Interview mit den Gründern:
Kjuup - Alles in einer App
Michael Boldt und Jan Menzen, die beiden Gründer von Kjuup, sprachen im Interview mit Baugewerbe über digitale Kommunikation im Baugewerbe, Datensicherheit und was eine App auf der Baustelle heute noch können muss.
Baugewerbe (BGW):
Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, eine Kommunikations-App für das Baugewerbe zu entwickeln?
Michael Boldt:
Die Idee kam aus dem Arbeitsalltag. In der Baubranche erleben wir täglich einen hohen Leidensdruck. Denn die Kommunikation läuft über die unterschiedlichsten Kanäle ab. Vom Telefon über die E-Mail bis hin zu WhatsApp. Und das ist vor dem Hintergrund der Komplexität der Branche viel zu umständlich. So passieren einfach zu schnell Fehler. Stellen Sie sich nur vor, Sie müssten auf die Schnelle 80 E-Mails nach Dokumenten oder Informationen durchsuchen. Oder sich an ein Telefonat erinnern. Gerade im Baugewerbe erleben wir zu 90 Prozent schnelle Kommunikation. Langes Suchen ist also fatal. Mit Kjuup vereinigen wir alle Kommunikationskanäle in einer App. Auch über Unternehmensgrenzen hinweg.
Jan Menzen:
Unser Ziel ist es auch, Prozesse zu vereinfachen, zu strukturieren und zu organisieren. So lassen sich auch Projektunterlagen strukturiert in der App speichern. Für jedes können die User übersichtliche Ordner anlegen. Diese Daten wiederum lassen sich bei Bedarf schnell wieder prüfen und exportieren. Alles DSGVO-konform, versteht sich. Wir haben auch eine Lösung für die Sprachbarriere auf der Baustelle gefunden: Die App ist in der Lage, alle Chat-Nachrichten direkt simultan zu übersetzen. So werden Projekte mit ausländischen Mitarbeitern viel leichter steuerbar.
BGW:
Was genau unterscheidet Kjuup aber von anderer Software auf dem Markt?
Boldt:
Kjuup vereinigt Kommunikation, Projektsteuerung und automatische Ablage in einem. So sind alle wichtigen Aspekte an einem zentralen Ort gebündelt. In vielen Unternehmen werden ja teilweise private Smartphones verwendet. Gerade im Fall von Whats-App vermischt sich dann schnell Privates mit Beruflichem. Das ist ein absolutes No-go! Und am Telefon kann nichts dokumentiert werden. Das behindert eine einfache Dokumentation bei Bauvorhaben zusätzlich.
Menzen:
Gerade die Möglichkeit, sich mit anderen Teilnehmern des Baugewerbes auszutauschen, ist ein weiterer zentraler Gedanke hinter der App. So können neue Kooperationen geschlossen werden. Dazu gehört auch, dass Unternehmen Beiträge zu ihrer Arbeit im Newsfeed veröffentlichen. Nur eines wollen wir dabei nicht: Es soll kein "Hintergrundrauschen" entstehen. Niemand möchte heute noch Beiträge sehen, die keinen Mehrwert haben. Das erleben wir ja bei vielen anderen sozialen Netzwerken. Deswegen sieht der User bei uns auch wirklich nur die Beiträge, die ihn interessieren. Auch lassen wir keine ungefilterte Werbung zu, um zu verhindern, dass der Newsfeed voller störender Anzeigen ist.
BGW:
Networking ist Teil der App. Wie muss man sich dann Kjuup genau vorstellen? Ist die App ein Messenger, Projektmanagementsystem oder soziales Netzwerk?
Boldt:
Kjuup+, unsere Mitarbeiter-App, vereinigt das alles. Aber streng getrennt. Wir sprechen daher von interner und externer Kommunikation. Intern stehen die Projektsteuerung und Projektkommunikation im Vordergrund. Aus diesem abgeschlossenen Bereich dringt nichts nach außen, ist schnell greifbar und sicher gespeichert. Es dreht sich alles um die Projekte des jeweiligen Unternehmens.
