Werkzeuge
Ringversuch der TH Köln zeigt Optimierungspotenziale beim LCPC-Test im Bauwesen
In vielen Bauprojekten entscheidet der erwartete Werkzeugverschleiß frühzeitig über Wirtschaftlichkeit, Angebotsgestaltung und Projektrisiken. Insbesondere bei Bohrarbeiten, Schlitzwandherstellung, Tunnelbau oder Rohrvortrieb ist der sogenannte LCPC-Test häufig das zentrale Instrument, um die Abrasivität von Böden zu bewerten. Die Messergebnisse fließen direkt in die Kalkulation von Standzeiten, Ersatzteilen und Maschinenkosten ein. Umso größer ist die Bedeutung reproduzierbarer und verlässlicher Laborwerte für Bauunternehmer und Projektverantwortliche.
Der LCPC-Test, ursprünglich vom französischen Laboratoire Central des Ponts et Chaussées entwickelt, simuliert den abrasiven Einfluss von Bodenmaterial auf Stahlkomponenten. Aus dem Masseverlust eines definierten Prüfflügels lässt sich ableiten, wie stark der Boden Werkzeuge im realen Einsatz beansprucht. In der Praxis wird der Test häufig als Entscheidungsgrundlage genutzt, ohne dass seine Ergebnisstreuung systematisch hinterfragt wird.
Der Ringversuch der TH Köln als Branchenvergleich
Vor diesem Hintergrund hat die TH Köln gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Geotechnik einen umfassenden Ringversuch durchgeführt. Ziel war es, die Vergleichbarkeit und Qualität von LCPC-Testergebnissen verschiedener Prüflabore zu untersuchen und praxisrelevante Ursachen für Abweichungen zu identifizieren.
An dem Ringversuch beteiligten sich 22 Prüflabore aus Deutschland und Österreich. Jedes Labor stellte neue, unbenutzte Prüfflügel zur Verfügung, die an der TH Köln vorab mikroskopisch untersucht und hinsichtlich ihrer Materialeigenschaften geprüft wurden. Anschließend führten die Labore unter identischen Randbedingungen mehrere LCPC-Testreihen mit eigenen sowie von der TH Köln bereitgestellten Prüfflügeln durch. Insgesamt flossen mehr als 220 Einzelversuche in die Auswertung ein.
Prüfflügel als kritischer Einflussfaktor
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass ein zentraler Unsicherheitsfaktor im LCPC-Test häufig im Detail liegt. Ein erheblicher Teil der eingesetzten Prüfflügel entsprach nicht den vorgesehenen Anforderungen, insbesondere im Hinblick auf die Materialhärte. Vorgesehen ist ein definierter Härtebereich, um vergleichbare Verschleißmechanismen sicherzustellen. Abweichungen davon führten zu deutlich unterschiedlichen Abrasivitätswerten, obwohl identische Bodenproben untersucht wurden.
In der Praxis bedeutet dies, dass Labore mit ungeeigneten Prüfflügeln systematisch höhere oder niedrigere Verschleißkennwerte ermitteln können. Die Spannweite der gemessenen Abrasivität lag bei den Laborflügeln deutlich höher als bei den zuvor geprüften Referenzflügeln der TH Köln. Für Bauunternehmen kann eine solche Abweichung erhebliche wirtschaftliche Folgen haben, da zu hohe Abrasivitätswerte zu übervorsichtigen Kalkulationen und damit zu Wettbewerbsnachteilen führen.
Messtechnik und Gerätezustand als weitere Einflussgrößen
Neben den Prüfflügeln identifizierte der Ringversuch weitere praxisrelevante Faktoren. Der technische Zustand der Prüfgeräte spielt eine wesentliche Rolle für die Ergebnisqualität. Abweichungen bei Drehzahl oder Versuchsdauer, etwa durch langjährige Nutzung der Geräte oder unzureichende Kalibrierung, können den gemessenen Masseverlust beeinflussen und damit die Aussagekraft des LCPC-Tests einschränken.
Gerade im Routinebetrieb vieler Labore werden diese Parameter häufig als gegeben vorausgesetzt. Der Ringversuch zeigt jedoch, dass selbst kleine Abweichungen messbare Auswirkungen haben können und damit eine regelmäßige Überprüfung der Geräte zwingend erforderlich ist.
Bedeutung der Ergebnisse für Bauunternehmen
Für Bauunternehmer, Projektleiter und Entscheider im Bauwesen liefern die Ergebnisse des Ringversuchs eine wichtige Einordnung. Der LCPC-Test bleibt ein zentrales Werkzeug zur Abschätzung des Bodenverschleißes, seine Aussagekraft hängt jedoch maßgeblich von der Qualität der Versuchsdurchführung ab. Unkritisch übernommene Laborwerte können zu Fehlkalkulationen führen, die sich direkt auf Angebotschancen und Projektergebnisse auswirken.
Der Ringversuch der TH Köln macht erstmals transparent, in welchem Umfang sich methodische Unterschiede auf die Messergebnisse auswirken können. Damit schafft er eine fachlich fundierte Grundlage, um Laborergebnisse künftig besser bewerten und einordnen zu können.
Ausblick: Mehr Qualität und Vergleichbarkeit beim LCPC-Test
Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse erarbeitet das Projektteam derzeit konkrete Empfehlungen für Prüflabore. Ziel ist es, die Vergleichbarkeit von LCPC-Tests nachhaltig zu verbessern, indem Prüfflügel vor dem Einsatz geprüft und ungeeignete Exemplare konsequent ausgeschlossen werden. Ergänzend sollen Hinweise zur regelmäßigen Kontrolle von Drehzahl und Versuchsdauer die Qualität der Versuchsdurchführung absichern.
Der Ringversuch leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des LCPC-Tests im Lockergestein und stärkt die Schnittstelle zwischen Forschung und Baupraxis. Für die Branche entsteht ein belastbarer Referenzrahmen, der dazu beiträgt, Risiken realistisch zu bewerten und technische Entscheidungen auf eine verlässlichere Datenbasis zu stellen.













