Bauen im Bestand

Jessica Stütz | Jessica Stütz,

Kellerwerft in Überlingen

Sieben Überlinger, die dem klassischen Segel- und Bootssport nahestehen, gründeten 2015 den Förderverein Yachtsport Überlingen e. V. (FYÜ) und stellten dem Gemeinderat ihren Plan vor, die historische Kellerwerft als „Gläserne Werft“ am alten Standort wiederzubeleben und um einen Gastronomie- und Clubbereich zu erweitern. Denn erweitert werden im klassischen Sinne durfte das morsche Holzhaus, das 1912 erbaut und 1914 nach einem Brand wieder aufgebaut wurde, nicht. Es war vorgeschrieben, die frühere Kubatur auf dem originalen Grundriss zu belassen, lediglich kaum sichtbare Veränderungen der Maße waren gestattet. Die Bauherrschaft und ihre zahlreichen Förderer mussten sich laut Erbbaurechtsvertrag mit einer etwas größeren Höhe bescheiden.

Dazu Niklaus Waser, Mitinitiator des Projekts und FYÜ-Vorstand: „Wir haben das Gebäude mit seinem Charakter restauriert, da eine grundlegende Renovierung der fast völlig zerstörten Substanz nicht möglich war. Auch die ehemalige Dachform wurde beibehalten: Der Nord-Süd-Giebel und der Ost-West- Giebel mit seinem Walmdach wurden rekonstruiert. Wir haben das Gebäude vom Charakter her erhalten, mit den Proportionen und der Lage. Wir wollten das Alte bewahren. Neu ist die Verwendung von Glas in großem Umfang, was unter anderem der jetzt integrierten Gastronomie geschuldet ist. Der heute hier aktive Handwerksbetrieb ist auf die Restauration von alten Schiffen spezialisiert, es ist aber keine Museumswerft. Unsere Gäste der Gastronomie haben durch die raumhohe Verglasung Zugang zum Bootshandwerk und können den Bootsbauern bei der Arbeit zuschauen. Werkstatt und Gastronomie werden betriebswirtschaftlich geführt.“

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Altes erhalten

Als Betreiber des Restaurants fand sich ein in Überlingen bekannter Gastronom, der das exklusive Ambiente zum Leben erweckte. Der Gastrobereich beherbergt eine Bar, die liebevoll und mit gediegenen Ledersesseln, Messingtheke und Paneelen ausgestattet ist. „Wir ließen nur massives Holz verarbeiten, auch für den Boden, nirgends Furniere, nur echtes Leder – wir wollten authentische Materialien. Über der Theke hängt die ehemalige Helling (= schiefe Ebene als Unterlage zum Bau von Schiffen) von 1912, auf der der Aufbau des Bootes mit Anfügen der Spanten begann. Ein Masttop von 1928 hängt unter der Decke und im Clubtisch im Obergeschoss eingelassen ist die Kielsohle des gleichen Schiffes, einer 6-m-WM-Yacht“, erklärt Waser. Auch der restaurierte Flügel aus dem Jahre 1936 ist keine Zierde und erklingt bei Clubfesten und Events im Restaurant. Alle Blicke auf sich zieht der gläserne Weinschrank (Brandschutzklasse F30). Er ist in ein Feld der gläsernen Wand, die die Werkstatt von der Gastronomie trennt, eingearbeitet.

Daneben geben zwei Achsen mit Hauptfeldern à 4 × 2,84 und zwei Oberlichtfeldern à 4 × 1,8 m (ebenfalls F30) den Blick in die Werft frei. Bis es dann so weit war, mussten nicht nur die Finanzierung (durch Fördermitglieder), sondern auch die Brandschutzanforderungen (unter anderem wegen der Werkstatt), der Naturschutz (der den vollständigen Erhalt des alten Baumbestandes forderte) sowie das Wasserrecht (wegen der Slip- und Steganlage) realisiert werden.

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