Baugewerbe EXKLUSIV
Ohrenöffner für eine bessere Kommunikation
Die Autoren Johannes F. und Martina Hartkemeyer haben zehn Kernfähigkeiten beschrieben, die uns helfen, Gespräche bewusst zu führen. Sie nennen diese Fähigkeiten "Ohrenöffner", weil sie uns befähigen, nicht nur mit den Ohren, sondern mit Herz und Verstand zuzuhören.
Dialog bedeutet mehr als ein Gespräch. Er öffnet Räume für gegenseitiges Verstehen, neue Perspektiven und kreative Lösungen. Aufbauend auf den Arbeiten von William Isaacs sorgen die nachfolgenden zehn Ohrenöffner für eine gelingende Kommunikation.
Eine lernende Haltung einnehmen
Wer glaubt, schon alles zu wissen, hört nicht mehr wirklich zu. Eine lernende Haltung bedeutet, neugierig zu bleiben und das Gespräch als Möglichkeit zu betrachten, etwas Neues zu entdecken. So wird jeder Dialog zu einem Lernfeld, in dem beide Seiten profitieren.
Radikalen Respekt zeigen
Respekt heißt, dem anderen mit Würde zu begegnen – unabhängig von Hierarchie, Meinung oder Verhalten. Radikal ist dieser Respekt, wenn er auch in angespannten Situationen gilt. Gerade auf der Baustelle, wo der Ton oft rau ist, zeigt er seine volle Wirkung.
Von Herzen sprechen
Authentizität überzeugt. Wer ehrlich sagt, was ihn bewegt, wirkt glaubwürdig und schafft Vertrauen. "Von Herzen sprechen" heißt nicht, alles ungebremst herauszuposaunen, sondern Worte zu wählen, die sowohl echt als auch respektvoll sind.
Generativ zuhören
Beim generativen Zuhören entsteht Neues. Man hört nicht nur zu, um zu antworten, sondern um wirklich zu verstehen. So können im Gespräch Ideen geboren werden, die vorher keiner der Beteiligten allein gehabt hätte.
Annahmen und Bewertungen suspendieren
Wir alle neigen dazu, vorschnell zu urteilen. Doch wer seine Bewertungen zurückstellt, eröffnet Raum für andere Sichtweisen. Suspension bedeutet: innehalten, bevor man ein Urteil fällt – und erst einmal genau hinschauen.
Erkunden
Fragen sind Werkzeuge des Dialogs. Erkunden heißt, die Beweggründe und Hintergründe des Gegenübers verstehen zu wollen. Statt zu unterstellen oder zu belehren, laden Fragen zum Weiterdenken ein und erweitern die gemeinsame Basis.
Produktiv plädieren
Eigene Standpunkte einzubringen, ist wichtig – solange sie konstruktiv formuliert sind. Produktives Plädieren bedeutet, die eigene Sicht klar darzustellen, ohne die andere Seite kleinzumachen. So entsteht ein fruchtbares Miteinander statt ein Kampf um Dominanz.
Offenheit
Dialog braucht Durchlässigkeit. Offenheit bedeutet, sich auf Neues einzulassen, selbst wenn es unbequem ist. Sie setzt Vertrauen voraus – und fördert gleichzeitig Vertrauen beim Gegenüber.
Verlangsamung zulassen
Im stressigen Alltag herrscht oft Eile. Doch gute Gespräche brauchen Zeit. Verlangsamung ermöglicht es, Zwischentöne wahrzunehmen, Missverständnisse zu vermeiden und Lösungen sorgfältig zu entwickeln.
Sich selbst beobachten
Dialog beginnt bei uns selbst. Wer sein eigenes Verhalten, seine Reaktionen und Gedanken reflektiert, kann bewusster agieren. Selbstbeobachtung schafft Klarheit – und verhindert, dass unbewusste Muster das Gespräch dominieren.
Zusammenfassung
Die zehn Ohrenöffner sind keine Techniken, die man schnell abhaken kann. Sie sind Haltungen, die eingeübt werden wollen. Wer lernbereit bleibt, Respekt zeigt, authentisch spricht, wirklich zuhört, Urteile aussetzt, Fragen stellt, konstruktiv argumentiert, offen bleibt, Tempo reduziert und sich selbst reflektiert – der gestaltet Dialoge, die verbinden und weiterführen.
Gerade auf Baustellen, wo Zeitdruck und Konflikte häufig sind, machen diese Fähigkeiten den Unterschied: Aus hitzigen Wortgefechten können so Gespräche werden, die zu Lösungen führen. Dialog ist damit nicht Luxus, sondern Grundlage für Kooperation und erfolgreiche Projekte.
Über Site Communications
Stefan Ufertinger ist Gründer und Geschäftsführer von Site Communications. Zudem ist er allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für Verdingungswesen, Leiter Bauwirtschaft bei Afry Austria sowie zertifizierter Lean Construction Manager. Site Communications berät Bauunternehmen in Sachen Kommunikation auf der Baustelle. Durch die gezielte Weiterentwicklung der einzelnen Projektbeteiligten hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die gesamte Baubranche von innen nach außen zu "gesunden".
Dieser Gastbeitrag erschien zuerst in der Dezember-Ausgabe des Baugewerbe-Magazins.













