestellt. Im Freisitz war die Dachkonstruktion komplett sichtbar und alle Holzbauteile ebenfalls unbehandelt.

Da die Vordachbereiche mittels der auskragenden Fichte-Mehrschicht-Platten hergestellt wurden, ergab sich aus statischen Gründen im Trauf- und Ortgangbereich jeweils ein Faserverlauf der Decklage. Als Dacheindeckung wurden glatte Betondachsteine verwendet. Auf der Nord- und Ostseite des Gebäudes war im Abstand von 10 bis 20 Meter ein durchgehender Grüngürtel aus mächtigen Laubbäumen vorhanden, welche das Gebäude in der Höhe deutlich überragten.  Der Auftrag wurde von einem regionalen Architekten und regionalen Handwerkern zur Zufriedenheit aller ausgeführt.

Schadensbild: Im Jahre 2022 gab es einen Wassereintritt im Traufbereich am Kamin. Als Ursache wurden vom Dachhandwerker defekte Dachsteine festgestellt. Der Schaden wurde zeitnah behoben. In diesem Zusammenhang wurden von der Bauherrschaft die Wasserlaufspuren an der Dachuntersicht sowie Wasseraustritte hinter der Dachrinne bemängelt. Nach Aussage der Bauherrschaft würde bei fast jedem Regen das Wasser hinter der Dachrinne herauslaufen. Nachdem sich der Architekt und der ausführende Zimmerer dies nicht erklären konnten, wurde im Frühjahr 2023 der Sachverständige beauftragt.

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Holzfeuchtigkeit der Dachlattung: 24–30 Prozent bei 10 °C

© Helmut König

Bei der ersten Besichtigung wurde festgestellt, dass auf der gesamten Dachfläche die Wasserfalze sowie die Überdeckung der Dachsteine stark verschmutzt waren. Zudem war bei vielen Dachsteinen an der Überdeckung der Wasserfalze die untere rechte Ecke gebrochen. Auf der Nordseite wurde bei der Dach- und Konterlattung eine Holzfeuchtigkeit von 24 Prozent bis über 30 Prozent bei 10 °C gemessen. Bei weiteren Untersuchungen wurde festgestellt, dass das Nageldichtband der Konterlattung falsch eingebaut wurde. Dieses wurde mit der Klebefläche zur Konterlattung verbaut und war damit wirkungslos. Als Dachschalung wurde eine 18 mm OSB-Platte verbaut, welche in der Vorplanung zur Dachaussteifung vorgesehen war. In der Ausführung wurde dann zur Dachaussteifung ein Stahlkreuz eingebaut, es allerdings versäumt, den Dachaufbau mit der OSB-Platte zu ändern.

Der Dominoeffekt ging weiter: Es wurde festgestellt, dass die diffusionsoffene Dachbahn keine ausreichende Wasserableitung mehr hatte und deshalb das eingedrungene Wasser hinter der Dachrinne herauslief. Damit war es noch nicht zu Ende. Damit die OSB-Platte mit der 50 mm Vordachplatte höhengleich war, wurde auf den Sparren ein 30 mm starker Streifen aus Holzweichfaserplatten montiert. Dies wiederum war der Dominostein, welcher die Wasserführung in das Gebäude ermöglichte. Aufgrund des funktionslosen Nageldichtbandes konnte das Wasser über die Nägel der Konterlattung in die Aufdopplung aus Holzweichfaserplatten eindringen und wurde bis an den Übergang zur Vordachplatte abgeleitet. Von dort lief das Wasser teilweise bis in den Wohnbereich. Zudem wurde übersehen, dass die Zwischensparrendämmung durch die Aufdopplung um 30 mm zu niedrig war, sodass ein Hohlraum von der Vordachplatte bis zum First vorhanden war. Hinzu kam, dass die Mineralfaserdämmung nicht fachgerecht eingebaut wurde und erhebliche Hohlräume in der Dämmebene vorhanden waren. Somit gab es innerhalb der Dämmebene eine erhebliche Luftzirkulation.

Auszug aus mikado 09.24.

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