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Artikel und Hintergründe zum Thema

Konjunkturausblick 2026

Kai Ingmar Link,

Verhaltener Optimismus bei Kobelco

Die Bauwirtschaft steht an einem Wendepunkt. Nach Jahren geprägt von Kostensteigerungen, Auftragsrückgängen und politischer Unsicherheit richtet sich der Blick nun auf 2026. Zwischen anhaltender Krise und vorsichtiger Zuversicht stellt sich für viele Unternehmen dieselbe Frage: Bleibt der Druck hoch – oder beginnt eine Phase der Stabilisierung?

Hanns Markus Renz, Vertriebsleiter des japanischen Kettenbaggerspezialisten Kobelco für die Marktregionen Deutschland, Schweiz und Österreich. © Kobelco

Im Interview sprechen wir darüber, wie die Branche das Jahr 2026 einschätzt, welche wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen entscheidend werden und wo trotz aller Herausforderungen neue Perspektiven entstehen. Es geht um Zahlen und Trends – aber auch um Stimmungen, Erwartungen und konkrete Handlungsoptionen für die Praxis.

Baugewerbe: Wie blicken Sie auf das kommende Geschäftsjahr: Welche Entwicklungen erwarten Sie für Ihr Unternehmen und für die Baubranche insgesamt?

Hanns Markus Renz: Leider blieb 2025 die Entwicklung in unserem Kernsegment Kettenhydraulikbagger zumindest in Deutschland einmal mehr weit hinter den noch zu Jahresbeginn aufkommenden großen Erwartungen zurück. Insgesamt wohl nur 10 % mehr Platzierungen über 12 Tonnen Betriebsgewicht gegenüber 2024 mit ernüchternden 2000 Maschinen machen deutlich: Wir sind weit von einer nachhaltigen Markterholung entfernt, tatsächlich liegen wir immer noch rund 40 % unter dem Absatz 2019 als letzte Referenz ohne Corona- und Kriegswirren.

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Gleichwohl blicken wir verhalten optimistisch ins Geschäftsjahr 2026: Wir gehen davon aus, dass sich die positive Entwicklung am Markt konsolidiert, zunächst durch notwendige Ersatzinvestitionen. Später im Jahr über eine steigende Baunachfrage, die sich allerdings wohl eher projektbezogen und vermutlich regional stark unterschiedlich entwickeln wird. Das zeigen aktuell auch die Ergebnisse auf unseren Teilmärkten Schweiz und Österreich, die sich einerseits weiterhin als sehr robust erwiesen, uns andererseits sogar gegen den erwartbaren Trend 2025 ein sattes Umsatzplus von 100 % brachten.

BGW: Welche größten Herausforderungen erwarten Sie im kommenden Jahr für Ihr Unternehmen?

Renz: Die Herausforderungen – aber eben auch die Chancen – bleiben 2026 die gleichen: Wir müssen als spezialisierter Hersteller und Lieferant dem starken Kostendruck bei unseren Kunden begegnen und Produkte und Leistungen bieten, die ihnen und uns im Wettbewerb den entscheidenden und zählbaren Vorteil bringen.

Im Maschinenbereich setzen wir dabei auf neue Modelle, die speziell auf die Bedürfnisse unserer Zielbranchen zugeschnitten sind. Im mittleren Leistungsbereich ist dies unter anderem der 18-Tonner Kobelco SK165SRLC-7 mit neuem Unterwagen, erhöhter Zugkraft und spezifischen Ausrüstungspaketen für ein breites Anwendungsspektrum von Tief-, Straßen- bis Landschaftsbau. Viel versprechen wir uns auch von unseren neuen Abbruchbaggern: Neben der neuen Generation unseres 140-Tonners Kobelco SK1300DLC präsentieren wir mit dem Kobelco SK650DLC einen komplett neuen 80-t-Bagger mit NEXT-Wechselausrüstung und nochmals deutlich höheren Werkzeuggewichten.

Auch im Kundenservice suchen wir neue Chancen: Unsere neue Europa-Zentrale im niederländischen Lelystad ist seit Mitte vergangenen Jahres in Betrieb. Als leistungsfähiger Teile-Hub optimiert sie die Versorgung unserer Kunden in ganz Europa nachhaltig, ein eigenes Entwicklungszentrum arbeitet im engen Austausch mit unseren japanischen Produktionswerken zudem an maßgeschneiderten europäischen Lösungen.

Als Reaktion auf Veränderungen in der regionalen Nachfrage, organisatorischer, technik- oder markenrelevanter Neuaufstellungen unserer Händler passen wir gemeinsam mit bestehenden und neuen Partnern auch regelmäßig unsere Vertriebsstrukturen an. Bei neuen Gebietsvertretungen macht die bereits lange in unserem Vertrieb und Service aktive Metzinger Eberle & Hald GmbH in Baden-Württemberg seit Beginn des Jahres den Anfang. Eine Neuaufstellung planen wir auch für die Region Hessen.

BGW: Welche Erwartungen haben Sie an Politik, Auftraggeber und die Branche insgesamt für das kommende Jahr?

Renz: Wir müssen wieder schneller werden: Schneller im Erkennen und Bewerten von echten Bedarfsfällen in der Infrastruktur, in der regionalen Wohnversorgung, in der Ausstattung unserer Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Die Liste ließe sich lange fortsetzen und tatsächlich sind strukturelle Defizite in allen Bereichen heute unumstritten. Was jedoch oft fehlt, ist eine klare, unvoreingenommene Priorisierung anstehender Projekte nach ihrer wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Bedeutung für betroffene Regionen oder Sektoren. Machen wir uns nichts vor: Die vielstimmig beklagte überlange Dauer von Genehmigungsverfahren ist nicht alleine einer überbordenden Bürokratie geschuldet. Oft werden gerade öffentliche Vorhaben gerne auf die verlässlich "lange Bank" der fachbehördlichen Bearbeitung geschoben, weil es zuvor an einer fruchtbaren politischen Abstimmung haperte.

Dass es anders geht, beweisen Großprojekte wie etwa die Ahrtalbahn oder die Rahmedetalbrücke bei Lüdenscheid, wo gerade auch schnelle Genehmigungen auf Basis eines breiten Konsenses aller Beteiligten zur Umsetzung in Rekordzeit geführt haben. Was bei Hochwasserkatastrophen oder einem drohenden regionalen Verkehrskollaps funktioniert, sollte zur Regel werden. Ob allerdings die Devise "Alle Macher an einen Strang!" schon in diesem Jahr zur neuen baupolitischen Handlungsgrundlage wird, darf bezweifelt werden. Bereits heute werden alle fünf anstehenden Landtagswahlen auch von gemäßigten Akteuren wieder zu "Richtungswahlen" hochstilisiert, was gerade den für den Bausektor so wichtigen Interessenausgleich auf regionaler Ebene nicht gerade fördern wird.

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