Menzen:
Kjuup ist kein klassisches soziales Netzwerk – das wollen wir auch gar nicht. Wir kennen das ja alle: Am Ende stehen wir vor einer viel zu großen Flut an unnützen Beiträgen und Kommentaren. Deswegen können nur über die Unternehmensaccounts Beiträge veröffentlicht werden. Diese können dann auch kommentiert werden. Über die Inhalte im Newsfeed erfahren die anderen Nutzer, welche Projekte gerade im eigenen Unternehmen aktuell sind. So entsteht ein zielgerichteter Informationsaustausch. Wir führen auch kein Tracking durch, das bewirkt, dass dem Nutzer Inhalte zu bestimmten Themen bevorzugt angezeigt werden.
BGW:
Boldt:
Zum einen werden die Server in Deutschland gehostet. Zum anderen hat die App keinen Zugang auf die Kontakte im Smartphone. Die App kann man einfach herunterladen. Viele neue Nutzer werden von den anderen auch einfach in Kjuup eingeladen. Ein großer Vorteil von Kjuup ist es, dass die App auf dem privatem Smart-Phone der Mitarbeitenden DSGVO-konform verwendet werden kann. Auch das ist ein Sicherheitsfaktor.
Menzen:
Ein weiterer Sicherheitsaspekt ist die Programmiersprache selbst. Wir nutzen React. Für diese Programmiersprache gibt es eine große Community, das ist ein guter Vorteil. Dank der vielen Programmierer wird React ständig weiterentwickelt und optimiert. Zum Beispiel durch regelmäßige Sicherheitsupdates.
BGW:
Viele Start-ups können sich langfristig nicht im Markt halten. Was macht Kjuup anders, um dies zu verhindern?
Boldt:
Wir stemmen die Finanzierung selbst. Und das seit Beginn der App-Entwicklung. So konnten wir selbst das Tempo vorgeben, ohne dass uns die Investoren gedrängt haben. Das Ziel war es, von Anfang an ein ausgereiftes, zuverlässiges Produkt anbieten zu können. Nachbesserungen wären nicht akzeptabel gewesen.
Menzen:
Wir wollten nicht die Fehler machen, die vielen Start-ups zum Verhängnis wurden. Wir haben ganz bewusst kein Kapital aufgenommen. Der Fokus lag vielmehr auf einem langsamen, gesunden Wachstum. So haben wir einen guten Kundenstamm aufgebaut.
BGW:
Der Unterhalt der App verursacht natürlich Kosten. Wie verdient Kjuup also Geld?
Boldt:
Zum Grundmodell gibt es wie schon erwähnt auch noch Kjuup+. Hier erhalten die Unternehmen ein vereinfachtes Onboarding zur Nutzung der App. Ein Beitritt ist hier ohne E-Mail-Adresse oder Telefonnummer möglich. Gleichzeitig steht dann ein unternehmensweiter interner Chat zur Verfügung. Nicht nur für größere Unternehmen ist der interne Newsfeed interessant. In diesem Bereich erfahren dann nur die eigenen Mitarbeiter Neues aus anderen Abteilungen und Projekten.
Menzen:
Wir setzen auf Contentmarketing. Sprich, wer seine Botschaft besonders weitgestreut verbreiten will, kann das über echte Inhalte und Informationen tun. Die anderen User sehen diese Inhalte aber nur, wenn sie auch wirklich in ihre Interessen fallen. Kjuup bleibt aber für alle Teilnehmer dauerhaft komplett kostenlos.
BGW:
Welche Entwicklungen erwarten Sie im Rahmen der Digitalisierung in der Baubranche und welche Hürden sehen Sie?
Boldt:
Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten. Das ist natürlich gut so. Denn sonst kann das Grundproblem nicht gelöst werden: Die Komplexität der Kommunikation im Baugewerbe aufgrund der zahlreichen Teilnehmer, die oft unterschiedliche Sprachen sprechen. Mit digitalen Helfern kann das aber leicht gelöst werden. Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss digital denken.
Menzen:
Leider schreitet die Digitalisierung im Baugewerbe – wie auch in so vielen anderen Sektoren – noch recht langsam voran. Ein Umdenken findet aber bereits statt. Kjuup wirkt auch dem Fachkräftemangel entgegen. Wir müssen uns alle darüber im Klaren sein, dass langjährige Mitarbeiter und Neueinsteiger einen gewissen Standard erwarten. Das schließt auch eine zeitgemäße Ausrüstung mit ein. Unternehmen, die auf moderne Technologien setzen, haben es auf dem Arbeitsmarkt deutlich leichter.
Dieses Interview erschien in Ausgabe 04/23.











